Mittwoch, 18. Dezember 2019

Michael Böhnhardt (Interview)



Michael Schmidt: Hallo Michael, ich fall direkt mal mit der Tür ins Haus. Im dunklen Buch des Anbeginns ist erschienen. Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt sich das an?

Michael Böhnhardt: Es ist ja nun doch schon eine Weile her, dass das Luftschiff des Doctor Nikola erschienen ist. Ich hatte also fast vergessen, wie es sich anfühlt, wenn man das Paket mit den Autorenexemplaren öffnet und sein fertiges Buch in den Händen hält. Es gefällt mir wirklich ausgesprochen gut, was der Wurdack-Verlag aus meinem Manuskript gemacht hat.

Michael Schmidt: In dem Buch geht es um die Schöpfungsgeschichte. Aber anders. Erzähle doch mal!

Michael BöhnhardtIch hatte damals Einiges über die  etwas abwegigen Theorien von Frank J. Tipler  über die Physik der Unsterblichkeit gelesen, laut der es das finale Ziel des Lebens ist, mit Hilfe von Von-Neumann-Sonden das All zu erobern, um zum einen die Kontrolle über das Universum zu erlangen und zum anderen in einem Gott-Simulationscomputer wiederaufzuerstehen. Damit begann meine Phantasie loszurattern:  Eine künstliche Intelligenz in einer Von-Neumann-Sonde, die auf neuen Welten entweder neues Leben erschafft oder bestehendes beeinflusst, muss  von den Wesen dort fast zwangsläufig als eine Art Gottheit betrachtet werden. Ich begann mir ein paar zukünftige Welten auszumalen und die religiösen Kulte, die  um eine solche Sonde mit ihren technischen Möglichkeiten und dem Versprechen eines ewigen Lebens in ihrem Speicher entstehen könnten. Und dann fiel mir plötzlich auf, dass ich gar nicht in der Zukunft danach suchen musste. Wenn man von der Hypothese ausgeht, dass es sich bei dem Gott der biblischen Schöpfungsgeschichte um eine Von-Neumann-Sonde handelt, ergibt die ganze Geschichte einen völlig neuen (und überraschend plausiblen) Sinn.

Michael Schmidt: Für wen ist das Buch geeignet bzw. was macht das besondere von Im dunklen Buch des Anbeginns aus?

Michael Böhnhardt: Die Grundidee ist echte Science Fiction, doch die Figuren, Luzifer, Lilitu (Lilith), Adam, Eva, etc., stammen aus einem mythologischem Umfeld. Das macht für mich den Reiz der Geschichte aus: Alte phantastische Sagen werden in einem plausiblen technologischen Umfeld neu erfunden. Das habe ich bei Zelazny oder Simmons selbst immer gern gelesen. So kann man bei mir nachlesen, wie Eva aus Adams Rippe erschaffen wurde; mythologische Wesen wie Seraphim und Cherubim werden als gentechnische Experimente erklärt, Jakobs Traum von der Himmelsleiter als Weltraumfahrstuhl (nicht besonders originell, zugegeben), der Höllensturz der aufständischen Engel als Absturz auf einem unwirtlichen Planeten, das verheißene Paradies als der Cyberspace, in dem man frei von allen Körperresten ewig leben kann ...

Michael Schmidt: Handelt es sich um einen abgeschlossenen Roman oder wird es weitere Geschichten geben?

Michael Böhnhardt: Ich habe den Roman als abgeschlossene Geschichte konzipiert. Allerdings befinde ich mit der Schöpfungsgeschichte naturgemäß ganz am Anfang, Fortsetzungen sind also prinzipiell möglich.

Michael Schmidt: Arbeitest du gerade an einer Geschichte? Sind 2020 schon Veröffentlichungen aus deiner Feder geplant?

Michael Böhnhardt: Ich spiele gerade mit zwei, drei Ideen herum und versuche mir darüber klarzuwerden, welche das größte Potenzial hat. Da ist noch nichts wirklich spruchreif.

Michael Schmidt: Ein Wort an die Phantastikgemeinde zum Schluss!

Michael Böhnhardt: Viel Spaß beim Lesen. Besonders, wenn ihr Im dunklen Buch des Anbeginns blättert. Aber natürlich nicht nur dann.

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