Sylvana Freyberg & Uwe Post (Hrsg.) - Future Fiction Magazine 2

 

Das FutureFiction Magazine ist ein internationales Projekt und bringt Science Fiction in Kurzgeschichten und Artikel aus aller Welt. Die vorliegende Ausgabe ist die zweite, Juli/22. Wie einer der Herausgeber im Interview berichtete, zahlt das Magazin Tantiemen und ab der kommenden Ausgabe kann jeder Beiträge einreichen.

Das Cover selbst kommt meines Erachtens leider nicht gut rüber, das liegt auch an der Vielzahl an wenig ansehnlichen Texten, die über das Bild gelegt wurdenund die farblich nicht recht passen wollen. Schade, innendrin ist das Bild in s/w abgedruckt, selbst da kommt das besser rüber. Der Satz ist recht großzügig, können also auch Leute lesen, die etwas älter sind.

Andreas Eschbach bietet mit Die Augenzeugin einen SF Krimi, der sich auf eine Pointe konzentriert, die leider schnell erkennbar ist. Alles in allem ein netter Auftakt, den man aber schnell wieder vergisst.

 

Dilman Dila erzählt in Yat Madit von einer Künstlichen Intelligenz, der großen Baumdemokratie, die basisdemokratisch und dezentral organisiert ist und den vorherigen despotischen Herrscher abgesetzt hat. Der hat allerlei Gräueltaten verursacht und als er aus dem Gefängnis entlassen wird, will er von seiner Tochter unterstützt werden, um wieder ein Amt bekleiden zu können. Amaro, Dateningeneurin, schwankt zwischen der Liebe zu ihrem Vater, den sie als Kind gekannt hat und dem, was er dem Volk und den Menschen angetan hat. 

Es wird sehr schön in der Geschichte gezeigt, das ein Herrscher gleichzeitig gut und schlecht sein kann. Sie zeigt auch, dass der innere Zwiespalt zwischen dem Bündnis des Blutes bzw. der Gemeinschaft (bei uns wäre es die Parteipräferenz) und der Unabhängigkeit der Politik eine immer vorhandene ist. 

Amaro, deshalb endet die Geschichte gut, entscheidet sich für die Neutralität und stellt sich gegen ihren Vater und auch gegen die Korruption.

Hat mir sehr gut gefallen.

 

Das Interview mit Peter J. Maurits zu SF in Afrika war sehr erhellend, kann teilweise auch gut für Genrediskussionen außerhalb Afrikas angewendet werden und stellt auch die bekanntesten Vertreter vor.

 

Aiki Miras Digital Detox kommt ein wenig verwirrend daher und erzählt aus Sicht einer Person, die sich in einer digitalen Möbiusschleife befindet und einen ein wenig hoffnungslos zurück lässt. Das ganze liest sich aber sprachlich sehr spannend und bildreich mit drei überaus interessanten Protagonisten.


Renan Bernardo (Brasilien) erzählt in Boden unsere Heimat, Sturm unseres Lebens die Geschichte der vorgeblichen Terroristen Wrecking Balls in zwei Zeitebenen. Die Erderwärmung ist da, der Meeresspiegel steigt und es gibt Streit über die Landnutzung, da der Platz knapp wird. 

Statt Hausbesetzer zu sein, pflanzen die Wrecking Balls ihren Samen in offenes Gelände und aus dem erwachsen Häuser. Coole Idee und man sieht, ob etwas terroristisch eingestuft wird, hängt davon ab, wer es macht und die etablierten Mächte setzen doch radikale Mittel ein. Man sieht auf jeden Fall, man sollte sich immer selbst eine Meinung über eine Situation bilden und nicht einfach irgendeiner Propaganda folgen.

Die Geschichte ist leider echt dröge erzählt, das ist nicht so meins. Inhaltlich ist es aber großes Kino. Sehr schön.


Bettina Wurche berichtet in ihrem Artikel Meeresarien und Morsecode: Sprach der Wale über die Sprache von Walen und Delphinen, das man dies damals genutzt hat für das NASA Program SETI (das hat man hier und da schon öfter gelesen) und das jetzt auch versucht wird, mittels KI die Sprache zu kategorisieren und zu dechiffrieren, was bisher nur teilweise gelungen ist.

 

Yazeed Dezele aus Nigeria bietet mit Afrinewsia eine ziemlich deftig-bittere Geschichte über den Klimawandel und die Zukunft. Hört man allenthalben, das beste was man machen kann um die eigene CO2 Bilanz niedrig zu halten, ist es, auf Nachwuchs zu verzichten, geht Afrinewsia den umgekehrten Weg und "Entsorgt" die Alten. Das dabei Zustimmmungspflicht der Nachkommen besteht und die eigene Familie Züge der Stasi annimmt, setzt dem ganzen noch die Krone auf.

 

Future Fiction Magazin 2 ist ein tolles Buch, das kann ich nur empfehlen, auch wenn es äußerlich wenig eindrucksvoll daher kommt.


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