Christian Weis (Interview)

Michael Schmidt: Hallo Christian, ich hatte dich schon mal interviewt und zwar hier. Stell dich doch trotzdem noch mal kurz vor!

Christian Weis: Meine Wurzeln und den Werdegang als Autor kann man ja in der ersten Antwort des anderen Interviews nachlesen, daher nur kurz zusammengefasst: Ich schreibe Science Fiction, Horror und Krimi/Thriller, wobei sich die Grenzen immer wieder verwischen und die Prioritäten gelegentlich verschieben. Inklusive Fanzine-Veröffentlichungen sind von mir seit 2004 in Anthologien und Magazinen knapp sechzig Kurzgeschichten und Novellen erschienen, dazu die Kurzromane „Tief unter der Stadt“ (HORROR FACTORY) und zuletzt „Ebene Null“ (COTTON RELOADED). Beim Deutschen Science Fiction Preis und dem Fränkischen Krimipreis haben es Geschichten von mir aufs Podium geschafft (jeweils Platz 3).

Michael Schmidt: Der Grund für das Interview ist Ebene Null aus der Reihe Cotton Reloaded. Was ist Cotton Reloaded und wo liegt der Unterschied zu Jerry Cotton?

Christian Weis: COTTON RELOADED spielt mit den Motiven der Heftromanserie und interpretiert diese neu. Es sind also keine Vorkenntnisse nötig, und für die Leser der klassischen Serie, die inzwischen sagenhafte 3000 Folgen überschritten hat, bietet es die Gelegenheit, Neuland zu entdecken. Jeremiah Cotton hasst es, „Jerry“ genannt zu werden. Er ging zur New Yorker Polizei, weil er vom Terroranschlag des 11.9.2001 direkt betroffen war, und als sich ihm die Gelegenheit bot, bei gemeinsamen Ermittlungen von Polizei und FBI zu einem Sondereinsatzteam des FBI (genannt „G-Team“) zu wechseln, hat er die Gelegenheit beim Schopf ergriffen – alles nachzulesen in der ersten Folge von COTTON RELOADED. Seitdem ermittelt er zusammen mit Special Agent Philippa Decker und ist dabei, sich als FBI-Rookie seine Sporen zu verdienen. COTTON RELOADED erscheint monatlich in der Digitalsparte Bastei Entertainment als eBook und Hörbuch (gesprochen von Tobias Kluckert, dem Synchronsprecher von Gerard Butler und Bradley Cooper). Jede Folge ist in sich abgeschlossen.

Michael Schmidt: Worum geht es in Ebene Null ?

Christian Weis: Zunächst geht es um Ermittlungen zu einem Waffendiebstahl, allerdings einem Diebstahl, der besondere Brisanz birgt: Beklaut wurde das US-Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security), und es handelt sich um Kriegswaffen. Cotton und Decker stoßen auf eine Mauer des Schweigens, denn das Heimatschutzministerium würde lieber interne Ermittler einsetzen. Als die beiden merken, in welches Wespennest sie gestochert haben, ist es fast schon zu spät, denn diese Wespen stechen ohne Vorwarnung.

Michael Schmidt: Wie hast du dich auf die Mitarbeit zu Cotton Reloaded vorbereitet. Die ersten Romane gelesen oder geht das nach Expose?

Christian Weis: Sowohl als auch. Es gibt allerdings nur ein vorgegebenes Exposé zu den Figuren und dem groben Serien-Rahmen. Jeder Autor entwirft den Plot und schreibt das Exposé für den eigenen Roman selbst. Das wird dann mit dem Redakteur abgestimmt, auch weil ausgeschlossen werden soll, dass sich Wiederholungen von Themen und Handlungsabläufen einschleichen.

Michael Schmidt: Ist es ein Unterschied zu einer vorgegeben Serie zu schreiben als wenn man vollkommen frei ist?

Christian Weis: Natürlich ist es ein Unterschied, wobei man als Autor bei COTTON RELOADED weitgehende Freiheiten hat, anders als bei Projekten, wo nach vorgefertigtem Exposé und einer Fortsetzungshandlung geschrieben wird. Bis auf die Hauptfiguren und ihren privaten sowie beruflichen Hintergrund entwirft man den Roman selbst, fast wie einen eigenständigen Roman, der ja auch mit Lektor und Verlag abgestimmt wird und in Zusammenarbeit entsteht, nicht ausschließlich im eigenen stillen Kämmerlein.

