Johanne Lykke Holm - Strega

 

Inhalt: 
Mit Toilettenartikeln, Haarbändern und Notizbüchern in der Tasche verlässt die neunzehnjährige Rafa auf Anweisung ihrer Mutter ihr Elternhaus und die Küstenstadt, in der sie aufgewachsen ist. Aus dem Zugfenster sieht sie die beleuchteten Berge und die perfekten Bäume – und das Olympic Hotel, das über dem kleinen Dorf Strega auf sie wartet. Dort bekommt sie die steife schwarze Uniform der Saisonarbeiterin, wie acht andere Mädchen auch, mit denen sie in einem Schlafsaal über­nachtet. Unablässig schuften die Mädchen unter den Blicken ihrer strengen Chefinnen, um alles bereit zu machen für Gäste – die nicht kommen. In ihren freien Momenten flüchten die neun sich in den Kräutergarten und suchen Trost beieinander. Schließlich füllt sich das Hotel doch, für eine wilde, rauschende Party – und dann verschwindet eines der Mädchen. Was folgt, sind tiefe Enthüllungen über die Mythen, die wir jungen Frau­en beibringen, über das, was wir ihnen von der Welt zumuten, und darüber, ob ein sanfteres, schöneres Leben möglich.


»Johanne Lykke Holm hat einen filmischen Untergangsroman geschrieben, der im Grenzbereich zwischen The Virgin Suicides, The Grand Budapest Hotel, Suspiria und Melancholia angesiedelt ist. Die Geschichte ist voller romantischer, mystischer Stimmungen, die so scharf geschildert sind, dass jeder einzelne Satz wie ein Juwel in einer symbolträchtigen Textnacht glänzt.«
Sinziana Ravini

So steht es auf dem Buchrücken und fast vermag man es dabei zu lassen, so treffend ist die Einschätzun. Strega, übersetzt aus dem Schwedischen, bietet einen unheimlich-surrealen Roman. Rafaela, die Hauptprotagonisten, sowie Alba, ihre Seelenschwestern, aber auch die anderen jungen Frauen, die sich aufmachen und im Olympic Hotel ihre Arbeit aufnehmen, erleben eine zutiefst verstörende Situation. Ein Hotel ohne Gäste, ohne Leben. Der Ort Strega, auf den man herabblickt und der ebenfalls wie eine Geisterstadt wirkt. Das alles ist eher Synonym als ein handfester Ort. Ein Synonym für die Unterdrückung bzw. Befreiung der jungen Frauen, für Rollenverhalten und soziale Gefüge, vielleicht sogar für die Sexualität. 
Was genau passiert, das bleibt vage. Eines der Mädchen verschwindet, ihre Sachen werden nach und nach gefunden, ihr Kleid. Rafa und Alba nehmen die Geschehnisse und entwickeln sich. Da ist ein Kloster, direkt neben dem Hotel, ohne das es Kontakt gibt. Da sind die Verlockungen der Stadt Strega, der Alkohol, das Nachtleben. Aber auch die Aufführungen im Hotel, der Mörder, die Tote, natürlich gespielt oder nicht?

Das Nachwort von Dorothee Elmiger gibt dem Leser ein wenig Orientierung, aber ist offen genug, das man selbst seine Interpretation finden mag, wenn man sich drauf einlässt. 
Eine sehr atmosphärische Geschichte, die zwischen Realität und Vorstellung, zwischen Hoffen und Bangen wandelt. Eine sehr weiblich erzählte Geschichte, die einen aber völlig in den Bann zieht.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zwielicht – Das deutsche Horrormagazin

Zwielicht 20