Freitag, 14. August 2020

Basement Tales - Vol. 8 Kopflos


Die Basement Tales sind eine Erfolgsgeschichte. Die Hefte erscheinen als hochwertiges Produkt, edel aufgemacht und mit zweiseitigen Postern zu den Geschichten. Die Basement Tales sind so erfolgreich, das die erste Ausgabe nachgedruckt wurde und die zweite aktuell ausverkauft ist. Wer also sich eines zulegen will, sollte nicht zu lange überlegen. Ob Sperrgebiet nachgedruckt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

Die achte Ausgabe Kopflos bietet skurrilen und phantastischen Stoff von zwei Damen und zwei Herren, wobei die Frauen dieses Mal klar die Oberhand behalten. Nun, so klar vielleicht auch nicht, aber irgendwie schon.

Den Anfang macht die unglaubliche Ina Elbracht. Panoptikum führt den Leser lange auf die falsche Fährte und die Erzählung über einen Privatdetektiv wirkt ein wenig langatmig und umständlich, aber wenn es sich dann auflöst, führt sich alles perfekt zusammen. Und das ist alles nicht nur im übertragenen Sinne kopflos. Es sind ja immer die normalen Menschen, hinter denen sich die schlimmsten Abgründe auftun. Herrlich skurril und überraschend.

Fabienne Siegmund unterbricht mit Der Weg der Vier die typische Dandykost. Ein klassisches Fantasyabenteuer, anrührend und mystisch, aber etwas, was ich so gar nicht bei den Basement Tales  verortet hätte. 

Angry Bird von Christian Endres zeigt, die Irren sind allgegenwärtig und so spielt der Autor mit den bekannten Versatzstücken eines irren Kontrollfreaks, dem sein Handeln zur Hypothek wird. Der Spatz in der Hand, ja das rächt sich. Kurz, knackig und mehr wird da nicht hängen bleiben.

David Gray zeigt mit Feuchtgebiete oder Ein Tee für Mrs. Stapelton erstaunliches. Ein Krimi, typisches Familiendrama mit allerlei Wendungen. Die Geschichte spielt in den 50er und soll den Ruth Ellis Fall widerspiegeln. Cordelia Stapelton ist ein Kind ihrer Zeit und treu ihrer Rolle als Ehefrau ergeben, so treu, das sie eher beiläufig und fast ungewollt dem in der Badewanne masturbierenden Gatten mit dem elektrischen Fön den Garaus macht und wie sie später erfährt, ihm damit zuvor gekommen ist. Ans Licht bringt das Mrs. Stapletons Bruder und er Geliebte ihres Gatten. Am Ende zeigt sich, dass Ordnung wichtig ist und man nie weiß, wofür Gummihandschuhe gut sind. 
Ja, das ganze ist so absurd und schräg, auch von Aufbau der Geschichte, da weiß man am Ende nicht, ob man lachen oder weinen soll. Ich fand´s irgendwie großartig und damit sind wir bei der Ausgangsfrage:
Waren jetzt die Autorinnen oder die Autoren besser? 
Ach, lest doch selbst und bewundert vorher noch das wirklich sehenswerte Titelbild von Stefan Hübsch. 
Und wem das alles nicht reicht Im Dezember gibt es Nachschub. Last Exit heißt Vol.9 und verspricht elf Geschichten. Das ist ja ein dickes Ding!


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