Mittwoch, 16. Februar 2022

John Ball - In der Hitze der Nacht

 


John Ball war ein amerikanischer Autor, dessen erster Roman In der Hitze der Nacht (In the Heat of the Night) 1965 erschien. Das Buch gewann den Edgar Allan Poe Award für den besten Debütroman der Mystery Writers of America und den britischen Dagger Award als bester ausländischer Kriminalroman. Insgesamt erschienen neun Romane mit dem Mordermittler Virgil Tibbs. Von dem Roman wurden 73 Ausgaben zwischen 1965 und 2016 in 13 Sprachen veröffentlicht (Quelle).

Der Roman wurde mit Sidney Poitier verfilmt. Beim Lesen des Buches hatte ich immer Poitier vor Augen, aber im Trailer wirkt Virgil Tibbs doch anders als im Buch.

Das Wesen des Kriminalromans ist vordergründig das Verbrechen, also der Kriminalfall. Der Spannungsaufbau ist ein zweites wichtiges Merkmal. Und natürlich geht es immer um Menschen und im weitesten Sinne um die Gesellschaft und ihre Verwicklungen, aus denen ja dann das Verbrechen entsteht. In den Krimis der Neuzeit wird viel Wert auf die Befindlichkeit des Ermittlers gelegt, in denen, die etwas älter sind, eher das Wesen des Verbrechers oder des Verbrechens an sich.
In In der Hitze der Nacht ist es ein wenig anders. Die Ermittlungsmethoden werden eher indirekt dargelegt, da Virgil Tibbs, der schwarzhäutige Ermittler, eher aus äußerer Perspektive betrachtet wird.
Im Süden der USA, in der Kleinstadt Wells. Es beginnt mit einem Knall. Streifenpolizist Sam Wood findet eine Leiche, wird von Polizeichef Gillespie zum Bahnhof geschickt, um verdächtige Personen festzunehmen und trifft auf einen gut gekleideten Schwarzen mit Geld und nimmt diesen fest. Wie sich herausstellt handelt es sich um den Polizeibeamten Virgil Tibbs, ein Spezialist für Kapitalverbrechen wie Mord, Entführung und Vergewaltigung, der bei seiner Mutter zu Besuch war und sich auf dem Rückweg nach Pasadena, Kalifornien befand. 
Der Tote ist der berühmte Dirigent Mantoli und die Stadt ist in Aufruhr, sollte doch seine Konzertfestspiele die Stadt, die unter Verfall leidet, zu neuer Blüte führen.

Wells ist eine Stadt voller Rassisten und die Rassentrennung allgegenwärtig, obwohl die Segregation eigentlich schon Geschichte ist. Im Bahnhof gibt es getrennte Wartebereiche für Weiße und Farbige, die Waschräume für Farbige in der Polizeistation sind ohne Seife und Handtuch und alle wollen das Tibbs schnell den Ort verlässt und es werden sogar Schläger auf ihn angesetzt. Schwarze müssen Weiße mit Sie anreden, werden aber selbst beim Vornamen genannt und geduzt. Doch Polizeichef Gillespie ist unter Druck, denn er hat noch nie einen Mordfall gehabt und macht Fehler am laufenden Band. Erst buchtet er einen Jungen ein, der die Brieftasche des Toten genommen hat, dann den eigenen Streifenbeamten Wood, der dazu noch der Verführung Minderjähriger beschuldigt wird, denn die aufreizende Delores Purdy befürchtet sie ist schwanger und will es dem attraktiven Polizisten unterjubeln. Wenn er sie heiraten würde, um einer Anklage zu entgehen, hätte sie eine gute Partie gemacht.

In In der Hitze der Nacht gibt es viele Klischees. Delores, einfältig und sexy, aus einfachem Elternhaus. Der Polizeichef Gillespie, der den Job bekommen hat, weil er ihn als Karriereschritt sieht, der aber überhaupt keine Erfahrung hat und vorher Vollzugsbeamte im Gefängnis war und vor allem von seiner physischen Kraft lebte. Streifenbeamter Sam Wood, der gar keine Ausbildung hat und vorher in einer Autowerkstatt arbeitete. Einzig der kalifornische Polizist Virgil Tibb ist sowas wie ein Supermann. Inmitten einer Stadt, in der alle seine Feinde sind, bleibt er immer ruhig, wird niemals ausfallend und überzeugt so nach und nach all seine Widersacher und klärt am Ende das Verbrechen auf, wie er selbst sagt, eher durch Zufall, da er sich auf dem völlig falschen Weg befunden hatte.

Ein spannender Roman, der von dem Beziehungsgeflecht der unterschiedlichen Personen und ihrer Entwicklungen lebt. Der aber auch zeigt, was fehlende Bildung und eine erodierende Gesellschaft für Auswirkungen in einer fiktiven Kleinstadt haben.
Der Kriminalfall selbst, bei dem eher nebenbei erklärt wird, wie Tibbs seine Erkenntnisse bekommt, ist da eher sekundär und das Verbrechen weder geplant noch sonderlich raffiniert. 

Ein wirklich lesenswerter Roman und ich bin schon auf die weiteren Bände der Virgil Tibbs Reihe gespannt. 

Hier noch eine heftige Textstelle, ein Drohbrief, den Polizeichef Gillespie erhielt und auf den Punkt bringt, wie die Menschen in Wells eingestellt waren:



Die Virgil Tibbs Reihe:
1965 In the Heat of the Night / In der Hitze der Nacht
1966 The Cool Cottontail / Tote Zebras zugelaufen
1969 Johnny Get your Gun / Nicht schießen, Johnny!
1972 Five Pieces of Jade / Das Jadezimmer
1976 The Eyes of Buddha / Die Augen des Buddha
1976 One for Virgil Tibbs
1977 Virgil Tibbs and the Cocktail Napkin
1978 Virgil Tibbs and the Fallen Body (Kurzgeschichte)
1979 The Upright Corpse
1980 Then Came Violence
1986 Singapore / Singapur (Kurzgeschichten)




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