Mittwoch, 29. September 2010

Ist Essen zu billig?

Es wird wieder gestritten. Kernthema ist der ermäßige Mehrwertsteuersatz von 7%. Die Mövenpickpartei will ihre Entscheidung rückgängig machen und die Hotels wieder voll besteuern. Auch andere Ausnahmetatbestände sollen ausgeräumt werden, einzig die Lebensmittel sollen verschont bleiben.

Scheinbar zu nah noch ist der Gedanke an die Nachkriegszeit, als Deutschland kräftig abspeckte und das halt alles andere als freiwillig. Wurden unlängst Butter und Milch teurer, glaubte man schon, die Nation sei am Verhungern, so verbittert wurden Preissteigerungen kommentiert.
Der Deutsche kann sich das Essen nicht mehr leisten. Ist das wahr?


Laut Sarrazin reichen 3,76 Euro am Tag um sich gut zu ernähren. Ein Kilo Hackfleisch gibt es stellenweise unter 4 Euro.

52% der Deutschen sind übergewichtig, 16% gar fettleibig. In Europa sind wir damit die Nummer 2, einzig die Briten schlagen uns.
Zwar zeigt sich da auch die Überalterung der Gesellschaft – Ältere sind im Schnitt dicker als Junge, wie viele leidvoll an sich selbst feststellen können, doch der Anteil an Übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zeigt, dass die Ursachen noch woanders liegen müssen.

Gründe für das Übergewicht gibt es viele. Zu wenig Bewegung ist mit Sicherheit ein Aspekt. Auch das man Rund um die Uhr zu Essen bekommt, ist ein wichtiger Faktor. Zahlreiche Kleinunternehmer betreiben entsprechende Lokale und Imbissstände, die Tankstellen haben fast immer offen und bieten Chips und Süßigkeiten. Auch der Einzelhandel bleibt bis 22:00 Uhr geöffnet und lädt zum Schmaus ein.

Das nationale Übergewicht sorgt aber nicht nur für klingende Kasse der Gewerbetreibenden, sondern auch für entsprechende Umsätze der Gesundheitsindustrie. Herzkreislauferkrankungen, Volksdiabetes und entsprechende Magen- und Darmerkrankungen sorgen für immer größere Umsätze aber leider auch für immer größere Beitragszahlungen.

Jetzt soll der Staat ja steuern, um Fehlentwicklungen zu verhindern bzw. rückgängig zu machen.
3,76 Euro am Tag ist wirklich nicht viel. Auch ein üppiges Mittagsmenü für 3-5 Euro, das es in fast jeder Stadt gibt, ist nicht die Welt.
Da der Staat Einnahmen braucht, wäre eine Anhebung des Lebensmittelsatzes doch eine gute Sache. Der Staat nimmt mehr ein und umgekehrt darf man hoffen, dass weniger gegessen wird.
Vielleicht sollte man sogar zwischen guten und schlechten Kalorien unterscheiden. Gemüse und Obst kann ruhig günstiger besteuert werden. Einzig Fleisch und Süßigkeiten sollten teurer werden.
Das wäre sogar gut für die Umwelt, da gerade die Viehhaltung ein großer CO2 Erzeuger ist.

Aber ich bin mir sicher, der Preisanstieg der Lebensmittel wird nicht kommen. Schließlich gäbe es eine breite Opposition in der Bevölkerung.
Und leider zeigt sich ja auch, dass gerade die Ärmeren der Gesellschaft darunter am meisten zu leiden hätten.

So bleiben wir wahrscheinlich dick. Und vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm. Essen macht glücklich und das hat doch auch was.

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Glenn Larring - Die Gesellschaft der Mörder (Bastei Kriminal-Roman 214)

  Die Gesellschaft der Mörder (Band 214)  heißt der erste Butler Parker Roman im  Bastei Kriminal-Roman , erschienen unter dem Pseudonym Gle...