Michael Schmidt: Wie kam es zur Mitarbeit bei Cotton Reloaded?

Christian Weis: Ganz einfach, ich wurde gefragt, und es hat mich gereizt. Ich hab mir die Figuren angeschaut, und da ich sie selbst kaum anders entworfen hätte, wenn ich ihnen Eigenschaften und Eigenheiten hätte zuordnen können oder sollen, hab ich nicht lange überlegt, zumal mich der Auftaktroman von Mario Giordano gleich gepackt hat.

Michael Schmidt: Ist Ebene Null dein erster Krimi?

Christian Weis: Der erste Krimi in Kurzromanlänge, und auch der erste tatsächlich abgeschlossene und veröffentlichte Krimi ohne phantastischen Hintergrund. Bei meinen SF- und Horror-Storys schleichen sich ja auch immer wieder Krimiplots ein, teils geplant, teils unbeabsichtigt, insofern ist das Krimigenre eines, das mich eh nicht loslässt. Das wurde vermutlich schon durch die Agatha-Christie- und Sherlock-Holmes-Schmöker begründet, die ich mir als Kind regelmäßig aus der Leihbücherei geholt und geradezu verschlungen habe.

Michael Schmidt: Für alle, denen Ebene Null gefallen hat, natürlich die Frage, wann kommt dein nächster Cotton Reloaded?

Christian Weis: Dazu kann ich derzeit noch nichts Konkretes sagen, es steht noch kein Termin fest. Aber sobald es etwas zu berichten gibt, werde ich das in meinem Blog „Schreibkram & Bücherwelten“ (www.christianweis.org) kundtun.

Michael Schmidt: In Zwielicht 6 erschien vor kurzem deine Kurzgeschichte „Kleiner Vogel, flieg!“. Worum geht es und was war der Anlass die Geschichte zu schreiben?

Christian Weis: Es geht um ein sechzehnjähriges Mädchen, das von Mädchenhändlern verschleppt und in einem abgelegenen Wald zusammen mit anderen jungen Frauen gefangen gehalten wird. Es geht darum, was diese Gefangenen alles durchmachen – im Grunde ist das beinahe unvorstellbar. Ich hab dennoch versucht, es vorstellbar zu machen. Das Thema hat mich seit einem TV-Bericht, den ich darüber gesehen habe, nicht mehr losgelassen. Es ist erschreckend und verstörend, was Menschen erleiden müssen, weil andere mit der Ware Mensch Geld verdienen wollen. Das allein ist meines Erachtens schon Horror genug, darüber hinaus gibt es noch ein weiteres Element, das das Ganze zur Genrestory macht. Ich hab schon immer gern reine Unterhaltungsgeschichten gelesen und geschrieben, und daran wird sich vermutlich auch nichts ändern, aber es gibt da noch mehr. „Kleiner Vogel, flieg!“ war ein Versuch, etwas von diesem „noch mehr“ auszuloten. Ich will, wenn es das Thema hergibt, auch tiefer blicken, Hintergründe menschlichen Verhaltens, zeitgeschichtliche oder auch kulturelle Aspekte beleuchten. Will gelegentlich zwischen den Zeilen, gelegentlich auch direkter Details einbringen, die nicht einzig und allein dem Abspulen des Hauptplots dienen, weil Literatur natürlich sehr viel mehr ist als die Wiedergabe eines nackten Handlungsgerüsts oder von Stimmungsbildern.

Michael Schmidt: Gibt es schon eine Planung, was demnächst aus deiner Feder erscheint?

Christian Weis: In der nächsten Ausgabe des SF-Magazins EXODUS wird eine Story von mir erscheinen, die in der näheren Zukunft spielt. EXODUS 33 ist für den Herbst 2015 geplant.

Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Leser!

Christian Weis: Viel Spaß mit „Ebene Null“ – über Reaktionen dazu freue ich mich natürlich!

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