Uwe Post - DSFP Gewinner 2026 (Interview)

 



Michael Schmidt: Hallo Uwe, bist du eine KI oder noch ein richtiger Autor?

Uwe Post: Ich bin ein gefühlsechter Mensch und beweise das bei Gelegenheit durch Live-Auftritte, wo man ein Selfie mit mir machen kann – das geht mit KIs halt nicht, weil man dafür in ein Rechenzentrum einbrechen müsste.

Michael Schmidt: Denke, die meisten kennen dich und ich hatte dich hier schon mal interviewt. Stell dich trotzdem mal vor.

Uwe Post: Ich hab mal Physik und Astronomie studiert, Spiele und anderes Zeugs programmiert, Fachbücher geschrieben … neuerdings bin ich aber hauptsächlich Nachhilfelehrer. Science Fiction erfinde ich schon seit ein paar Jährchen. Und manchmal auch mit größeren Erfolgen, wie dieses Jahr dem zweiten Platz beim KLP und dem ersten beim DSFP.

 


Michael Schmidt: Herzlichen Glückwunsch. 2011 gewann »Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes« den DSFP als Bester Roman. 2026 wurde „Blumen für Lisa-9“ als Beste Erzählung ausgezeichnet. Da sind fünfzehn Jahre dazwischen. Versuch doch mal die Gefühle zu beschreiben und die Unterschiede dieser beiden Auszeichnungen.

Uwe Post: 2011 waren meine Romane noch so Dinge, die öfter mal von Leuten gekauft wurden. Ich weiß noch, wie ich auf einem einzigen BuCon zwanzig Bücher signiert habe. Inzwischen schreibe ich nur noch Kurzgeschichten, weil der Aufwand, einen Roman zu produzieren, in keinem sinnvollen Verhältnis zu der Anzahl verkaufter und gelesener Exemplare steht. Ist ja auch kein Zufall, dass immer mehr Szeneverlage aufgeben. Und die großen bringen auch nur noch, was zumindest gewisse Chancen hat, die Kosten einzuspielen. Was das ist, sieht man in den Buchläden ausliegen – und das ist nie die SF, die ich schreiben möchte. Meine letzten sieben Vorschläge hat mein Lektor jedenfalls alle aus inhaltlichen Gründen abgelehnt, ich zitiere sinngemäß: »Schön, aber kauft leider keiner.«

 


Michael Schmidt: „Blumen für Lisa-9“ erzählt von einem künstlichen Kind, welches in einer Familie lebt. Klingt erstmal gar nicht so aufregend, ist es aber doch wenn man die Geschichte gelesen hat. Hier kann man sie kostenfrei lesen: Uwepost.de. Welche Worte gibst du dem interessierten Leser auf dem Weg mit, damit er sich auf die Geschichte besonders freuen kann?

Uwe Post: Leser sollten sich etwas Zeit nehmen, weil die Geschichte einiges auslösen kann, über das man in Ruhe nachdenken möchte.

Michael Schmidt: Im englischsprachigen Raum findet man viele der für Preise nominierten Geschichten online. Im deutschsprachigen Raum ist das eher selten und meist nur kurzzeitig. Wird der Link noch länger funktionieren und wie siehst du die freie Verfügbarkeit von Kurzgeschichten? Wieso erhalten solche kostenlosen Angebote wie Online-Geschichten nicht mehr Zuspruch?

Uwe Post: Ich wüsste nicht, wieso ich die Story offline nehmen sollte. Sie ist ja ursprünglich in EXODUS erschienen, und mit den Herausgebern ist abgesprochen, dass die Texte mit einem gewissen Abstand auch online gestellt werden dürfen. Grundsätzlich ist es natürlich so, dass kaum jemand gerne im Browserfenster liest, aber inzwischen geht es ja auch ganz gut mit dem Smartphone, was einem E-Reader schon recht nahe kommt. Was den Zuspruch angeht … Es liest ja eh kaum noch jemand, und schon gar nicht so Zeugs, auf das man sich mit etwas mehr Konzentration einlassen muss als auf das nächste Weltraumabenteuer oder die übernächste Elfenmagie-Lovestory. Außerdem kann man sich ja heutzutage jederzeit eine eigene Geschichte von einer KI generieren lassen ...

Michael Schmidt: Die Welt wird nicht nur mit KI überflutet, sondern auch mit Geschichten, die von KI handeln. Wie stehst du dazu und welche Trends siehst du in der aktuellen Science-Fiction und welche Themen würdest du gerne lesen?


