Sonntag, 13. Februar 2011

Vampire und andere Phantasien – Der Wandel der phantastischen Literatur vom Manne zur Frau

Ursprünglich im Fantasyguide Blog erschienen.

Der gute alte Vampir. Man nennt ihn auch Blutsauger oder Eckzahn. Allgemein als Blaupause gilt Graf Dracula, der basierend auf der historischen Gestalt Vlad Tepes – auch genannt der Schlächter -, ein grausames Wesen ist. Gestorben, aber trotzdem lebendig nennt man ihn auch Wiedergänger. Er findet sich vor allem in osteuropäischen Legenden und es gibt die wirksamen Mittel dagegen: Knoblauch, Kreuz und Weihwasser.
Der gute alte Vampir sollte aber auch die sexuelle Lust symbolisieren, die latente Begierde und damit der Dämon im Inneren einer prüden Gesellschaft im 19. Jahrhundert.
Im 20. Jahrhundert symbolisierte den beliebten Grafen, und eine andere Vampirgestalt gab es nicht, die Figuren aus den entsprechenden Horrorfilmen: Bela Lugosi und Christopher Lee.

Auch in der Literatur war der Vampir fortan das böse Wesen. Mal mit mehr oder mal mit weniger Erotik bzw. Sex garniert, aber die Rollen waren klar.
Der Vampir war böse und die zugehörige Gattung Literatur nannte sich Horror oder Grusel.
Das war einmal.
Heute ist der Vampir ein Edelmann und die Erotik sehr latent. Eher handelt es sich um Liebesromanzen, Meister Spitzzahn ist jung und unglaublich edel, eher ein Wesen des Lichts als ein Wesen der Dunkelheit. Seine Andersartigkeit Fluch und Last, nicht verabscheuungswürdige Dunkelheit.

Den gleichen Wandel erlebt man im Bereich der klassischen Fantasy. Klassische Fantasy war die um die Magie erweiterte Rittergeschichte. Im Herr der Ringe standen Kameradschaft und Treue im Vordergrund, Männer waren die handelnden Akteure und Frauen schmückendes Beiwerk.
Auch muskelbepackte Helden wie Conan und Kane schwangen ihr Schwert für ihre Angelegenheiten. Selbst die Ironie der Scheibenwelt wird aus männlicher Sicht dargestellt.
Dann kam der Wandel. Die Fantasygeschichten wurden immer epischer. Das blaue Blut stand im Vordergrund. Intrigen, Verwandtschaften und Hochzeiten bildeten die Essenz dieser Werke. Die moderne Fantasygeschichte ist ein historischer Roman, der mit weiblicher Mystik garniert wird und sich vor allem nach Liebe und einem aufrechten Bild sehnt.

Zwei Beispiele für das gleiche Phänomen. Die moderne phantastische Literatur wird von der weiblichen Seele dominiert. Schon immer hieß es, die meisten Leser seien Leserinnen. Das scheint jetzt auch das phantastische Genre erkannt zu haben. Einzig die SF ist bisher verschont geblieben. Krieg im Weltraum oder technologische Fiction bleibt noch überwiegend in Männerhand.
Aber wer weiß, wie lange dies noch anhält. Auch Frauen spekulieren „Was wäre wenn?“ und hinter den Lenkrädern und Bildschirmen sind längst nicht mehr nur Männer.
Wahrscheinlich wird „Bad Earth“ bald von „Royal Earth“ ersetzt und die Cyberromantik ersetzt den Cyberpunk.
Die männliche Seele ist verletzt. Doch es ist kein Aufbäumen erkennbar. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, dann werden Barbaren Tee trinken und in Burgen gibt es Alkoholverbot. Zum Fest wird mit Messer und Gabel der Getreidebackling genommen. Der feindliche Alien, der die Erde erobert, wird weg gemobbt oder tot geredet. Und die Invasion des Bösen endet damit, dass die Dämonen übereinander herfallen, da die weibliche Zwietracht auf fruchtbaren Boden fällt.
Frauen sind einfach wesentlich geschickter als wir Männer.

Ist so ein Wandel schlimm?
Prinzipiell nicht.
Es gibt genügend tolle Literatur. Und genügend davon wird neu geschrieben. Doch ich finde es immer bedenklich, wenn sich Wellen in solcher Breite über den Leser ergießen. Wenn statt Schriftstellerei die Buchindustrie Blaupausenvarianten en Masse druckt, die schematisch sich selbst kopiert oder gar karikiert.

Der Zeitgeist ist feminin.
Also liebe Männer:
Erhebt euch! Schlagt zurück!
Echte Männer braucht die Phantastik.
Bevor der phantastische Spannungsroman für immer unwiderruflich durch die phantastische Liebesromanze ersetzt wird.

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