Freitag, 24. November 2017

Dem Volk aufs Maul geschaut!

Schon vor mehreren Jahren behandelte ich den Wandel der Phantastischen Literatur in einer Kolumne.
Nun, seitdem ich viel Wasser den Rhein heruntergeflossen, aber geändert hat sich an sich nichts und doch eine ganze Menge. Ein Widerspruch an sich, den ich aber in der Folge aufklären werde.

Liebesschmonzetten im phantastischen Gewand gibt es immer noch. Die Frequenz heißt die Erstkontaktgeschichte, die zwar spannend und interessant anfängt, aber mit fortlaufender Dauer zu einer Alien Shade Of Grey mutiert, ein softpornografischer Frauenroman über Träume, wie man sich dem männlichen Alien unterwirft.


Wesentlich jugendfreier kommt der Zahnpasta-Roman von Becky Chambers - Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten daher. Ich gebe zu, nach zwanzig Seiten Diskussion, wer wem das Förmchen weggenommen hat, kam ich mir vor wie bei den Sondierungsgesprächen zur Jamaika Koalition und machte den Lindner.
Platz 3 bei der PAN Liste, na, wenn denen das gefällt soll es mir auch egal sein.

Zwei Beispiele, dass die SF auf dem Weg zu einer Mischung aus Dallas und Gute Zeiten, schlechte Zeiten mit einem Hauch von Alf transformiert ist. Im Hintergrund kann man förmlich Helene Fischer und Britney Spears trällern hören.

Waren es in früheren Zeiten meist eine einzige Sau die durch das phantastische Dorf getrieben wurde und inflationär geklont wurde, gibt es dieser aktuell zwei und beide sind ziemlich konträr.

Extrem Horror heißt die Gelddruckmaschine des Festa Verlages und einige sind auf den Zug aufgesprungen und überbieten sich gegenseitig mit Grausamkeiten. Werde ich alt oder wirkt das Zeug wirklich so widerwärtig wie ich es empfinde?
Die Amazon-Anthologie-Hitliste führen Werke wie Fleisch, Blutgrütze und Emma. Aber Ausgeschabt und Konsorten überbieten das wohl um Längen, zumindest nach dem äußeren Eindruck, angetan habe ich es mir nicht. Und wenn gar nichts mehr hilft gibt es Sex mit Dinosauriern.

Da wundert es einen nicht das Zwielicht aktuell nicht angesagt ist. Nun, wie schon bei Vampiren und Ritterliebesromanen, der Wandel wird kommen und Zwielicht wird immer noch die Stellung halten, ein Fels in der Brandung, abseits der zahlreichen Wellen, welche die phantastischen Küsten umspülen.


Wie immer ist dies ein Blick zurück. Was die nächsten Wellen sind, die an der Brandung der Phantastik brechen? Es wird spannend sein, und leider auch oft genug ein wenig ernüchternd.


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