Sonntag, 7. September 2014

Pat. N. Elrod (Interview)



Ursprünglich erschien das Interview in SONO 4 - Die dunkle Seite. Hier die Übersichtseite des Magazins.

Pat N. Elrod ist Amerikanerin und Autorin von über 20 Romanen und ebenso vielen Kurzgeschichten. Sie debütierte im Jahr 1990. Ihre Romane zeichnen sich durch liebenswürdige Charaktere aus. Übermäßige Action oder Gewalt wird man in ihren Romanen nicht finden.

Ihr Hauptwerk sind zwei Vampirserien, Jack Fleming und Jonathan Barrett. Beide Serien erscheinen im Festa-Verlag in der Reihe „Nosferatu“, in der ausgesuchte Vampirromane erscheinen. Neben P. N. Elrods Romanen Bände von Chelsea Quinn Yarbro, Nancy Kilpatrick, Richard Laymon und eine Kurzgeschichtenanthologie, in der ebenfalls eine Jack Fleming Story enthalten ist.


Die Romane bei Festa :

Mit Jonathan Barret:
1401 Der rote Tod
1407 Der endlose Tod
1409 Der maskierte Tod
1413 Der tanzende Tod

  
1402 Vampirdetektiv Jack Fleming
1406 Blutjagd
1410 Blutzirkel
+ Kurzgeschichte Slaughter in 1404 HR. Gigers ( Hrsg.) Vampirric

Die noch unveröffentlichten Romane mit Jack Fleming:
4.         Art in the blood
5.         Fire in the blood
6.         Blood on the water
7.         A Chill in the blood
8.         Dark sleep
9.         Lady Chrymsyn
10.       Cold Street
11        Song in the Dark
12        Dark Road Rising

Ein Erscheinen der Romane in Deutschland ist im Moment noch ungewiss. Die Reihe Nosferatu aus dem Hause Festa wurde mit Band 17 (1417 Graham Masterton –Bluterbe) eingestellt.

P.N. Elrod's offizielle Webseite: www.vampwriter.com

P.N. Elrod und ihr Vampirdetektiv Jack Fleming - Eine Einführung

Lieben Sie die einsamen Helden, die durch regennasse Straßen streifen und versuchen, im Dschungel der Großstadt zu überleben?
Schwärmen Sie für Filme mit Humphrey Bogart oder Robert Mitchum und für die klassische hard-boiled-novel, den harten Spannungsroman?

So beginnt der Werbetext für die Schwarze Serie bei Bastei Lübbe. In der Reihe erschienen Romane der Autoren Frederic Brown, Max Allan Collins und Ted Lewis. In anderen Reihen findet man Cornell Woolrich, Dashiel Hammet und Mickey Spillane.
Die Prohibition, die Mafia, Prostitution, das sind oft die Themen. Das Amerika der dreißiger Jahre, allen voran Al Capone und sein Chicago.

Der Held ist in der Regel ein Privatdetektiv. Der bekannteste, Marlow, wurde durch die anfangs genannten Schauspieler unsterblich. Die PI´s sind nur außen hartgesotten, im Innern doch gerechtigkeitsliebende Romantiker.

Doch stellen Sie sich vor, der Held ist ein Vampir. Er erwacht ohne Erinnerungen, im Jahre 1936, nahe Chicago. Und stellen sie sich vor, unser Vampir ist ebenfalls einer der gerechtigkeitsliebenden Romantiker. Sollten dieser Held Ihr Interesse geweckt haben, lesen sie die beiden folgenden Rezensionen.

Lernen Sie Jack Fleming kennen. Und erleben Sie mit ihm die Suche nach seiner Vergangenheit. Wie wurde er das, was er ist? Und wer ist Maureen?

MICHAEL SCHMIDT: Hallo Pat. Stell dich unseren Lesern doch kurz vor. Wer ist die Person P. N. Elrod? Und die Autorin P. N. Elrod?

P. N. Elrod: Ich bin eine kleine, eigensinnige rothaarige Frau, deren größte Besessenheit die TV-Serie „Star Gate-SG1“ ist. Meine zweitgrößte Passion ist das Leben als Autor und Herausgeber. Zwei Seiten von ein und derselben Sache. 

MICHAEL SCHMIDT: Einer deiner berühmten Serien ist Jack Fleming. Wie kamst du auf die Idee, das Vampirthema im Gewand des Schwarzen Krimis zu variieren?

