Mittwoch, 2. März 2011

Theodore I.

Theodor I., Deutscher Kaiser und König von Bayern
Die Erbfolge des letzten deutschen Kaisers ist klar. Ein mir unbekannter Graf von Preußen der demnächst ehelicht. Eine Randnotiz in der Tagespresse, ganz anders als die Strahlkraft des Hauses Windsor im Britischen Empire.
Queen Elizabeth II., mindestens eine gefühlte Ewigkeit im Amt, und ihr Gefolge beflügeln die royalen Gefühle der Engländer. Wir Deutschen dagegen verloren unseren letzten Kaiser Wilhelm II. inklusive des großen Krieges und all das war das deutsche Dilemma, das abrupt in brauner Soße und einem zweiten großen Krieg endete.

Davon haben sich meine deutschen Brüder nie erholt. Adenauer war der erste Versuch, einen demokratischen König einzuführen. Helmut II. hatte ebenfalls gute Chancen, stolperte aber über den Bimses.
Doch zuletzt strahlte ein neuer Stern am Himmel. Karl Theodor zu Guttenberg, schneidig, wortgewandt und öffentlich wirksam, war er der erste wirkliche Kandidat für den verwaisten deutschen Kaiserthron.
Einige vor ihm waren gescheitert, trotz guter Ansätze. Die SPD führte Frauenschwarm Björn Engholm ins Gefecht, doch auch dessen Karriere hatte ein schnelles Ende. Manche CDU Hoffnung fand sich Selbsttod in einer Badewanne. Doch alle hatten nicht diese ganz besondere Mischung aus Strahlkraft, blauem Blut und Popstarimage.
Theodor I., Deutscher Kaiser und König von Bayern, passenderweise ist ebenfalls ein Bayer auf dem höchsten geistlichen Thron. Wie die Bild Zeitung titelte: Wir sind Papst.
Während sich Benny, der Vierzehnte aber trotz gebrechlichem Alter und allerlei Missbrauchsfälle in seiner Heimatkirche wacker auf dem Petrusstuhl hält, verkam Theo I. zum Copy&Paste Kaiser. Eine schwere Wirtschaftskrise überstand er als Wirtschaftsminister, nachdem er die Schlaftablette auf zwei Beinen namens Glos ablöste. Auch der blasse Jung wurde von ihm beerbt und obwohl es im Verteidigungsministerium nichts zu gewinnen gibt, schlug er sich wacker trotz Bomben in Afghanistan, trotz Kadettenqual mit Todesfolge auf der Gorch Fock. Wahrscheinlich kam ihm die Bundeswehrreform in die Quere und mit ihr der Dolchstoß. Vielleicht aber auch einfach nur die Wahrheit.
Theo I. hat wirklich blaues Blut. Wen interessieren Details? Wen harte Arbeit?
Theo I, Wunderkind und Politikpopstar stolpert über seine Doktorarbeit und verliert Titel und fürs erste seine politische Karriere.
Was, frage ich mich, ist eigentlich die Aufgabe eines Doktorvaters, der einen solchen Schmus nicht merkt?
Abgesehen davon zeigt die Causa Theo I.: Unser Volk will einen Kaiser. Erst der Bobbel, seines Zeichens Tenniskönig, dann Rundenkaiser Schumi, vorher Hau drauf Schimmi, Grand Prix Lena oder NDW Queen Nena oder Kaiser Franz.
Die Deutschen lieben ihre Heldenbilder. Doch egal ob Besenkammer-Becker oder Seitensprung-Beckenbauer. Den Blaublütern des Sports verzeiht man alles.
Warum also nicht dem Blaublutpolitiker Theo I., König von Bayern? Waren seine Gegner zu mächtig? Kaisermordend war die großlettrige Blöd nicht, sondern warb in großer Auflage um den potentiellen Deutschen Kaiser.
Eine misslungene Aktion. Und was kommt jetzt? Wirkliche Nachrichten interessieren doch eh keinen Mensch. Es müssen royale Neuigkeiten sein und die Politik bietet da leider wenig Futter, zu viele Parteisoldaten, zu wenig wahre Männer und Frauen.
Doch woher nehmen wenn nicht stehlen. Helmut I. wäre ein allseits geschätzter Kandidat, doch der Kaiser der deutschen Folklore ist eindeutig zu alt für diesen Job, obwohl er das Format hätte und jetzt ohne Loki auch genügend Zeit.
Loddar hat selbst fürs blaue Blut zu wenig benehmen. So bleibt nur Kaiser Franz. Was hat der nicht alles erreicht. Soll er doch die Granden der CSU führen und dem Seehofer das Fürchten lehren. Und schließlich ist Fußball sowieso das einzig wichtige im Leben.
Aber verraten Sie das nur bloß nicht ihrer Frau!
Bei uns in Rheinland-Pfalz ist die Welt natürlich noch in Ordnung. Bald wird gewählt. Feudalherr Kurt, König von Rheinhessen tritt gegen Weinkönigin Julia an.
Na, wenn das nicht die Auflage steigert.

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