Freitag, 17. November 2017

Iwoleit auf dem Fantasyguide

Er gehört zu den profundesten Kennern und Kritikern der deutschsprachigen Science-Fiction, ist ein vielprämierter Autor, Nova-Herausgeber und Amateur-Musiker. Er provoziert zu heftigen Reaktionen, spaltet Convention, Fandoms und bestimmt auch Universen. Zwölf Jahre lang ließen wir Michael K. Iwoleit in Ruhe …


So moderiert Ralf Steinberg das Interview an, das man auf dem Fantasyguide findet:
Im Gespräch mit Michael K. Iwoleit



In dem Gespräch findet sich manche bemerkenswerte Aussage.
Ralf fragt, wenn schon die SF Schaffenden keine SF lesen, wer ist denn die SF Szene und lohnt es sich denn dafür zu schreiben.

Michael antwortet dabei:
Ich glaube immer noch, daß es ein potentielles SF-Publikum außerhalb der SF-Stammleserschaft gibt und es einfach an Ideen und dem Mut mangelt, dieses Publikum anzusprechen (wobei ich mich selbst als Magazinherausgeber nicht ausnehmen möchte).



Die Hoffnung stirbt zuletzt werfe ich da mal ein. Ich persönlich bin der Meinung, es gibt für vieles einen Markt. Aber den zu heben, das ist die Schwierigkeit. Stephen King hat es ja auch geschafft, Leser für Horrorliteratur zu begeistern, die ohne sein Werk nie erreicht worden wären. Auch Fantasy ist im Zuge von Harry Potter sowie der Verfilmung von Herr der Ringe grenzenlos in seiner Leserschaft geworden.
Ob es irgendwann gelingt, eine neue Welle loszutreten, hängt auch immer von einzelnen Werken/Autoren und ihrem Standing ab. Wenn man mal nicht die große Welt betrachtet und solche Megaerfolge nimmt wie ich oben aufgezählt habe, kann es schon einen kleinen Trend z.B. in der Science Fiction geben, der den Genrestoff komplett erneuert/erweitert und viele Nachahmer findet.
Wenn aber die handelnden Personen, also die SF Schaffenden, entweder in der Retrofalle gefangen sind (was ja an sich einem Trend entspricht und der ja auch recht erfolgreich läuft) oder sich eher für allgemeine Literatur als speziell für SF interessieren, wird es natürlich unwahrscheinlich, dass dort etwas passiert. Zumindest national. International werden ja meist die Trends gemacht und hier wird dann hinterhergeeifert. Man darf gespannt sein was da kommt und vor allem wann.
Michael spricht ja auch selbst im Interview an, was passiert, wenn die SF in den Mainstream verschwindet bzw. SF Themen vom Mainstream übernommen werden.
Insgesamt, unabhängig von der Trendrichtung, scheint es, dass Literatur ein wenig zahnloser, weniger provokativ daher kommt, zumindest wenn man es aus der SF Brille betrachtet.


Auf die Frage, was er von einer Fusion der beiden deutschen SF Preise hält, schreibt er:
Überhaupt nichts. Der Kurd Laßwitz Preis, der ursprünglich als Profipreis analog dem amerikanischen Nebula Award konzipiert war, leidet jetzt schon darunter, daß zu viele Fans und Amateure mitstimmen, was sich an der Qualität der Nominierungen wie auch an dem Umstand zeigt, daß wiederholt Fandom-Projekte mit dem KLP-Sonderpreis ausgezeichnet wurden.


Genau genommen sagt er damit, dass die Fusion eigentlich schon stattgefunden hat. Zwar sind es noch zwei organisatorisch unabhängige Preise, aber vom Geist her sind sie auch so schon verschmolzen. Das deckt sich mit meiner Beobachtung. Ich tue mir immer schwer damit, mir zu merken, ob ein Werk für den DSFP oder den KLP nominiert oder ausgezeichnet wurde. Im Prinzip konnte man die letzten Jahre keinen gravierenden Unterschied feststellen. Es gab zwar hier und da andere Schwerpunkte und damit auch andere Preislisten, aber wirklich festmachen an irgendwelche Kriterien, das konnte man nicht und die Präferenzen wechselten mal hier und mal da. Dazu kommt natürlich, das es auch einige gibt, die bei beiden Preisen stimmberechtigt sind.
Bei den Kurzgeschichten gewann dieses Jahr Iwoleit mit Das Netz der Geächteten den DSFP 2017.Michael schreibt selbst, er war verwundert darüber. Diese Auszeichnung zeigt auch das Dilemma. Das Netz der Geächteten war toll geschrieben, inhaltlich aber eine brav formulierte Nacherzählung einer 80er Cyberpunk Geschichte.
Die Siegerstory des KLP 2017 war Suicide Rooms von Gabriele Behrend. Die Einschätzungen sind auf dem SF Netzwerk zwar unterschiedlich, sprechen aber auch eine beredete Sprache und halten mich zu Hundert Prozent davon ab, die Geschichte zu lesen.
Wahrscheinlich gab es keine überragenden Kurzgeschichten 2017. Aber es zeigt schon, das Durchschnittliche hat Hochkonjunktur.








Ein kurzer Ausblick noch aus dem Interview: Für 2018 sind zwei Veröffentlichungen von Michael Iwoleit geplant: Die Romanversion von Der Moloch bei Fabylon sowie die zweite Kurzgeschichtensammlung. Das klingt doch zumindest vielversprechend.



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