Torsten Scheib (Interview)

 Michael Schmidt: Hallo Torsten, wir haben schon öfters zum Interview zusammen gesessen und die meisten kennen dich. Stell dich trotzdem mal vor!

 Torsten Scheib: Erst mal ein herzliches ‚Hallo zusammen!‘ Um es möglichst kurz zu halten: Ein womöglich nicht mehr ganz so junger, aber definitiv jung gebliebener Phantast aus der hässlichsten Stadt Deutschlands. Meine literarischen und popkulturellen Affinitäten setzen sich vorwiegend aus Horror, besagter Phantastik, härteren Gitarrenklängen und einer lebenslangen Verbundenheit zu einem britischen Geheimagenten zusammen.

 Michael Schmidt: Dodge ist der Name diverser Städte in den USA, Familienname und natürlich eine Automobilmarke, die bei uns in Deutschland vielleicht gar nicht so bekannt ist. Was aber ist New Dodge?



 Torsten Scheib: Ein Asteroid, ein ziemliches Drecksloch, ein Sammelbecken für die Verlorenen, die Verzweifelten, die Verdammten und Verkommenen. Einst als paradiesisches Habitat konzipiert, ist aus New Dodge ein Habitat für Glücksspieler, Schmuggler und Kopfgeldjäger geworden. Nur bedingt als Reiseziel zu empfehlen.

 Michael Schmidt: Böse Zungen behaupten, Space Opera und Western sei eh das gleiche, nur in neuen Kleidern!

 Torsten Scheib: Ach, da könnten wir auch direkt auf ein Gros von John Carpenters Filmen verweisen, die ziemlich deutlich Altmeister Howard Hawks respektive dessen Western zitieren. Oder Tarantino. Oder, oder, oder. Das Western-Genre besitzt womöglich wie kaum ein zweites so viele überlebensgroße Archetypen und Ausgangssituationen, dass eine Übertragung auf andere Sparten geradezu konsequent erscheinen. Wobei ein typischer Western im Grunde eine etwas modernere Rittererzählung darstellt. Mitsamt mythologischem Flair. Und die vorherrschende Gut-Böse-Dichotomie ist sowieso zeitlos.

Michael Schmidt: Auf welche Geschichten darf man sich freuen?

Torsten Scheib: Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich hinter jedem einzelnen Beitrag stehe und ungemein stolz bin, so tolle Autorinnen und Autoren gewonnen zu haben. Wenn du mich fragst, ist es eine perfekt balancierte Mischung aus knallharter Action, augenzwinkernder Krimikomödie, aber es gibt auch tragische und ans Herz gehende Geschichten.

 Michael Schmidt: Worum geht es in deiner Geschichte?

 Torsten Scheib: In ‚Nichts als Ärger‘ schreibe ich über den Archetypen des sympathischen Kriminellen. Kein Psychopath, kein Massenmörder. Am Ende des Tages auch nur einer, der überleben will und dabei von einem Missgeschick ins nächste schlittert.

 Michael Schmidt: Übrigens Kurzgeschichten. Deine Sammlung „Schattenschwarz“ erschien bei Blitz. Stell uns den Band und die Geschichten doch mal vor!

 


Torsten Scheib: ‚Schattenschwarz‘ ist meine allererste, ‚richtige‘ Storysammlung und besteht vorwiegend aus bereits veröffentlichten Geschichten; überwiegend aus dem Horror- und Dark Fantasy-Bereich. Mein Augenmerk galt besonders jenen Sachen, die mir viel bedeuteten, aber ein wenig unter dem Radar geflogen waren und Storys, die nicht bereits mehrfach erschienen waren. Ferner wollte ich typische Ausgangslagen wie Zombies oder Weltuntergänge vermeiden. Na ja, fast. So geben sich Kinderschrecken, Ragnarök, Krabbelviecher, Muschelmädchen und vieles mehr die Klinke in die Hände.

Michael Schmidt: Ist das deine erste und letzte Kurzgeschichtensammlung?

 Torsten Scheib: Meine erste, aber hoffentlich nicht die letzte. Für einen Nachfolger gäbe es bereits eine Idee ... 

Michael Schmidt: Du bist jetzt (Mit)Herausgeber des Marburger Magazins für Phantastik. Ihr sucht noch Beiträge?

 


Torsten Scheib: Ja, ständig! Kurzgeschichten, Sachartikel, Con-Reportagen, Rezensionen, Gedichte, Zeichnungen … Immer her damit. Wir beißen nicht und freuen und über jede Einsendung.

 Michael Schmidt: Seit wann machst du das MvP-M?

 Torsten Scheib: Seit ungefähr Anfang 2023. Ich äußerte mich ein bisschen enttäuscht, dass es bei der letzten Marburg-Con 2022 kein Con-Magazin gab und dass gewiss nicht nur ich es vermisst. Also bot ich meine Unterstützung an und gemeinsam mit Thomas Will und Thomas Vaterrodt entstand in diesem Jahr eine neue Ausgabe, die wirklich toll geworden ist, wie ich finde. Zur BuCon gibt es übrigens Nachschub und da haben wir noch einen Gang zugelegt.

Michael Schmidt: Für den Vincent Preis sammelst du die Neuerscheinungen 2023 im Bereich International. Was ist denn 2023 alles so erschienen und hast du schon ein paar Lesetipps?

 


Torsten Scheib: Eine bunte Mischung als Altbewährt und Neu, vereinfacht ausgedrückt. Ich kann Alma Katsus historischen Roman DAS FIEBER empfehlen. Silvia Moreno-Garcia sollte man auch im Auge behalten, ihr Werk DIE TOCHTER DES DR. MOREAU ist zwar nicht perfekt, kann aber was. Ach ja, und selbstredend Stephen Kings neuer, HOLLY. Ich habe zwar erst damit begonnen, aber vom Gefühl her wage ich die Behauptung, dass der Altmeister wieder abliefert.

 Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Meute dort draußen!

 Torsten Scheib: Lest weiterhin gute Bücher. Bleibt optimistisch. Versucht den Glauben an das Gute im Menschen nicht zu verlieren. Und lebt so, dass die AfD-Brüllaffen das kalte Kotzen bekommen.

 

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