Die Sache mit dem Respekt

Jemandem Respekt entgegenzubringen ist eine grundsätzliche Sache und sollte eigentlich immer gegeben sein. Das gilt ja für jedermann. Kinder sollen ihre Eltern respektieren, umgekehrt gilt das auch. Auch ein junger Mensch braucht Respekt.

Im öffentlichen Leben ist Respekt sogar noch wichtiger. Nehmen wir die geschundene Autorenseele, aber auch das Empfinden von Literaturaktivisten, Verlagen oder Lesern.

Respekt, das ist aber scheinbar für viele keine Eigenschaft die man pflegen will. Dies beginnt schon bei einer Rezension. Kritik ist wichtig, aber sie muss auch in Maßen verabreicht werden. Gefällt einem das Buch nicht, kann und soll man das auch ungeschminkt so schreiben. Wer ist man denn, dies zu verleugnen?

Aber muss man mit der Keule auf den Autoren draufhauen? Ihm Rechtsschreib- oder Charakterschwäche unterstellen? Natürlich soll eine Rezension auch subjektive Eindrücke schildern. Aber bitte doch so, dass sich der Autor nicht angegriffen fühlen muss. Dies fühlt er sich sowieso, so die Kritik negativ ist.

Umgekehrt ist eine Rezensentenschelte mit der Rechtsschreibkeule und Unfähigkeitsunterstellung ebenso schlimm. Auch der Rezensent hat Respekt verdient.

Respekt erhält man beim DPP nicht. Erst wird öffentlich kritisiert, wie man so unfähig sein kann, Pandora zu nominieren, schließlich sei es ein Jahr zu früh erschienen. Auf den Hinweis, das Buch ist im Januar 2010 erschienen und somit vorschlagsberechtigt, zieht man sich orakelhaft zurück, das werde intern geprüft, und das Ganze auch noch öffentlich. Das ist mangelhafter Respekt vor der Publikation, den jeder, der das liest, gibt seine Stimme doch für ein anderes Werk. Immerhin besteht dann die höhere Wahrscheinlichkeit, dass das Werk eine Chance hat, auf die Nominierungsliste zu kommen. Die besteht somit kaum noch und man wählt anders.

Respekt vorbehalten bekommen auch all die Werke, die nicht auf der Vorschlagsliste des DPP erscheinen, schließlich haben diese nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre kaum Chancen, überhaupt auf die Nominierungsliste zu kommen. Maßstäbe bei der Erstellung der Vorschlagsliste bleiben dabei nicht erkennbar.

Respekt sollte auch der Autor vor einer Nichtnominierung haben. Es wird nicht der Autor nominiert, sondern das Werk, auch wenn manche Nominierungslisten einen anderen Eindruck erwecken. Entscheiden sich die Abstimmenden nicht dazu, das Werk auf die Nominierungsliste zu setzen, kann man das gerne sachlich diskutieren, den Abstimmenden aber jegliche Expertise abzusprechen, zeugt von mangelndem Respekt (Zitat: „Herr, lasse Hirn regnen“). Immerhin dürften jedes Jahr Werke nicht nominiert werden, die es zumindest in Relation zu den nominierten Werken verdient hätten, ausgezeichnet zu werden. Geschmäcker sind halt relativ und rein objektive Kriterien nur selten anwendbar. Für fast alle Preise existiert ja überhaupt kein objektiver Kriterienkatalog, daher kann man auch nicht festlegen, Werk SF hätte für den DSFP oder den KLP nominiert werden müssen, auch wenn die entsprechenden Diskussionen hitzig genug geführt werden.

DSFP und KLP zu unterscheiden fällt zumindest in den Kategorien „Roman“ und „Erzählung/Kurzgeschichte“ schwer. Jedes Jahr werden dort Werke nominiert, die mal auf der einen, mal auf der anderen, mal auf beiden Listen erscheinen. Es gewinnt auch mal der gleiche, aber das scheint eher zufällig. Dieses Jahr gewinnt diejenige Erzählung den KLP, die es nicht einmal geschafft hat, für den DSFP nominiert zu werden.

Da zeigt sich doch objektive Güte der Extraklasse. Ein hoch auf die SF Szene. Damit beeindruckt man bestimmt all die da draußen, die sich mit der SF nicht auskennen. Immerhin stimmen bei diesen Preisen Experten ab, einerseits eine 15köpfige Jury (DSFP), andererseits die sogenannten SF Profis, also Autoren, Graphiker, Herausgeber, Verleger, etc. (KLP). Vielleicht sollte man beide Preise zusammen legen und hoffen, dass das Ergebnis dann homogener wirkt. So gibt die Szene kein schönes Bild ab und respektiert wenn man es so nennen will nicht den Leser. Denn der will sich ja dank dieser Preise ein Bild der deutschen SF machen.

Respekt würde auch bedeuten, dass ein Literaturpreis versucht, die Besten zu ehren. Nicht, durch möglichst lange Nominierungslisten möglichst vielen Künstlern einen Gefallen zu tun. Denn auch das zeigt ein Mangel an Respekt. Der Künstler fühlt sich doch vor allem dann geehrt, wenn die Auszeichnung eine Auswahlliste ist, die wirklich nur die Besten kürt und keinen Querschnitt der Szene bildet.

Was nun dieses ominöse „Beste“ ist, gehört natürlich auch definiert. Vielleicht kann dann jeder besser respektieren, ob sein Werk diese Kriterien erfüllt oder nicht.

Respekt heißt übrigens nicht, bei jeder Preiskritik „Bashing“ zu unterstellen oder einfach lakonisch einzuwerfen: „Ist ja nur ein Preis“. Es ist halt nicht nur ein Preis wie die Vielzahl an Diskussionen ja immer wieder zeigen, sondern für viele auch Ansporn und Auszeichnung. Und dies anzuerkennen, sollte doch selbstverständlich sein.

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