Montag, 20. Dezember 2010

Erwachsenwerden

 Ja, das mit dem Erwachsenwerden. Eine gar nicht so einfache Sache. Volljährig ist man heutzutage mit 18. Früher galt die Grenze mit 21, vor 1875 erlangte man diesen Status stellenweise erst mit 25 Jahren. Aber es gibt natürlich auch sonst noch interessante Grenzen.
Unter 7 Jahren ist man geschäftsunfähig. Mit 12 Jahren (Plusminus) wird man dann geschlechtsreif und da hat der Gesetzgeber mal keinen Einfluss drauf. Bis 14 zählt man in Deutschland als Kind, bis 18 Jahre als Jugendlicher und bis 21 Jahre als Heranwachsender.

Früher durfte man mit Einverständnis der Erziehungsberechtigten ab 16 Jahre in der Öffentlichkeit Rauchen und Bier trinken, der Verkauf von Tabakwaren und Zigaretten an Jugendlichen ist neuerdings verboten. Immerhin darf man ab 16 Jahren bis 24 Uhr in Kneipen verweilen.
Auch Filmvorstellungen sind limitiert. Unter 14 Jahren muss der Film vor 20 Uhr beendet sein, unter 16 Jahren darf man immerhin zu Filmen, die vor 22 Uhr enden. Sofern die Altersfreigabe passt, dort findet man die Kennzeichnung „Ab 6 Jahre”, Ab „12 Jahre” und „Ab 18 Jahren”.
Auch den Führerschein darf man ab 18 Jahren machen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Eine soll jetzt dafür sorgen, dass man ab 17 Jahren mobil ist, es muss aber eine ausgewählte Begleitperson anwesend sein. Die Unfallzahlen der Fahranfänger in den letzten 5 Jahren sollen durch den Übergangsversuch des „Führerschein ab 17″ deutlich gesunken sein.
Immerhin!
Das Wahlrecht wollen viele ebenfalls ändern, damit die jungen Demokraten schon ab 16 ihre Stimme abgeben.
Man sieht, mal wird es früher, mal später.
Hotel Mama hat immer noch einen guten Ruf und die Verweildauer in der elterlichen Wohnung bleibt hoch. Das spricht äußerlich nicht unbedingt dafür, dass Verantwortung früher übernommen wird.
Auch scheint mir der subjektive Eindruck zu entstehen, die neue Generation ist eher weniger denn mehr selbstständig.
Wahrscheinlich wird es so sein, dass man irgendwann zwar mit 15 Jahren wählen und auch ein Automobil führen darf, andererseits aber erst mit über 40 Jahren aus dem elterlichen Heim auszieht. So könnte man eigentlich direkt warten, bis das Renteneintrittsalter erreicht ist. Doch das wird bis dahin wohl bei 72 Jahren und mehr liegen.
Aus meiner Sicht passen die gegenläufigen Altersgrenzen nicht so gut. Einerseits soll ich als 17 Jähriger vor 24 Uhr das Kino verlassen, darf den Weg aber dann mit dem Auto zurücklegen.
Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, dafür benötigt es doch bestimmter Voraussetzungen.
Einerseits sollte man Lebenserfahrung sammeln. Andererseits natürlich vor Fehltritten schützen. Doch zu viel Schutz und Behütung vermeidet genau dieses.
Das Erwachsenwerden ist natürlich ein schwieriger Prozess, der selten ohne Schürfwunden von Statten geht. Der Gesetzgeber ist da in einer schwierigen Lage, muss er doch für unterschiedliche Entwicklungsstadien eine einheitliche Grenze errichten.
Das sieht man bei Altersempfehlungen für Bücher. Ist für den einen das Buch ab 12 Jahre schon mit 10 oder 11 kein Problem, muss der andere schon 14 Jahre sein, um die gleiche Geschichte genießen zu können.
Ideal wären also gesetzliche Altersgrenzen, die man sich erarbeiten kann. Ist der junge Mensch verantwortungsvoll und hat eine entsprechende Auffassungsgabe, ist die Altersgrenze niedriger, umgekehrt bekommt derjenige, dessen Entwicklung nachhängt, eine höhere Grenze gesetzt.
Das ist natürlich nicht umsetzbar und es ist auch nicht wünschenswert, dass der Gesetzgeber eine solch dynamische Grenze setzt. Dem Alter und der speziellen Entwicklung aber würde es entsprechen.
Schön ist es auf jeden Fall, dass es überhaupt Bewegung in der Sache gibt. Und wenn die ersten Anzeichen geringerer Verkehrsunfälle für Fahranfänger sich auf Dauer bestätigen sollten, würde dass doch zeigen, der Weg ist richtig.
Ich bin überzeugt, man muss die junge Generation in die Verantwortung nehmen, dann entwickelt sie sich auch. Es ist eher unsere Generation, die aus Angst den Jugendlichen und Heranwachsenden alles abnehmen will, um sie vor den Unbillen der Realität zu schützen.
Doch sich das Knie aufzuschlagen, gehört zum Erwachsenwerden dazu.
Daher verbleibe ich frei nach Grönemeyer:
Kinder an die Macht!

Original hier erschienen.

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