Franz Hardt vom DSFP (Interview)
Michael Schmidt: Hallo Franz, alkoholfreies Bier oder Weizen?
Franz Hardt: Weder,
noch, sondern lieber Wein: Im Winter rot und schwer, im Sommer weiß und leicht,
aber immer trocken.
Michael Schmidt:
Wie war es auf dem Wetzkon? Dort war ja u.a. die Verleihung des DSFP 2024.
Franz Hardt: Der
WetzKon hat mir sehr viel Spaß gemacht, ich habe mich mit vielen netten
Menschen unterhalten, solchen, die ich schon kannte und solchen, die ich erst
kennengelernt habe. Die überschaubare Teilnehmerzahl - mehr als 99 sind ja
nicht erlaubt in dem Gebäude - führte dazu, dass ich gefühlt irgendwann mit
jedem mal gesprochen hatte (was sicher nicht stimmt). Das fing schon mit dem
netten Abendessen am Freitag an.
Persönliches Highlight war natürlich die DSFP Preisverleihung, da war es mir im
Anzug allerdings etwas warm. Auch der sich anschließende Sektempfang und die
KLP-Verleihung waren toll. Ich gehe bei Cons gerne zu Programmpunkten und das
habe ich auch in Wetzlar gemacht.
Michael Schmidt:
Der Deutsche Science-Fiction-Preis wird von einer Jury vergeben. Du bist ihr
Vorsitzender bzw. hast letztes Jahr auf dem Bucon die Preisträger präsentiert.
Ich weiß nicht, ob du den meisten Leuten ein Begriff bist, daher stell dich
doch mal bitte vor. Wer ist der private Franz Hardt?
Franz Hardt: Der Vorsitz des DSFP besteht aus Thomas Recktenwald, Ralf Boldt und mir. Ich habe im letzten und auch in diesem Jahr die Preisträger präsentiert und auch vorher schon einzelne Laudationes geschrieben. In den AndromedaNachrichten 288 habe ich mich ausführlicher vorgestellt. Ich zitiere hier einen Auszug daraus:
“Ich war acht Jahre alt, als Menschen zum ersten Mal auf dem Mond landeten und ich hätte das Ereignis gerne live auf unserem kleinen Schwarz-Weiß Fernseher verfolgt, aber die Uhrzeit war etwas ungünstig. Ich habe mich also schon früh für Raumfahrt und Astronomie interessiert und noch heute ärgern mich offensichtliche Fehler eines Textes in diesem Bereich. Hand in Hand - ich weiß nicht, was zuerst da war - mit diesen Interessen entstand die Begeisterung für Science Fiction und ich habe früh begonnen, “Perry Rhodan” zu lesen und dies tue ich heute noch, inzwischen seit über 50 Jahren.
Anfangs, als der
Weltraum noch groß und voller Wunder war, also im schönsten Alter für Science
Fiction, las ich vor allem Klassiker, wie Asimov und Clarke. In den 80ern, als
jeden Monat Berge von neuen SF-Büchern erschienen, erweiterte sich mein
SF-Horizont z.B. um Brunner, Lem und Le
Guin. Nun waren mir auch gesellschaftliche Entwicklungen wichtig, Einblicke in
andere Lebensweisen, Begegnungen mit dem Fremden. Damals entdeckte ich meine Liebe zu Kurzgeschichten (Tiptree,
Sturgeon, Dick, Bradbury, später: Ted Chiang), die sich irgendwann auf die
deutsche SF ausgedehnt hat und bis heute anhält.
Ich habe Mathematik und Physik studiert und lange in der Softwareentwicklung gearbeitet.“
Michael Schmidt:
Wie kamst du zum DSFP und seit wann hast du die Geschicke dort federführend
übernommen?
Franz Hardt: Nachdem ich einige Zeit Rezensionen für die “Andromeda Nachrichten” des SFCD geschrieben hatte, wurde ich Mitte 2020 Mitglied des DSFP Komitees. Dies macht mir immer noch sehr viel Spaß, obwohl ich es außerordentlich bedauere, dass dadurch die Lektüre nicht-deutschsprachiger SF und von Büchern außerhalb der SF zu sehr eingeschränkt wird.
Wie oben schon
erwähnt, besteht der DSFP-Vorsitz aus drei Personen.
Michael Schmidt: Während des DSFP 2024 kam es zum Eklat…
Franz Hardt: Ja, da
sind interne Diskussionen eskaliert und am Ende musste der SFCD Vorstand das
Komitee auflösen und einen Neustart organisieren. Mehr sage ich dazu natürlich
nicht.
Ich denke, dass
sich das Komitee in Wetzlar sehr gut präsentiert hat. Es waren sechs Mitglieder
anwesend, die gegen Ende mit den Preisträgern auf der Bühne standen und denen
man den Spaß an ihrer Arbeit angesehen hat.
Michael Schmidt: Welche Lehren habt ihr aus der Situation gezogen?
