Samstag, 6. April 2019

Galax Acheronian (Interview)


 Michael Schmidt: Hallo Galax, herzlichen Glückwunsch zur Nominierung bei KLP als Beste Erzählung für Trolltrupp.

Galax Acheronian: Vielen Dank. Es hat mich tatsächlich kalt erwischt. Als ich die Mail von Udo Klotz bekommen habe, musste ich einige Momente innehalten, ehe ich antworten konnte

Michael Schmidt: Jetzt bin ich mit der Tür ins Haus gefallen. Stell dich doch mal vor!

Galax Acheronian: Die schwierigste Frage überhaupt.
Im Grunde bin ich nur ein Autor, habe das ein oder andere Sozialdefizit und meide es, über mich selbst zu sprechen.
Es sind meine Geschichten, die für sich sprechen sollen. In jeder ist jedoch gewiss ein wenig von mir: Träume, Gedanken, Ansichten, so wie es bei den meisten Autoren der Fall ist.
Grundsätzlich aber versuche ich zu unterhalten, ein wenig in die Zukunft zu projizieren und – wie so oft der Fall in der SF – ein klein wenig den Gesellschaftsspiegel hochzuhalten.
Wobei das für mich ein sehr wackliges Konstrukt ist. In meinem Alter habe ich längst noch nicht die Lebenserfahrung, wie sie andere vorweisen können, anderseits gehe ich mit einer Prise distanzierter Aufmerksamkeit durch die Welt.
Meine Kindheitshelden sind Personen wie Captain Picard, Goliath aus „Gargoyles“ oder Spider-Man. Sie alle haben eins gemeinsam; Vernünftig und besonnen gehandelt, obwohl sie große Macht hatten. In der realen Welt sind es gerade die Menschen mit größter Macht, die am unsinnigsten und rücksichtslosesten handeln, das beschäftigt mich – und darüber schreibe ich.
Ich bin aber auch Nerd – und daher schreibe ich auch für Nerd's 


Michael Schmidt: Worum geht es in Trolltrupp?

Galax Acheronian: Der Trolltrupp, und da kann ich an das oben Gesagte anschließen, spielt in einer Welt, 'Nach dem Sturm' – so übrigens auch der ursprüngliche Titel der Geschichte. Der Verlag wollte jedoch einen weniger drastischen Auftakt, daher die Umbenennung 
Zur Handlung ist es knapp 30 Jahre her, dass die Menschheit sich geschlossen gegen die Mächtigen aufgelehnt hat. Binnen Wochen wurden Regierungen, Konzerne, Banken ect brutalst ausgelöscht. Es war ein globaler Bürgerkrieg, den das einfache Volk gewonnen hat.
Wir erleben das Meiste aus der Sicht der ehemaligen Polizistin „Nicole“, die ihren Lebenswillen nur dadurch noch hat, weil sie den Hybridenjungen „Anton“ als Ersatzsohn aufzieht, und diesen bei einer Schautellertruppe verbirgt.
Anton hat gewisse Kräfte, die Gehirne von Menschen zu manipulieren, Illusionen zu erzeugen – er selbst versteht jedoch auch nicht alles von sich, seinen Körper und seinen Kräften. 
Er hat eine Macht, die angemessen zu benutzen er einfach nicht fähig ist 

Michael Schmidt: Trolltrupp war nicht deine erste Nominierung!

Galax Acheronian: Ich wurde schon zwei Mal für den DSFP nominiert 
Beider Fälle sehr unerwartet! Gerade die erste, damals 2011 zu meiner zweiten Veröffentlichung überhaupt, hat mich völlig umgehauen. Damit rechnet man als Newcomer nicht.
Die zweite kam ebenfallsüberraschend, da dies zu einer Geschichte stattfand, von der ich nur bedingt überzeugt war, dass sie jemanden interessiert.
Es kommt halt immer anders, als man denkt. So auch beim Trolltrupp. 

Michael Schmidt: Du hast schon eine Menge Geschichten veröffentlicht. Hast du sowas wie eine Lieblingsgeschichte und wenn ja welche und warum?

Galax Acheronian: Das variiert stark. Jede Geschichte hat eine Bedeutung für mich. Inhaltlich, in ihrer Aussage oder wegen der Figuren.
Sehr lange Zeit war „Worte aus Gold“ (erschienen in „Nebelmelodien“ von p.machinery“) meine Lieblingsgeschichte, da dort alles gepasst hat. Die Idee, die Handlung, die Figuren, die Botschaft, auch das Umfeld, während ich geschrieben habe und wo ich geschrieben habe, ja sogar woraus die Idee geboren wurde und auch für wen ich sie geschrieben habe.

Michael Schmidt: Du bist Autor und Illustrator und Herausgeber. Was ist dein liebstes Kind?

Galax Acheronian: Auch hier kann ich mich nur schwer festlegen.
Ich liebe meine Reihe „Koloniewelten“, die alsbald erscheinen soll. Auch wenn ich da keinen Einfluss auf das 'wie' und 'wann' habe, das hängt alles am „Apex-Verlag“.
Wenn du aber „liebstes Kind“ fragst, so muss die Antwort wohl „Krok“ heißen 
Die Goblin-Variante meiner eigenen Kindheitsträume!
Ein Roman, den ich bereits 2012 in nur 2 Monaten entwickelt, geplottet und geschrieben habe.  Er ist mir förmlich auf die Tastatur gefallen.
Da es ein Jugendbuch sein sollte, ließ ich es mir nicht nehmen, es zu illustrieren und es so perfekt wie nur möglich zu machen.

