Montag, 11. Oktober 2021

William Lindsey Gresham - Nightmare Alley

William Lindsay Gresham wurde am 20. August 1909 in Baltimore geboren. Gresham war ein von tiefen Ängsten heimgesuchter Mann, dessen Leben regelrecht in dämonischer Finsternis verlief. 1946 schrieb er den Roman Nightmare Alley, der als Klassiker der amerikanischen Literatur gilt und mit Tyrone Power und Joan Blondell in Hollywood verfilmt wurde (dt. Der Scharlatan). Berichten zufolge fand Gresham die Inspiration für den Roman, als ihn ein Trinkkumpan die bizarre Geschichte eines heruntergekommenen Alkoholikers erzählte, der auf einem Jahrmarkt lebenden Hühnern die Köpfe abbiss. Gresham sagte, die Geschichte habe ihn derart verfolgt, dass er durch das Schreiben diese Erinnerung loswerden wollte. Nightmare Alley brachte Gresham kurzzeitig Ruhm und Reichtum, bis er doch wieder alles verlor. Am 14. September 1962 setzte er seinem Leben selbst ein Ende. 

Die Verfilmung ist für den 17. Dezember 2021 angekündigt, hier der Trailer.
 
Auf Grund der Verfilmung erscheint eine Taschenbuchausgabe bei Heyne Hardcore.


Als gebundene Ausgabe ist das Buch seit 2019 bei Festa erhältlich und dabei handelt es sich wohl um eine deutschsprachige Erstveröffentlichung. Der Roman ist auch als Hörbuch erhältlich.

Inhalt:
Willkommen in der Welt der Jahrmärkte und Freakshows. Der junge Schausteller Stanton Carlisle lernt dort die schmutzigen Tricks und wird zum skrupellosen Gauner. Er gibt sich als spiritueller Guru aus, um die Reichen und Schwachen auszunehmen. Es beginnt ein Psychoduell aus Täuschung und Verrat, bei dem nicht länger nur die Zuschauer, sondern alle Beteiligten zu Verlierern werden. Doch sein Spiel der Lügen treibt ihn geradewegs in die Albtraumgasse … Mit effektiver Atmosphäre und außergewöhnlicher Prosa geschrieben, ist Nightmare Alley mehr als ein großes Drama: Stantons entschlossener Aufstieg und der unvermeidliche Sturz ins Verderben ist die röntgenscharfe Durchleuchtung des »american dream«.

Stan ist eine wirklich interessante Gestalt. Mit der vom Tellerwäscher zum Millionär Mentalität versucht er aus dem Schaustellergewerbe auszubrechen und ans große Geld zu kommen. Mit Hilfe Zeena, der Wahrsagerin lernt er die Kniffe der Wahrsagung kennen. Schon ganz zu Anfang sieht man, Stan geht seinen Weg auch über Leichen und so manipuliert er Molly, macht mit ihr eine Solo Nummer, die erst ebenfalls im Schaustellergewerbe angesiedelt ist, bevor sie als Geisterbeschwörung durch die Häuser finanziell potenter Kunden wandelt. Stan wird dabei immer ausgefeilter, wird offiziell Geistlicher und verliert seine letzten Hemmungen.

Fazit: 
Das Buch ist wirklich großes Kino. Wer die Welt von Zirkus und Manege liebt, findet gerade im ersten Teil des Buches alles was das Herz begehrt. Wer sich danach noch für Kontakte zum Jenseits erwärmen kann, sehen möchte, wie entsprechende Sekten funktionieren können und was Mensche dazu treibt, Scharlatanerie zu betreiben, der wird begeistert sein. 
Auch das Personal des Romans ist erstklassig. Zeena, die ihre beste Zeit hinter sich hat, aber niemals ihre Würde verliert. Molly, ein etwas simple Mädchen, das Stan erst auf den Leim geht und dann doch verhältnismäßig aufrecht bleibt, der manipulative Stan, der in der Psychologin Lilith seinen Meister findet. Und die Erkenntnis, dass der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär auch am Ende wieder zum Tellerwäscher führen kann.
Überaus lesenswert und eine literarische Reise in das letzte Jahrhundert.

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