P.N. Elrod: Jack war eigentlich ein Charakter, den ich in einem Fantasyrollenspiel “lebte”. Er baute auf “The shadow” auf – der mysteriöse Held der 1930´s Radiosendungen. ( Nebenbei, ich liebe den daraus resultierenden Alec Baldwin Film “The Shadow” ) Für mich war es zwingen, dass die Fähigkeiten und Qualitäten von Shadow dem eines Vampirs entsprungen schienen. Als ich dann entschied, ernsthaft mit dem Schreiben zu beginnen, mit dem Ziel, damit Geld zu verdienen, war Jack Fleming die Wahl meines Helds. Und da die Spielfigur schon ein sehr eigenständiges Leben führte, war es nur noch ein kleiner Schritt, Jack auf dem Papier lebendig werden zu lassen. Und die Welt um Jack Fleming ist mittlerweile eine recht umfassende und komplizierte.
Welches waren die Vorbilder? Magst du Autoren wie Raymond Chandler, Max Allan Collins und Dashiel Hammet?

P.N. Elrod: Chandler, Hammett, Adam Hall, und Dick Francis sind meine schriftstellerischen Vorbilder. Und Arthur Conan Doyle! Später kamen noch Lois McMaster Bujold, Rachel Caine, und Roxanne Conrad dazu.

MICHAEL SCHMIDT: Wie gelangst du an die historischen Informationen des Jahres 1936? Ist diese Zeitspanne dein Hobby? Ist es mehr harte Arbeit oder spaßige Lehrstunde?

P.N. Elrod: Beides. Ich lese mich durch alte Magazine und Zeitungen in der Bibliothek. Dazu schaue ich alte Filme, nicht wegen der Geschichten, sondern wegen der Dekoration und was die Leute damals so anzogen. Man kann einiges übernehmen, was die Filmleute als Background nehmen, gerade bei den Low budget- Produktionen. 

MICHAEL SCHMIDT: Jack Fleming ist ein Vampir. Aber der Rest des “Jack Fleming-Universums” passt eher in einen normalen Kriminalroman. Warum diese Nähe zur Realität?
P.N. Elrod: So Jack ist nicht zahlenmäßig den anderen Vampiren unterlegen. Der ist der absolute Außenseiter als Detektiv. Diese Besonderheit wäre dahin, wären nur übernatürliche Typen in den Romanen unterwegs. 

MICHAEL SCHMIDT: Jack ist sehr liebenswürdig., er ist ein richtig Guter. Aber er ist auch ein bluttrinkender Vampir. Birgt diese Diskrepanz nicht auch ein Glaubwürdigkeitsproblem? Und ist andererseits auch der spezielle Charme der Jack Fleming-Geschichten?

P.N. Elrod: Kein generelles Problem. No problem at all. Glaubwürdigkeit ist z.B. das Atmen, aber nur da. Er trinkt vorzugsweise nur von Vieh, nutzt sie als Nahrung, genau wie wir das tun. Er trinkt nur menschliches Blut wenn er entweder keine andere Möglichkeit zum Überleben hat, oder wenn er sich in einer romantischen Situation befindet. Sonst wäre er doch wie jeder andere Vampir, der ein Geheimnis in sich trägt.

MICHAEL SCHMIDT: Bobbi, Jack’s große Liebe, ist eine glamouröse Sängerin. Als ich die Geschichten las, musste ich unwillkürlich an die Filmdivas der 30ér und 40er Jahre denken. Gibt es ein real existierendes Vorbild für Bobbie?

P.N. Elrod: Jean Harlow—mit einer großartigen Stimme.

MICHAEL SCHMIDT: Bobbi hat gerade im ersten Band ganz schön einzustecken. Hast du beim Schreiben mit ihr gelitten? Und wie viel Ähnlichkeit besitzt sie mit dir? 

P.N. Elrod: Niemand von uns leidet. Bobbi ist eine smarte, gefühlvolle Frau mit einem starken Überlebensinstinkt. So wie ich. Sie ist ein Stück weit aktiver als ich, da sie niemals ein Problem damit hat, jemanden mit einer Pistole zu bedrohen, wenn sie sich in einer gefährlichen Situation durchsetzen muss. Da würde ich weglaufen, so ich die Wahl hätte. 

MICHAEL SCHMIDT: Escott ist der Partner von Jack. Erzähle uns etwas von ihm.