Uwe Post: Tatsächlich ist das Thema KI auch das, das uns als Herausgeberteam des Future Fiction Magazines am meisten angeboten wird. Leider bearbeiten die meisten Autoren das Thema immer noch aus der etwas eindimensionalen Perspektive »KI wird eines Tages übermächtig und uns vernichten«. Oder sie stellen die KI stark vereinfacht dar, ausgestattet mit unbegrenzter Macht oder mit total menschlichen Bedürfnissen und Absichten. Solche Ideen gibt es schon seit Jahrzehnten, sie beschäftigen sich streng genommen überhaupt nicht mit der aktuellen Entwicklung von Large Language Models wie ChatGPT, dabei wäre genau das höchst interessant. Dazu muss man sich natürlich damit ganz gut auskennen – mit den Möglichkeiten, aber auch mit den Grenzen dieser Technik. Ich wünsche mir deutlich differenziertere und tiefere Auseinandersetzungen, die sich zuvorderst mit der Frage beschäftigen, welchen Einfluss die Technologie auf uns als Menschen und unser Zusammenleben hat.

 


Michael Schmidt: Die deutschsprachige Science-Fiction Kurzgeschichtenszene ist rege und es erscheinen jedes Jahr viele Stories, von denen circa 4% für einen der beiden SF Preise nominiert werden. Wie siehst du die Spitze der Science-Fiction Kurzgeschichtenszene? Wo sind ihre Stärken und was fehlt ihr?

Uwe Post: Der Spitze fehlt es vor allem an Breite. Wir haben nur sehr, sehr wenige Autoren, die konstant hochklassige Kurzgeschichten abliefern können. Man sieht es daran, dass gewisse Namen immer wieder auf den Nominierungslisten erscheinen und dann auch weit oben landen, von den meisten anderen hört man nie wieder etwas. Gerade als Herausgeber fällt mir oft an den eingereichten Texten auf, dass weniger erfahrene Autoren Schwierigkeiten mit handwerklichen Elementen haben wie Spannungsaufbau, Themenauswahl, Figurenzeichnung, Wortschatz. Das sind alles Dinge, die man lernen kann, aber dafür muss man sich intensiv damit beschäftigen, sich mit erfahreneren Autoren austauschen und natürlich offen sein und sich verbessern wollen. Dafür gibt es aber keinen großen Anlass, wenn auch Zweitklassiges recht leicht in manchen Anthologien untergebracht werden kann, die dadurch unter dem Strich natürlich eher mittelprächtig ausfallen … Würden die Herausgeber jedoch nur die wirklichen Top-Storys abdrucken, wären die resultierenden Bände arg dünn. Von High-Level-Anforderungen wie prägnanten Titeln, angemessenen stilistischen Kunstgriffen, originellen Erzählformen oder gar einem wieder erkennbaren, eigenen Stil will ich gar nicht erst anfangen ...

 


Michael Schmidt: Nochmal zurück zu „Blumen für Lisa-9“. Du bist ja generell eher bekannt für humorvolle Geschichten. „Blumen für Lisa-9“ ist aber da ganz anders. Hast du im Laufe der Jahre dein Portfolio erweitert oder ist der Stempel, Autor humorvoller Geschichten eine Fehlinterpretation?

Uwe Post: Mir wurde über die Jahre immer wieder empfohlen, ich solle meinen Humor zügeln. Zudem gibt es ja nicht einen Humor, sondern viele verschiedene und nicht alle Leser lachen über das gleiche. Lässt man den Humor weitgehend weg, erreicht man rein statistisch ein größeres Publikum. Überhaupt scheinen mir die Leute ohnehin weniger zu lachen oder lachen zu wollen. Könnte an der Weltlage liegen, aber was weiß ich schon.

 


Michael Schmidt: Neues Jahr, neues Glück. Was ist dieses Jahr von dir erschienen bzw. auf was können sich die Leser freuen?

Uwe Post: Abgesehen von lustigen Storys in der c’t gibt’s grundsätzlich nicht mehr viel von mir. Uwe Hermann und ich haben einen Nachfolgeband zu unserem tatsächlich recht erfolgreichen »KI – Komische Intelligenz« rausgebracht, da sind ein paar unveröffentlichte Storys von mir drin und sogar eine Gemeinschaftsproduktion. Das Büchlein heißt logischerweise »KI² – Komische Intelligenz«. Außerdem habe ich zum 20. Geburtstag meinen allerersten Roman »Zweiland« überarbeitet und als Hardcover neu rausgebracht, aber der ist nur was für Fantasy-Fans, die was mit Humor à la Pratchett anfangen können. Ansonsten ist im Moment nichts konkret geplant, aber in c’t oder anderswo wird man sicher immer mal die eine oder andere Geschichte von mir finden.

 


Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Meute dort draußen!

Uwe Post: Spaß haben! (Mist, das waren zwei Wörter)

 

 

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