Miniaturen

 


Neue Ufer

Was willst du, du Arsch? Schaust blöde, einfältig drein. Bist du wirklich so, wie du wirkst? Schwach und weich? Wirbellos, ohne jegliche Power? Wehleidig und im See der flachen Emotionen gefangen?

Mir graut´s vor dir. Erklär dich doch!

Ach du, echt? Ich wusste nichts von deinen Ufern. Berichte, ich hänge an deinen Lippen wie eine Verdurstende. Jetzt endlich erkenne ich Tiefe, wo vorher nur resonanzloser Raum zu erkennen war. Die Erkenntnis ist überwältigend und erschüttert mich in meinem Innern. Ich verstehe. Bewundere dich. Deinen Aufbruch.

Neue Ufer. Fort von dem, was gestern war. Nicht das charakteristische Klischee der menschlichen Gemeinschaft, starker Mann, mit Haltung und breiter Brust.

Neue Ufer, weg aus dem bürgerlichen Mief, der sozialen Enge, der gesellschaftlichen Zwangsjacke, die einem kaum Luft zum Atmen gibt.

Neue Ufer, die Brandung, die dafür sorgt, dass nichts bleibt, wie es ist und alles verändert, aber auch alles bewahrt.

Neue Ufer, bereit für neue Wege und Erkenntnisse. 

Neue Ufer, welche die Seele zum Vibrieren bringen.

Neue Ufer, die, so kann man erkennen, die alte Ufer in sich tragen. Eine Veränderung, die auf sich selbst basiert und das Gute hervorhebt und das Schlechte eliminiert.

 


Das Konsumprodukt

Ein Eisblock, der schmilzt, kaum lockt der grelle Scheinwerfer der sozialen Medien sie aus dem Schatten. Sie ist schön. Extrem. Überwältigend. 

Sie weiß es und sie nutzt es. Schönheit ist ein Wert. Aus Geld. Aus Anerkennung. Aus Macht. Über die, die sich danach sehnen und sie nicht selbst besitzen. 

Schönheit ist ein Fluch, genährt durch die Erwartungen der anderen. Ein Fluch, der leichte Wege beschreitet. Pfade, die in der Dunkelheit enden können.

Der Eisblock stolziert. Die Miene eine Maske, durch die nichts dringt. Nicht einmal der Schein des Ruhms. Sie ist der Ausdruck des Konsumprodukts. Dessen Gesicht. Dessen Entsprechung. 

Jeder nimmt sie sich. Sie ist ein Teil von allen. Unwiderruflich. Gibt jegliche Kontrolle über sich selbst ab. Eine Ikone der Mehrheitsgesellschaft. Ohne eigene Relevanz. Ohne die Macht des Gestaltenden. 

Der äußere Schein, der sich selbst genügt. Sich von Innen auffrisst. Der Hunger nach Anerkennung. Der niemals gestillt wird und sich selbst ernährt.

 


Panzerschrank aus Diamant

Das Außen findet nicht statt. Ich bin ich. Lebe von mir. In mir. Mit mir. Meine Regeln sind meine und keine anderen. Niemand schreibt sie mir vor. Ich stehe völlig unter der Kontrolle. Meiner selbst. Kann mich dabei nicht mal selbst kontrollieren.

Mir ist heiß. Ich bin heiß. Kochend heiß. Doch außen herrscht die Eiszeit. Niemand dringt ein durch den Panzer aus hartem Kohlenstoff. Meine Augen funkeln wie 400 Nanometer und treiben dich unter den absoluten Nullpunkt. 

Völlig erstarrt, bist du bereit. Reglos und willenlos. Ich knete dich. So wie es mir gefällt. Mach dich gefügig und untertan. Der Sklave meiner Kälte. Gefesselt von innerer Hitze. Doch sobald meine Hitze dich erreicht, taust du auf und verlässt den Ring aus Feuer. Ich bin rettungslos verloren. 


Sie haben mich gebannt. Diese eiskalten Schächte. Voller Wärme halten sie mich gefangen. Ich zapple wie eine Fliege in der Klebe. Zu nah herangewagt. Unter ihrer Haut pulsiert das Leben. Meine Fingerkuppen streicheln sie und verspüren die Magie. Ist es meine Entscheidung oder handele ich in ihrem Auftrag. Sie fixiert mich. Emotionslos. Doch hinter dieser Fassade steht der klare Befehl. Sie manipuliert und dirigiert. Ich folge wie ein dressiertes Hündchen. Ich verliere mich in den beiden Tunneln ihrer Seele. Bin für ewig verloren. In dem Labyrinth ihrer Wünsche und Begierden.

Ich gebe mich auf. Verschmelze mit ihr. Für immer.

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