P.N. Elrod: Es wird nie in den Geschichten erwähnt, aber ich habe ein paar Hinweise versteckt. Er ist der Sohn von Sherlock Holmes. Lies mal die Holmes Story  „The Adventure of Charles Augustus Milverton” und du wirst lesen, was mit Charles Mutter passierte.  

MICHAEL SCHMIDT: Bisher sind in Deutschland deine ersten beiden Bücher “Vampirdektiv Jack Fleming” und “Blutjagd” erschienen. Was ist mit den nächsten acht schon geschriebenen Abenteuer Jack Flemings? Siehst du eine Veröffentlichungsmöglichkeit in Deutschland? Eventuell ebenfalls bei Festa?

P.N. Elrod: Das musst du Festa direkt fragen. Sind die Verkäufe gut, werden sie weitere Bücher ankaufen. 

MICHAEL SCHMIDT: Es fällt öfters der Name Maureen. Wann bekommt der Leser mehr Informationen über die Vampirin, der Jack sein Schicksal verdankt?

P.N. Elrod: Es findet sich ein wenig mehr in “Bloodcircle.” ( der dritte Band mit Jack Fleming)

MICHAEL SCHMIDT: Maureen wurde durch Jonathan Barrett zum Vampir, dieser ist der Held deiner zweiten Serie ( Der rote Tod, der dendlose Tod, ebenfalls Festa ) Gibt es ein Crossover mit  Jack und Jonathan?

P.N. Elrod: Wenn der Festa Verlag “Bloodcircle” herausgibt, wirst du sehen, wie die beiden das erste Mal aufeinander treffen. Und wie sie sich verstehen...

MICHAEL SCHMIDT: Kennst du die deutschen Ausgaben? Wenn ja, wie findest du sie? 

P.N. Elrod: Ich bekam ein paar Bücher über meinen Agenten. Ich finde die Titelbilder wirklich spitze. 

MICHAEL SCHMIDT: Was können wir von dem dritten Band “Bloodcircle” noch erwarten? Kannst du uns ein paar Details verraten?

P.N. Elrod: Nur das Jack und Escott nach New York gehen, sie folgen einer dürftigen Spur zu Maureen. Dabei treffen sie auf Jonathan Barett, der seine ureigenen Interessen verfolgt und misstrauisch die Störung seines Lebens durch die Beiden betrachtet. 

MICHAEL SCHMIDT: Es gibt eine erkleckliche Anzahl an Vampirfilme. Wann erwartest du den ersten Film mit Jack Fleming? Stehst du schon in Kontakt mit einem Filmstudio?

P.N. Elrod: Es gab kleinere Anfragen, aber kein wirkliches Interesse bisher. Mein Agent in Hollywood klappert die Studios ab und ich habe mit einem Drehbuch angefangen. Genau dann fertig stellen, wenn ich die Zeit bekomme, mich darauf zu konzentrieren. Eine Menge Leute hat sich angeboten, mir ein Drehbuch basierend auf „Vampirdetektiv Jack Fleming“ zu schreiben, aber das mache ich doch lieber selbst. Ich mache noch ein paar Änderungen, um es „filmgerechter“ umzuschreiben.

MICHAEL SCHMIDT: Zuletzt, was wünschst du dir für deine Zukunft? Als Schreiber und für dein Privatleben?

P.N. Elrod: Ich möchte für meine Bücher besser bezahlt werden, das wäre wirklich hilfreich für einige privaten Ambitionen, die mir vorschweben. 

MICHAEL SCHMIDT: Vielen Dank für den angenehmen und sehr informativen Kontakt. Wir von MICHAEL SCHMIDT wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

P.N. Elrod: Ich habe zu danken!  


Vampirdetektiv Jack Fleming
Autor: P. N. Elrod
Nosferatu 1402 / Festa-Verlag (Nov. 2002)
Amerikanische Orginalausgabe: Blood List (1990)
Übersetzer: Heiko Langhans
Broschiert - 256 Seiten - Festa
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3-935822-56-1
Genre: Dark Fantasy

