Leipziger Buchmesse 2025
Die Leipziger Buchmesse ist zusammen mit der Frankfurter Buchmesse die Großveranstaltung in Sachen Literatur. Inklusive ist der Manga Con und Fantasy ist in Leipzig ein großer Schwerpunkt. Die Veranstaltung zeigt, auch wenn das Jammern über sinkende Buchumsätze und Leserschwund groß ist, in Leipzig darf man sich verwundert die Augen reiben und ist als Besucher sicher: Die Buchbranche lebt und boom!
An Donnerstag und Freitag waren insgesamt 96.000 Besucher auf der
Messe. Für mich war es die erste Buchmesse überhaupt und Leipzig ist dafür
bekannt, dass viele Verlage, Autoren und Künstler aus der Szene vor Ort
vertreten sind. Grund genug für mich, dieses Jahr hinzureisen, und auch wenn es
ein tolles Wochenende war, wiederholen werde ich das nicht, dafür war mir die
Messe zu überfüllt.
Übernachtet habe ich in Halle an der Saale, dort sind die Preise für
die Übernachtung halb so teuer wie in Leipzig, die Entfernung von HBF Halle zum
Messegelände Leipzig ein Katzensprung und zwei Stationen weit, im Prinzip kürzer
als zum HBF Leipzig. Halle ist eine wirklich schöne Stadt, die auf den ersten
Blick ein wenig spröde wirkt, aber die für eine solche Großstadt wenig Verkehr
bietet, viele Grünflächen hat und für Fahrradfahrer ein wahres Eldorado ist,
denn dort gibt es scheinbar überall eine Fahrradspur.
Ich bin Donnerstag angereist und Freitag dachte ich, der frühe Vogel fängt den Wurm. Der Wurm war eine Schlange und obwohl ich vor Eröffnung um 10:00 Uhr vor Ort war, in der Messe war ich erst um 11:15 Uhr.
Der Andrang war mörderisch, der Samstag da schon ausverkauft und die Hallen und Gänge voller Menschen. Das war die negative Seite, ansonsten kann man nicht meckern. Meine Interessen waren in den drei Hallen 4, 3 und 5 (in der Reihenfolge) konzentriert und die anderen habe ich gar nicht aufgesucht, selbst so war es ein Zuviel an Eindrücken. Auf dem Weg vom Eingang zu den Hallen war, zwar auffällig platziert, aber eher klein, ein Programmpunkt mit SF Autor Tom Hillebrand, der über sein neues Buch Thanatopia referierte. Wie ich dort stand, traf ich direkt Rainer Wüst, das war ein netter Zufall.
Sehr schön und prominent an einer Ecke präsentierte sich der Festa Verlag, dort signierte Brian Evenson seine zwei Neuerscheinungen. Evenson ist ein sehr sympathischer Amerikaner, der für ein Gastsemester in Berlin unterrichtet. Am Stand war neben der Inhaberfamilie auch Hardy Kettlitz (Memoranda, Carcosa), mit dem man wirklich schöne Fachgespräche über Literatur und Kultur führen konnte. Unweit von Festa gab es den Stand „Österreich“, dort war der JojomediaVerlag untergebracht und man verabredete sich für den Abend nach Leipzig und man fachsimpelte dort über Horrorliteratur, die Buchbranche und die phantastische Szene im Allgemeinen. In der gleichen Halle war übrigens auch Bastei und direkt gegenüber mit Lyx ein Stand, der unter Belagerung stand. Romantasy mit farbigen Buchschnitt, Leipzig war der lebende Bewies, liegt voll im Trend.
Damit hatte ich Halle 4 mit Erfolg hinter mich gebracht. In Halle 5 war das Saarland vertreten und dort hatte im Gemeinschaftsstand The Dandy is Dead seine Heimat. Ich plauderte mit Germaine Paulus, Tom Becker und der dazu gestoßenen Simona Turini, die wiederum Übersetzerin für Festa ist sowie als Lektor arbeitet. Gegenüber war die Junge Welt untergebracht, da gab es sozialistische Propaganda kostenlos obendrauf, mit entsprechender kriegsähnlicher Rhetorik. Sehr befremdlich.
Unweit davon schlug der Septime Verlag seine Wurzeln, der Verleger
Jürgen Schulz ist ein alter Bekannter aus vergangenen Zeiten aus dem
Scifinet.org und bekannt für seine Ausgabe der Autorin James Tiptree Jr., dazu
kam Philip Krömer, ein Autor, den ich aus Zwielicht kenne und mit dem ebenfalls
Anekdoten ausgetaucht wurden. Da Jürgen Schulz als Joe Chip im Forum aktiv
gewesen war, wurde Philip K. Dick ein Thema, eine zwangsläufige Sache, die
immer wieder erfrischend ist.
In Halle 3 war dann das Herz der phantastischen Szene untergebracht. Alle nebeneinander: Verlag der Schatten, Torsten Low, Leserattenverlag, Edition Roter Drache, Amrun…unzählige größere und kleinere Stände, da verlor man völlig den Überblick. Mittendrin die P.A.N. Phantastik Lounge, in die mich Szene-Urgestein Markus Heitkamp freundlich einlud und wo ich mit Vincent Voss und Constantin Dupien plaudern durfte. Auch mit Amandara M. Schulzke konnte ich ein nettes Schwätzchen halten, Monika Lörchner hat mich mal erkannt und vielen bin ich auch überhaupt nicht begegnet, was aber auf Grund der Massen nicht wundert.
Man sieht, auf der Messe war alles, was in der Szene Rang und Namen hat. In Halle 3 wurde auch der Seraph vergeben und auf diversen Leseinseln gab es Programmpunkte wie Vorträge und Lesungen unterschiedlicher Couleur von Queer*Welten bis Jol Rosenberg mit Etomi.
Vor dem Ende entschwanden dann Jo Piccol (Jojomedia) und ich und
machten uns nach Leipzig. Eine gute Entscheidung, denn die Bahnen waren auch um
die frühere Zeit schon sehr gut besucht.
Samstag hatte ich dann auf die Buchmesse verzichtet und genoss Halle, erlebte trotzdem noch einen positiven Abschluss. Nachdem ich mich Freitag versucht hatte, mit Zwielicht Autor Tobias Lagemann zu treffen und es wie ein Fluch schien, da wir es nicht geschafft hatten, stellte sich heraus, auch er übernachtet in Halle und so konnten wir uns in Ruhe treffen und ausführlich Literatur und ihre Auswüchse analysieren und so hatte ein sehr lohnenswertes Wochenende einen würdigen Abschluss gefunden.
Bilder von Halle an der Saale:
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