Mittwoch, 21. Januar 2015

Michael Haitel - pmachinery (Interview)



Michael Schmidt: Hallo, Michael, im April 2004 startete p.machinery. Im Dezember kam das Buch zum zehnjährigen Bestehen heraus. Erzähl mal, wie es zu dem Buch kam und was es dir bedeutet, AndroSF 50 zu verlegen.


Michael Haitel: Richtig, im April 2004 kam das erste Buch heraus – und damals war noch nichts davon erkennbar, was p.machinery heute darstellt.
Der Jubiläumsband heißt „p.graffiti“ und enthält Kurzgeschichten, ganz in der Verlagstradition. Fünfzehn Autoren haben Geschichten geschrieben, die durch Songs des Albums „Pornograffiti“ der Band „Extreme II“ inspiriert wurden.
Das Thema hat eigentlich keinen besonderen Grund. Oder doch. Ich höre heutzutage nicht mehr viel Musik, schaue lieber ständig Filme auf einem der Monitore an meinem Arbeitsplatz. Die Musik, die ich noch höre, kann man an beiden Händen abzählen. Deep Purples „Made in Japan“ läuft immer wieder, zwei, drei Scheiben von „New Musik“, Sachen der Band „Propaganda“ – der Verlagsname basiert ja auf einem Track der Band – und dann eben dieses Album von „Extreme II“, das eine ziemlich außergewöhnliche Mischung aus melodiösem Heavy Metal, Chorgesang und Funk – mit krassen Bläsersätzen – darstellt. An dem Abend, als mir die Idee zum Jubelband kam, habe ich das Album, glaube ich, angehört. Et voilà.
Dann habe ich eine Reihe Autoren eingeladen, die schon für mich geschrieben haben, die ich mehr oder minder gut kannte, deren Werke mir gefallen haben, ich denke, du kennst das, wie so was zustande kommt. Ich dachte mir, dass für mein Jubiläum eine Riege Autoren mit von der Partie sein sollte, die über mehr oder minder lange Zeit einen nicht unerheblichen Anteil am Verlagserfolg gehabt haben. Vincent Voss zum Beispiel, den ich immer wieder in einer Anthologie habe, Gabriele Behrend, deren Storys mindestens so toll sind wie sie selbst; der Klöpping, der alte Spinner, Axel Kruse natürlich, der mir meinen zweiten DSFP-Gewinn beschert hat, Marianne Labisch, die mich allen Ernstes für den besten (Klein-) Verleger der Welt hält. Lauter so Leute.
Manche der Eingeladenen haben abgesagt oder gar nicht erst reagiert, und dann gab es eine zweite Einladungsrunde. Und dann war die Sache perfekt.
AndroSF 50 ist ja eigentlich noch nicht der fünfzigste Band. AndroSF 25 fehlt immer noch, weil mich einer der Autoren im Stich gelassen hat (kommt aber demnächst). Und AndroSF 48 und 49 habe ich auch geschummelt (die kommen aber natürlich auch demnächst). Aber für mich bedeutet AndroSF 50 insofern einen Erfolg, dass ich zeigen konnte, dass man so eine Reihe durchaus aufziehen und durchhalten kann. Die Idee war ja 2006, dass der SFCD so was macht; das wurde damals abgelehnt, weil nicht genügend Geld vorhanden wäre. Nun, genügend Geld ist bei mir auch nicht vorhanden – und reich wird man mit so einem Verlag auch nicht –, aber es gibt Möglichkeiten, eine solche Buchreihe zu machen, ohne fette Kredite aufzunehmen oder dicke Sponsoren im Rücken zu haben. AndroSF 50 ist der fünfzigste Band einer Reihe, die ich „für den SFCD“ mache, herausbringe, verlege, und auch, wenn man davon ausgehen kann, dass die Auflagen zeigen, dass die SFCD-Mitglieder dergleichen Engagement mitnichten honorieren, ist mir das egal: Ich verschaffe dem SFCD ein Aushängeschild, und ich weiß, dass es nicht selten vorkommt, dass diese Reihe zuerst (!) mit dem SFCD und dann vielleicht (!) mit mir als eigentlichem Verleger in Verbindung gebracht wird. Und das macht mich stolz.
Die Zahl der Bände der Reihe macht mich stolz. Und das, was sie für den SFCD bedeutet, ebenso. In 50, 100, 200 Jahren, so die SF noch existiert und der SFCD noch nicht ganz in Vergessenheit geraten ist, ist AndroSF vielleicht eine echte Hausnummer.
Für mich ganz persönlich ist AndroSF 50, dieses „p.graffiti“, vor allem ein tolles Geschenk, das mir diese fünfzehn Autoren gemacht haben. Jede einzelne der Geschichten hat genau das getroffen, was ich mir vorgestellt habe – eine Geschichte, bei der ich die Quelle ihrer Inspiration erkennen konnte. Als ich Gabriele Behrends Geschichte lektorierte, habe ich Rotz und Wasser geheult. Tedine Sanss hat mich einmal mehr mit ihrem Stück aus der Realität in eine ihrer faszinierenden Welten geholt. Und all die anderen haben einen wirklich tollen Job gemacht, noch viel toller, als sie ihn vorher schon in Anthologien von p.machinery erledigt haben.
Michael Schmidt: Okay, fangen wir vorne an. Wer ist Michael Haitel?


