Sonntag, 27. September 2020

Späterland (Interview)


Michael Schmidt: Liebe Julia, stell dich den Lesern doch mal vor!

Julia A. Jorges: Ich bin Phantastik-Autorin aus Leidenschaft, 49 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Ich liebe Tiere, Musik, die Natur und würde mich als eher ernste, nachdenkliche Person beschreiben, was einem tiefschwarzen Sinn für Humor nicht entgegensteht. Ich mag keinen Trubel und genieße es, allein zu sein, ebenso aber die Gesellschaft meiner Lieben. Meine Neigung zum Wunderbaren, Phantastischen, das ich sowohl inmitten als auch abseits des Alltäglichen suche (und mitunter auch finde), ist wohl das Wesensmerkmal, das mich am meisten ausmacht. Dabei hat mich das Düstere, Surreale und Abgründige von jeher mehr angezogen als Fröhliches, Helles. Ich schreibe fast ausschließlich dunkle Phantastik für erwachsene Leser, entsprechend gestaltet sich mein Leseverhalten, wobei ich mir auch gern Science-Fiction zu Gemüte führe sowie ab und zu Fantasy; Filme und Serien wecken nur selten mein Interesse.

Vor diesem Hintergrund ist mein gerade erschienener Roman Späterland eine Ausnahme, da er sich in erster Linie an eine jüngere Leserschaft richtet und – trotz des ernsten Themas – eine heitere, optimistische Sichtweise vertritt.

 Michael Schmidt: Dein neustes Buch Späterland ist für Leser welchen Alters gedacht?

Julia A. Jorges: Für Mädchen und Jungen ab ca. zehn Jahren, die gern in phantastische Welten abtauchen und Tiere mögen, aber auch für erwachsene Tier- und Phantastikfreunde. Ich habe die Geschichte ursprünglich für meine Kinder geschrieben, nach dem Tod unseres Katers Pluto im Jahr 2014. Wenn meine Vorstellung von der Welt hinter der Regenbogenbrücke für den einen oder anderen Leser gleichfalls ein wenig trostspendend wirkt, würde mich das freuen. Ich selbst habe jedes Mal sehr gelitten, wenn ich ein Tier gehen lassen musste.

Michael Schmidt: Worum geht es in Späterland?

Julia A. Jorges: Um die Idee der „Regenbogenbrücke“, die ein geliebtes Haustier nach seinem Tod überschreitet, also den Umgang mit Verlust, Trauer und die machtvolle Kraft der Erinnerung. Es geht außerdem um zwei sehr unterschiedliche junge Menschen – Tarja und Milo –, die sich anfangs überhaupt nicht leiden können. Im Verlauf ihrer Reise durch das fremdartige, manchmal ein wenig unheimliche Späterland raufen sich die beiden zusammen und beginnen den jeweils anderen zu respektieren, um am Ende sogar Freundschaft zu schließen.

Zitat aus dem Klappentext: „Tarjas geliebter Kater Pluto ist gestorben. Sie tröstet sich mit dem Gedanken, dass er in dem einst von ihr erfundenen Späterland weiterlebt. Aber warum klingelt das Glöckchen seines alten Halsbands? Und weshalb träumt Tarja, Pluto würde in Gefahr schweben? Gibt es Späterland wirklich? Tarja beschließt es herauszufinden und begibt sich auf die Suche nach der Regenbogenbrücke.“

Doch die Reise, die unter einem Wasserfall ihren Anfang nimmt, endet nicht in Späterland, sie führt Tarja und ihre zwei- und vierbeinigen Begleiter ins benachbarte Wilderland, wo die Zwölfjährige erfährt, dass es an ihr liegt, die Übernahme der Jenseitswelten durch die unheimlichen Schattenflügler zu verhindern, und weiter nach Mirakima, die Heimat der Fabelwesen.

In der Geschichte kommen die Menschen übrigens nicht besonders gut weg – so stellt sich dem Leser die Frage, was für Erwartungen der frühere Besitzer des gutmütigen Pitbullterriers „Killer“ wohl an ihn hatte, als er ihm diesen Namen verlieh. Oder ob ein Wellensittich im Käfig mit Spiegel und Plastik-Artgenossen glücklich ist. Graupapagei Carlos hingegen belächelt altersmilde die menschliche Vorstellungskraft: „Menschen bilden sich alles Mögliche ein, das nennt man Fantasie. Sie reimen sich gern allerhand Unsinn zusammen. Manche schreiben sogar Bücher darüber.“ Vielleicht aber hätte sich Carlos auch nur eine andere als die ihm zugedachte Rolle in der Geschichte gewünscht.

 Michael Schmidt: Späterland ist illustriert. Von wem sind die Bilder?

Julia A. Jorges: Die Illustrationen stammen aus ganz unterschiedliche Quellen. Bettina Ickelsheimer-Förster vom Shadodex –Verlag der Schatten hat eine wie ich finde stimmige Auswahl getroffen, die das Buch optisch sehr schön aufwertet. In einem Kinderbuch sind farbige Bilder zwar kein Muss, aber ganz sicher ein Pluspunkt.

Michael Schmidt: Und von wem ist das stimmungsvolle Titelbild?

Julia A. Jorges: Bei den einzelnen Bestandteile haben Bettina und ich unserer beider Ideen eingebracht, das Resultat ist verlagsseitig entstanden und passt perfekt, ich bin hochzufrieden damit.

 Michael Schmidt: Kann man das Buch überall erhalten?

Julia A. Jorges: In digitaler Form ist es seit dem 14. September überall erhältlich, wo es E-Books gibt, und natürlich beimVerlag selbst. Die Auslieferung des Taschenbuchs hat sich leider etwas verzögert, sollte aber in Kürze erfolgen, sodass der Roman online und im stationären Buchhandel über die ISBN oder den Titel zu bestellen sein wird.  

Michael Schmidt: Ist die Geschichte abgeschlossen oder wird es eine Weiterführung geben?

Julia A. Jorges: Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und eine Fortsetzung ist zumindest jetzt nicht geplant.  

 Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Leser!


Julia A. Jorges: Lesen – um abzuschalten, als geistige Nahrung, Realitätsflucht, Inspiration, um mitzufiebern, zu lachen, zu weinen, ganz egal – ist das perfekte Mittel, die Hektik da draußen eine Weile auszusperren und sich in andere Welten zu begeben, vielleicht auch die jenseits der Regenbogenbrücke.


Bezugsquellen:

Verlag der Schatten

Reuffel

Amazon

Thalia

Weltbild


 

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