Jedoch ist es in seiner Thematik nicht massentauglich, weshalb sich kein Verlag da ran wagte und ich es im Selbstverlag veröffentlichte. Es war am Ende eine Win/Win-situation für mich 

Michael Schmidt: Xenopunk betreust du als Herausgeber und das Titelbild ist auch von dir. Worauf darf sich der Leser freuen?

Galax Acheronian: Der Leser darf sich auf dem Geist des Punks in einer fernen Zeit freuen. Verschiedene Ansichten, verschiedene Varianten. Mal bitter, mal humorvoll und manchmal sogar lehrreich.
Es ist eine gute Mischung aus bekannten und unbekannten Autoren geworden, und ich bin froh, das Sven Klöpping mich damals zu dieser Idee überreden konnte. Doch wie in allen Anthologien ist es der Leser, der letztendlich entscheiden wird, wie toll es wirklich ist. 
Aber freuen darf er sich – und wird nichts bereuen … außer vielleicht die ein oder andere Geschichte nüchtern gelesen zu haben 



Michael Schmidt: Ich habe läuten gehört, dass demnächst eine Anthologie erscheint bei der du Herausgeber bist. Berichte mal!

Galax Acheronian: Ich schätze mal, du sprichst von „Nummern“, der Zahlenspiel-Anthologie aus dem Hause „p.machinery“, an der ich mit Marianne Labisch zusammen gearbeitet habe. Marianne und ich haben uns u.a. das Lektorat geteilt, ich muss jedoch gestehen, dass es ein anderes Gefühl war, als bei der Xeno-Punk-Sache.
Absagen zu schreiben ist nichts schönes, ebenso, wenn erwartet wird, dass ein Lektor „schon irgendwas brauchbares draus macht“. 
Es war dennoch ein enorm spannender Einblick am Arbeiten an fremden Texten. Das Lernpotenzial ist gigantisch – für alle Seiten.
Am Ende können wir aber auf ein wirklich schickes Buch blicken, in der viele Autoren ihr Bestes gegeben haben. Die Gedanken der Autor/innen zu den Zahlen 1, 9, 11, 20, 300 und 2020 sind ebenso breit gestreut wie phantasievoll.
Ich selbst habe neben dem Titelbild zu dieser Antho eine Sci-Fi-Krimi-Novelle beigetragen die in Absprache mit Michael Haitel in meinem Universum der „Koloniewelten“ spielt. 

Michael Schmidt: Welche interessanten Veröffentlichungen aus deiner Feder sollte man noch im Blick haben?

Galax Acheronian: Generell verweise ich gerne auf meine erste Sciencefiction-sammlung, in der meine älteren Storys zusammengelegt sind. Wenn also jemand nicht alle alten Anthologien raussuchen und kaufen möchte: da ist (fast) alles drin 

Die Geschichte hinter dem Cover hat im übrigens direkt mit „Sprung ins Chronozän“ zu tun, in der „Der Trolltrupp“ erschienen ist und liegt nur einen ausgearteten Scherz zugrunde. Denn für „Chronozän“ gab es anfangs ein anderer Entwurf, ehe es ein weiblicher Roboter in Blau wurde.
„Das kann ich auch“, behauptete ich damals – „ich machst nur andersrum“ 

Zurück zur Frage: Auch „Demeter“ kann ich empfehlen. Es handelt sich dabei jedoch um eine recht lange Spaceopera, ohne auffällig viel Aktion. Stattdessen Gedanken, Dialoge, Visionen – alles sehr klassisch, und derzeit nur als E-Book erhältlich.



Michael Schmidt: 2019 ist ja schon nicht mehr neu. Woran arbeitest du gerade und welche Veröffentlichungen stehen an?

Galax Acheronian: Ganz aktuell fertige ich die letzten Illustrationen für den zweiten Krok-Roman an. 
In Sache Veröffentlichungen stehen beim „Verlag für Moderne Phantastik Gehrke“ die Geschichte „Der Weg nach oben“ in der Anthologie „Flucht vonZumura“ an; eine kleine Schelte meinerseits an das aktuelle Medialverhalten unserer Gegenwart. Im Verlag „P.machinery“ erscheint demnächst die Geschichte „Infiziert“ in der Anthologie „Wasser“.
Für mich selbst steht 2019 der zweite Band meiner bisher veröffentlichten Storys an, in dem u.a. auch „Der Trolltrupp“ unter seinem ursprünglichen Titel abgedruckt sein wird. Natürlich wird auch der zweite Band eine Bonusnovelle und wieder einige Illustrationen dabeihaben.
Ebenso wird „Krok II“, und auch das Erste von sieben Büchern meiner „Koloniewelten“ das Licht der Welt erblicken.

Oh, und mit drei weiteren Autoren arbeite ich am Projekt „Hyper Orbis“: 4- Autoren – 4 Novellen“.
Für dieses Buchprojekt schrieb ich die SciFi-Anti-Kriegsnovelle „Verloren auf Firr'Dars“. Ist ein Megagutes Ding geworden 

Michael Schmidt: Ein letztes Wort an die Gemeinde draußen!

Galax Acheronian: Liebe Leserinnen und Leser, liebe SciFi-Fans, und auch liebe Nerds 
Ich würde mich freuen, wenn ihr die ein oder andere Zeile aus meinen Geschichten lest. Es tut fast gar nicht weh 

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