Interview zum Seraph

Der Seraph ist ein Literaturpreis für phantastische Literatur. Seine Homepage findet sich hier.
Ziel ist es laut Statuten:
Der Phantastische Akademie e.V. setzt sich für die Förderung und Anerkennung phantastischer Literatur als gleichberechtigte Literaturform ein.

Die Preisträger seit 2012 findet man hier.
Die Longlistnominierungen 2017 finden sich hier. Die Gewinner werden zur Leipziger Buchmesse vorgestellt.
Wie man der Liste unschwer erkennen kann, ist kaum Horror  vertreten(einzige Ausnahme ist Thomas Finn mit Dark Wood im Verlag Knaur, der auch bis Ende des Monats für den Vincent Preis nominiert werden könnte) sondern nur SF und Fantasy und auf den ersten Blick sind die Zielgruppe eher ein jüngeres (und weibliches?) Publikum.

Im Netz findet man aktuell ein Interview auf dem Deutschlandradio:


Ich gebe zu, mir sind beide Personen des Interviews unbekannt, aber das Gespräch hat den ein oder anderen interessanten Aspekt.
Der eine ist, dass die Phantastische Literatur in Wahrnehmung und Verkaufszahlen sehr fantasylastig ist, ein Umstand, dem wohl niemand entgangen ist, der sich dafür interessiert. Das aber die Leser von phantastischer Literatur überwiegend Frauen sind, ist nicht so schnell zu erkennen, wenn man aber neuere Werke, gerade in der SF liest, sieht man, dass sich auch in der SF auf diesen Umstand eingestellt wird.
Von den Umsätzen in der Buchbranche ist 20-25% der Belletristik bzw. 3% des gesamten Buchmarktes phantastische Literatur. Wenn man dann sieht, das der Großteil der phantastischen Literatur Fantasy ist und SF auch nicht unerheblich, dann folgt daraus, Horror und seine Spielarten spielen keine große Rolle, so sieht man es bei den Seraph Nominierungen und Preisträgern, so sieht man es bei den Verkaufszahlen. Und so fehlt dieses Subgenre auch vollkommen oben in dem Interview.

Ich zitiere auch mal den Interviewer zu einem weiteren Aspekt:
Meyer: Sie haben ja vorhin schon gesagt: Um die öffentliche Wahrnehmung für fantastische Literatur ist es nicht so gut bestellt. In den Feuilletons kommt Fantasy-Literatur und Ähnliches sehr wenig vor. Wir müssen uns da auch an die eigene Nase fassen, auch in unserer Sendung kommt das zu wenig vor
Ja, das ist bestimmt so. Aber ob sich das ändert? Was sowieso IN ist, wie Harry Potter oder jetzt Das Lied von Feuer und Eis, das brauch sich keine Gedanken über Aufmerksamkeit zu machen. Auch Romane wie Der Marsianer nicht (gefühlt ist das SF Genre gerade sehr angesagt, ob sich das in Verkaufszahlen bemerkbar macht, wäre interessant zu wissen). Ich denke, die Aussage dort oben ist nichts anderes als ein Lippenbekenntnis.

Ein sehr interessantes Statement ist, das alle Genres ihre Banalität haben. Dies ist eigentlich unstrittig, aber die Genre Fans sehen das für ihr eigenes Genre leider oft anders.

Graute behauptet dann am Ende, ihnen liegen nicht nur die Bestseller am Herz sondern mehr die Qualität, die Originalität der Werke. Nun, wenn man sich die Preisträger des Seraph anschaut dünkt einem, dass entweder die interessantesten Werke sowieso erfolgreich sind, oder es ist doch eines der haltlosen Lippenbekenntnisse. Aber vielleicht überrascht der Seraph in Zukunft noch und wir entdecken den neuen Phantastikstar ganz alleine dadurch, dass er durch den Seraph ausgezeichnet wurde.
Bis dahin nehmen wir den Preis als das an was er ist: Eine Szene, die sich selbst feiert.

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