Franz Hardt: Wir
haben unsere Geschäftsordnung überarbeitet und weitere interne Verhaltensregeln
definiert. Außerdem stehen wir hinter dem Verhaltenskodex des SFCD. Wichtiger
ist aber, dass wir versuchen, persönliche Kontakte zwischen den Komiteemitglieder
aufzubauen bzw. zu verbessern. Dies geschieht durch regelmäßige Online Treffen
und durch persönliche Treffen, z.B. bei Cons.
Ich denke, dass
persönliche Kontakte helfen, Missverständnisse bei der elektronischen
Kommunikation zu vermeiden bzw. aufzuklären. Wir sind durchaus oft
unterschiedlicher Ansicht über die Texte, die wir lesen. Aber das müssen wir
aushalten und dafür müssen wir Lösungen finden.
Michael Schmidt: Die Jurymitglieder waren bisher halbgeheim. Manche machten ihre Teilnahme öffentlich, von anderen weiß man nichts, aber nirgendwo gibt es offiziell ein Statement, wer jeweils in der Jury ist. Das wurde von manchen Seiten kritisiert, andererseits schützt es die Jurymitglieder und erschwert eine Einflussnahme. Seit den Andromeda Nachrichten 288 werden die Jurymitglieder nach und nach vorgestellt. Wie kam es zu dieser Vorgehensweise und was versprecht ihr euch davon?
Franz Hardt: Dies gehört zu den Punkten, die wir uns beim Neustart überlegt haben: Wir wollen ein offenes Komitee sein, die Mitgliedschaft soll also im Regelfall bekannt sein. Unsere Diskussionen bleiben aber intern. Die Vorstellungsrunde soll zeigen, dass unterschiedliche Menschen im Komitee sind, die unterschiedliche Vorstellungen von Science Fiction haben. Wir versprechen uns natürlich auch noch eine Werbeeffekt, denn das Komitee ist immer noch zu klein und kann dringend weitere Mitglieder gebrauchen. Zugegeben: Das mit der Werbung hat bisher nicht so gut geklappt.
Michael Schmidt: Der DSFP ist einer von zwei Preisen. Wo sind die Unterschiede zum KLP und wo kooperiert ihr?
Franz Hardt: Ich finde es gut, dass wir unterschiedliche SF-Preise haben mit unterschiedlichen Konzepten. Es ist dann auch klar, dass die Ergebnisse nicht komplett übereinstimmen - sonst bräuchte man keine verschiedenen Preise. Wir versuchen beim DSFP einen Überblick über sämtliche relevanten Texte zu bekommen. Deshalb entdecken wir auch immer wieder Werke, die sonst vielleicht übersehen würden.
Wir kennen die
Listen der Romane und Kurzgeschichten, die für den KLP nominiert werden können
und wir schauen uns natürlich an, wer dort schließlich nominiert wird.
Ich finde übrigens,
dass Udo Klotz dort eine tolle Arbeit leistet und ich bin ein großer Fan seiner
Laudationes.
Michael Schmidt: Der DSFP 2025 für Werke des Science-Fiction Jahr 2024 steht noch aus. Wann wird die Nominierungsliste bekannt gegeben?
Franz Hardt: Das
war einer der Gründe, warum ich dir die Antworten nicht vor Wetzlar geben
wollte: Wir haben als Überraschung beim WetzKon auch gleich die Nominierungenfür den DSFP 2025 bekannt gegeben. Die Ehrung der Preisträger erfolgt dann auf
dem diesjährigen BuCon, der am 18.10 stattfindet,
Michael Schmidt:
Wie siehst du die deutschsprachige Science-Fiction Szene?
Franz Hardt: Der WetzKon hat gezeigt, dass die Szene schön zusammen feiern und diskutieren kann,
sie ist bunt und vielfältig. SF mag im Moment nicht im Fokus der großen Verlage
stehen, aber wir haben immer noch eine große Anzahl von engagierten Kleinverlagen,
die uns mit tollen Büchern versorgen. Dazu kommt eine wachsende Zahl von
Self-Publishern. Ich denke, die SF hat uns im Augenblick viel zu sagen, sie
beschäftigt sich mit vielen wichtigen Themen. Das haben auch Mainstream
Autor*innen erkannt und schreiben immer öfter Science Fiction, die dann aber
nicht so benannt wird, was ich als Fan wiederum bedaure. Im Komitee sehen wir
immer noch eine hohe Zahl an neuen deutschsprachigen SF-Erstveröffentlichungen:
es sind etwa 150 Romane und 300-400 Kurzgeschichten im Jahr. Gerade bei den
Kurzgeschichten würde ich mir übrigens wünschen, dass diese mindestens so viel
gelesen wie geschrieben werden.
Michael Schmidt: Ein Wort noch an die Science-Fiction Fans dort draußen!
Franz Hardt: Wir
leben in Zeiten, in denen wir befürchten müssen, dass SF Dystopien Wirklichkeit
werden. Wir sollten gemeinsam versuchen, dass es Positives und Utopisches in
der Dystopie gibt.







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