Donnerstag, 28. Oktober 2021

Guido Latz (Interview)


Michael Schmidt: Lieber Guido, herzlichen Glückwunsch zum Bucon Ehrenpreis!

Guido Latz: Hallo Michael – dankeschön! Ich weiß den Preis zu schätzen, und er wird sicher einen Ehrenplatz in meinem Büro bekommen.

Michael Schmidt: Was genau verbindet dich mit dem Bucon?

Guido Latz: Er ist für mich das alljährliche Treffen mit dem einen oder anderen Mitarbeiter des Verlags, vielen Kunden und vor allem anderen Fans der Phantastik. Gut, dass Du mich nicht fragst wann ich das erste Mal auf dem Con war, das bekomme ich nicht mehr auf der Reihe. Das war aber definitiv ein Con, wo ich (noch nicht) mit einem Stand vertreten war; ich kenne den Con also auch als „Nur-Besucher“. Damit hat es angefangen.

Michael Schmidt: Nach dem KLP Sonderpreis 2010 ist es die zweite persönliche Auszeichnung. Was bedeuten dir die beiden Preise?

Guido Latz: Was ich tue ist nur mit Unterstützung anderer möglich. Bei Phantastik-News.de sind es eine Handvoll Rezensenten die mich unterstützen plus seit geraumer Zeit wieder Olaf J. Menke, der News „zuliefert“. Was den Verlag betrifft ist es halt mein Job, als Schaltstelle zu fungieren; ich schreibe die Romane ja nicht, bin nicht der Herausgeber der „phantastisch!“; und selbst der Versand erfolgt überwiegend durch eine Auslieferung. Ich nehme da ehrlich gesagt den Preis, die Preise, in erster Linie stellvertretend entgegen für die Autoren, die Zeichner oder den Lektor, die die ganze Arbeit (mit mir) haben.

Michael Schmidt: Respekt für diese Einstellung. Du bist vor allem als Verleger des AtlantisVerlags bekannt. Seit wann gibt es den Verlag und wie kam es damals zur Gründung?

Guido Latz: Die Ursprünge liegen in den 80ern, als so was wie Phantastik-News.de in Printform exisitierte – das waren unter anderem Clubmagazine, die von Clubs herausgeben wurden die sich z.B. mit „John Sinclair“ beschäftigten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich dies; durch das Print-on-Demand-Verfahren konnte man Ende der 90er anfangen ein Programm mit Romanen und Serien aufbauen. Und noch etwas später kamen die eBooks als Vertriebsmöglichkeit dazu.

Michael Schmidt: In so einer langen Zeit veröffentlicht man ja sehr viele Bücher. Auf welche Veröffentlichungen bist du besonders stolz?

Guido Latz: Ich weiß nicht, ob stolz da der richtige Ausdruck ist. Ich habe mich aber sicher damals gefreut, als ich mit Klaus Bollhöfener und Achim Havemann in kurzer Zeit die Übernahme der „phantastisch!“ klar machen konnte. Ich würde eher sagen, dass ich mich freue, dass alle 3 Monate eine neue Ausgabe bei Atlantis erscheint.

Michael Schmidt: Und welche deiner veröffentlichten Bücher findest du persönlich besonders gut?

Guido Latz: Da kann ich schlecht Beispiele nennen, weil ich halt bei allen Projekten involviert bin. Ich muss ja schon ganz am Anfang entscheiden, dass etwas wert ist, veröffentlicht zu werden. Da ist es am Ende noch nie so gewesen, dass ich dann peinlich vom Ergebnis berührt war, oder so. Einzelne besonders positive Beispiele kann ich da keine nennen.

Michael Schmidt: Und welches war das erfolgreichste Buch?


Guido Latz: Es sind die Autoren, die genau Buch über ihre Verkäufe führen. Ich bin da eher im Hier und Jetzt verwurzelt und schaue auf das Morgen. Reihen wie die KAISERKRIEGER von Dirk van den Boom oder DERRUUL-KONFLIKT von Stefan Burban zählen aber definitiv zu den Erfolgen – vor allem sind sie Longseller. Beide Autoren informieren ja auf ihren Websites über die Verkaufszahlen.

Michael Schmidt: Was ist gerade im Atlantis Verlag erschienen bzw. erscheint bis Ende des Jahres?



Guido Latz: In diesem Jahr möchte ich unter anderem noch DIE MAGISCHE BILIOTHEK von Michael Siefener neu auflegen. Der Buchblock steht, das Cover fehlt. Ich bin da aber optimistisch. Von Martin Kay erscheint noch Band 4 seiner neuen Action-Serie „SWORD“ dieses Jahr. Wenn alles klappt erfolgt auch noch die Auslieferung von „COZMIC“ Vol. 04. Zuletzt erschienen sind unter anderem zwei Science-Fiction-Romane: „Zeitreisen gehen anders“ von Axel Kruse und „Das Kalanos-Projekt“ von Frank W. Haubold.

Michael Schmidt: Als Verlag hat man ja immer eine mittelfristige Planung. Auf welche Bücher darf man sich 2022 bzw. 2023 freuen?

Guido Latz: Bei Atlantis ist das anders, als bei anderen Verlagen. Klar, es gibt Projekte die sind geplant. Was ich gerne umsetzen würde, wäre Projekte von Michael Siefener schneller zu bringen. Da aber Dirk van den Boom (KAISERKRIEGER), Stefan Burban (u.a. DAS GEFALLENE IMPERIUM) oder Martin Kay (SWORD) eher Serientäter sind, bleibt für Einzelromane relativ wenig Platz. Zumindest nehmen sie eher nicht einen prominenten Platz ein. Es vermindert auch extrem den Stressfaktor, wenn man nicht zu viel ganz genau plant. Und auch nicht immer alles sofort ankündigt, als Verlag. Die Autoren sind da bei Facebook oder Twitter mit den Ankündigungen oft viel schneller, als ich.

Michael Schmidt: Du bist ja schon lange im Geschäft. Wie würdest du das Verlagsgeschäft im phantastischen Bereich beschreiben? Welche Schwierigkeiten hat man als inhabergeführter Verlag und welche Vorteile hat die Nische?

Guido Latz: Ich glaube nicht, dass das Geschäft im Bereich der Phantastischen Literatur sonderlich anders ist, als in anderen. Das wird sich alles irgendwie gleichen, was die Probleme betrifft. In meinem Fall sind die Wege natürlich kürzer, Entscheidungen müssen letztlich von mir gefällt werden. Und auch umgesetzt. Das würde ich als Vorteil bei einem 1-Mann-Verlag bezeichnen (angestellte Mitarbeiter gibt es ja keine, man arbeitet in der Regel - bzw. ich arbeite – mit freien Mitarbeitern zusammen, die nicht bei mir vor Ort sind).

Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Meute dort draußen!

Guido Latz: Man sieht sich sicher bald wieder auf Cons; ich selbst plane den nächsten Besuch im April (LCuxon).

 

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