Rezension: Vampirdetektiv Jack Fleming
 „Der Wagen hatte mindestens vierzig Meilen drauf, als der vordere rechte Kotflügel mir gegen die linke Hüfte drosch, mich von der Straße schleuderte und als schlaffen Haufen auf einen Busch aus dicken windzersausten Gräsern beförderte.“
So fängt der Roman „Vampirdetektiv Jack Fleming“ von Patricia Nead Elrod an. Er spielt in Chicago anno 1936. Jack wird angefahren und anschließend erschossen. Doch er stirbt nicht. Er überwältigt seinen Attentäter und reist in den nächstgelegenen Ort.
Nach und nach stellt Jack Fleming seine Andersartigkeit fest. Er ist ein Vampir. Nicht im Spiegel zu sehen, die Nacht verbringt er in einem riesigen Koffer, gefüllt mit Heimaterde. Er kann sich entstofflichen, um sich vor Kugeln in Sicherheit zu bringen oder einfach verschlossene Türen zu durchdringen.
Doch seine jüngste Vergangenheit bleibt ihm ein Rätsel. Fest steht, er wurde umgebracht. Eine Mafiagang aus Chicago hatte ihn wegen einer mysteriösen Liste in die Mangel genommen. Details seines Todes oder der Tage vorher, bleiben im Dunkeln. Nach und nach erinnert er sich.
Einst in New York lebend, hatte der Journalist Jack Fleming eine Liebesbeziehung zu Maureen, die er im Zuge von Recherchen kennen und lieben gelernt hat. Sie ist ein Vampir und lässt ihn zur Ader. Doch nicht aus reinem Hungergefühl, sondern als Höhepunkt einer Leidenschaft. Jack weiß von ihrem Wesen und hofft, nach seinem Ableben ihre Wesensart zu teilen, um sein Leben für immer mit ihr zu verbringen.
Doch Maureen flüchtet, da jemand auf ihre Fährte gestoßen ist und sie vernichten möchte. Fünf lange Jahre hat Jack nichts mehr von ihr gehört und beschließt, in Chicago ein neues Leben zu beginnen. Dies gelingt, doch nicht so, wie er es erwartet hatte.
Auf der Suche nach seinen Mördern lernt er Charles Escott kennen, einen Privatdetektiv, der schon immer vom Übersinnlichen fasziniert war. Sie beschließen, zusammen zu arbeiten. Escott beginnt die Ermittlungen zu Flemings Fall und stößt schon schnell auf ein Wespennest.

Hatte ich schon erwähnt, ein Fan schwarzer Krimis zu sein? Oder ein Liebhaber von Vampirgeschichten?
Der vorliegende Roman vereinigt beides. Das Krimigefühl der Al Capone-Zeit, wie es z.B. in den Romanen von Frederic Brown oder Max Allan Collins lebendig wird. Die detailreiche Beschreibung des Lebens der dreißiger Jahre in Amerika, geprägt von Mafiabanden, Glücksspiel und schönen Frauen.
Dazu kommt der Vampir-Mythos. Elrods Vampir schläft am Tag in Heimaterde, da die Sonne sein todbringender Feind ist. Er kann seinen Körper entstofflichen, außerdem ist er übermenschlich stark und schnell. Normale Waffen können ihn nicht töten, nur das gespitzte Eichenholz in sein Herz oder fließendes Wasser können ihm neben dem Tageslicht den Garaus machen.
P. N. Elrod schafft es mühelos, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Es fällt schwer, den Roman zur Seite zu legen und die lebendig gewordene Welt eines imaginären Chicagos zu verlassen. Fleming ist kein Supervampir, sondern ein normaler Mensch, der sich seiner Fähigkeiten erst nach und nach bewusst wird. Auch seine Gegner sind normale Menschen, soweit man das von gnadenlosen Mördern behaupten kann.
Die gelungene Mischung aus Schwarzem Krimi und Vampirgeschichte macht Lust auf mehr. Eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen Geschichten, in denen es um die Rettung oder Veränderung der Welt geht. 


Fazit: Mich hat der Roman beeindruckt, für Liebhaber realitätsnaher Geschichten ist er ein unbedingtes Muss. Es besteht Suchtgefahr. Wer jedoch auf der Suche nach Superlativen ist, in dem die Bösen immer mächtiger und fremdartiger werden, sollte vielleicht die Finger von „Jack Fleming“ lassen.
Einziges Manko ist die Gutartigkeit des Jack Fleming. Ein wenig mehr Undurchsichtigkeit, ein nicht ganz so aufrichtiger Charakter hätte meiner Meinung nach besser gepasst. So wird Jack dem Leser schon fast zu sympathisch.

Michael Schmidt
 



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Der Bucon Ehrenpreis

...wurde am 14.Oktober 2017 in Dreieich auf dem Bucon vergeben, wenn man auch auf der Seite noch nicht die diesjährigen Gewinner genannt...