Mittwoch, 21. Juli 2010

Ich bin unentschlossen

Jeder wird älter und von den Gedanken, die einem durch den Kopf gehen können, handelt dieser kurze Text.

Ich bin unentschlossen.
 Und das ist gar nicht so einfach.

Es ist eine Zeit des Umbruchs. Mein Jahr der Veränderung.

Ich bin Vierzig!

Man stelle sich das mal vor. Es ist noch nicht lange her, da habe ich den Führerschein gemacht. Mich mühselig dem Ernst des Lebens gestellt. Habe aufgehört zu wachsen.

Gefühlt ist das gestern gewesen. Geschätzt bin ich vielleicht Mitte Zwanzig. Natürlich selbstgeschätzt.

Vierzig!

Das ist das Alter, in dem Profifußballer spätestens zurücktreten sollten. Die Ausnahmen haben es versaut: Klaus „Tanne“ Fichtel war nur noch schlecht, aber der war schon 43. Lothar Matthäus konnte auch nicht aufhören und blamierte sich entsprechend. Besser ist es bei ihm nicht geworden. Die schöne Begleiterin bleibt immer gleich alt. Doch Loddar, die Illusion täuscht. Bei dir selbst tickt die Uhr.

Die Erkenntnis trifft mich. Auch meine Uhr tickt.

Die gefühlte „Mitte Zwanzig“ kann ich knicken. Der verheilte Bänderriss schmerzt noch nach einem Jahr. Das durchzechte Wochenende beschränkt sich auf einen Tag und die Erholungsphase dauert bis zur nächsten Woche. Die Sehkraft rettet eine Brille. Nur der Gürtel wird immer enger.

Alle Andeutungen scheinen es zu bewahrheiten: Der Gipfel ist überschritten, es geht bergab. Langsam, aber stetig.

Dabei ist doch gerade mal das erste Drittel geschafft. Wohin soll das führen?

Es trifft mich wie ein Schlag!

Ich muss mich ändern.

Die Ruhephasen werden länger. Also muss ich mir die Auszeit gönnen. Mich schonen. Mich zurücklehnen. Eine Langsamkeit nimmt Einzug. Kein Leben auf der Überholspur. Sonst ist der Crash vorhersehbar.

Wie überall im Leben fällt dies schwer.

Die Wirtschaft will auch immer wachsen, selbst wenn sie eine hohe Reife erlangt hat. Weib, Wein und Gesang reizen auch jenseits der Vierzig. Auch der Beruf fordert nicht weniger, nur weil ich älter bin. Und dem sollen noch dreißig Jahre Dauerstress folgen?

Alle Ausreden helfen nichts. Die Realität ist wie sie ist. Und Schönfärberei und Ignoranz führen nur schneller in den Abgrund.

Es muss gehaushaltet werden. Ewige Jugend ist Illusion. Es wird Zeit, erwachsen zu werden. Im Kopf!



Ich bin entschlossen.

Ich bin erfahren. Vermeide Stress, da er nicht gut tut. Durchzechte Nächte werden reduziert. Die Ernährung ist wichtig und ausgewogen ab sofort. Auch Bewegung und frische Luft gehören zum Leben und werden jetzt zur Selbstverständlichkeit. Die Kippen kommen auf den Müll. Und die Leibesfülle bleibt begrenzt. Ein sanfter Trainingsplan strafft und lässt die Pfunde gemächlich Purzeln. Das zweite Drittel vermeidet Rosskuren. Gemütlichkeit ist Trumpf. Die innere Mitte Programm. Doch Askese wird vermieden.

Stattdessen die Höhepunkte ganz bewusst gesetzt. Das Festival im Sommer. Die Party zum Geburtstag. Der Karriereweg in kleinen Schritten geplant. Und der Festschmaus auf einmal die Woche fokussiert.

Vierzig!

Die Hürde ist genommen.

Ich bin entschlossen.


Der ErnstFall Michael Schmidt
Die Übersicht der bisherigen Geschichten findet sich hier.

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