Michael Haitel: Ja, nun, wer das noch nicht weiß :) Ich bin Jahrgang 1959, geboren in Düsseldorf, dort aufgewachsen, war Soldat, Pharmagroßhandelskaufmann, Vertriebsassistent und Logistiker in der chemischen Industrie, und seit 2000 nun Netzwerkadministrator in einer Maschinenbaufirma in Oberbayern. Ich bin zum vierten Mal verheiratet, habe einen Sohn aus erster Ehe, zwei Hunde, einen Verlag und viel zu wenig Zeit für alles Mögliche. Ich bin – das ist immer die einfachste Erklärung – ein Workaholic. Aber das wissen eh die meisten, die das hier lesen werden :) Glaube ich …
Michael Schmidt: Und warum startetest du im April 2004 p.machinery?
Michael Haitel: Die Geschichte hat mit SF und so gar nichts zu tun. 2003 kam die Gattin eines früheren Arbeitskollegen zu mir und bat mich, im Internet nach einem Buch zu suchen. Ich suchte, suchte, suchte und suchte – und es war zwar verzeichnet, aber nicht mehr zu bekommen. Am Ende überlegte ich, dass man das Buch ja neu auflegen könnte. Es zeigte sich, dass die Autorin – eine Japanerin, mit einem Deutschen verheiratet – in Ottobrunn bei München lebte, und es zeigte sich auch, dass sie von der Idee hellauf begeistert war.
So kam es zum ersten Buch: „Ikebana. Geist und Schönheit japanischer Blumenkunst“ von Ayako Graefe. Ich habe nach wie vor keinen wirklichen Bezug zu dieser Kunst, auch nicht zur japanischen Kultur, aber neben der vielen Dinge, die ich für das Büchermachen bei der Erstellung dieses ersten Buches lernte, habe ich auch viel über diese japanische Blumenkunst gelernt. (Und ich gebe zu, dass ein zweites Ikebana-Buch in der Pipeline ist.)
Dass es mit p.machinery weiter ging, lag dann nicht nur an den nachfolgenden Autoren, sondern vor allem am Verkaufserfolg des Ikebana-Buches, das heute noch mit riesigem Abstand zum absoluten Bestseller p.machinerys zählt.
Margarethe Goebels, der Frau meines früheren Arbeitskollegen, die schuld an der Existenz meines Verlages ist, ist auch der Jubelband „p.graffiti“ gewidmet. Natürlich. Wem sonst? :)
Michael Schmidt: Dein persönliches Highlight aus 50 Bänden Andro SF?
Michael Haitel: Schwer. Neben AndroSF 50 sind das natürlich die Bände 20 und 38, die beiden DSFP-Bände, die bislang erschienen (2015 erschienen mindestens zwei weitere, ein dritter ist mit Ralf Boldt in Vorbereitung), und natürlich AndroSF 46, der erste Band der Herbert-W.-Franke-Werkausgabe. Aber im Grunde hängt an jedem der Bücher mein Herz: die ganzen Story-Center-Ausgaben (es folgen 2015 weitere), allen voran die von Books on Demand in Norderstedt abgelehnte Ausgabe 2010 „Inzucht und die denkbare Gesellschaft“, die von Ellen Norten herausgegebenen Katzmarz-Sammlungen „Schattenspiel“ (AndroSF 23) und „Alptraumhaft“ (AndroSF 24) sowie der Katzmarz-Memorial-Band „Abschied von Bleiwenheim“ (AndroSF 36, hrsg. von Andreas Fieberg), die drei völlig ignorierten „Kim Roy“-Bücher von Freder van Holk und Helmut K. Schmidt, und so weiter und so fort. Zu jedem dieser Bücher hätte ich eine Geschichte, zu jedem dieser Bücher habe ich eine Erinnerung, mit jedem dieser Bücher verbindet mich etwas, das ich nicht missen möchte. Es mag sich pathetisch anhören, aber in jedem dieser Bücher steckt auch ein Stückchen von mir.
Michael Schmidt: Versuch doch mal kurz die Reihe zu beschreiben und ein paar illustre Beispiele zu nennen.
Michael Haitel: Naja, die Reihe AndroSF ist ziemlich flexibel. Romane, Kurzgeschichtensammlungen (sogenannte Collections) von einzelnen Autoren, Anthologien (nicht nur die Story-Center-Ausgaben), sekundärliterarische Titel (von denen ab 2015 mehr erscheinen werden). Alles, was mit SF zu tun hat, findet im Grunde genommen seinen Platz. Wenn es mir gefällt :)
Illustre Beispiele zu nennen, ist schwer, das erwähnte ich ja schon. Es gibt einige herausragende Titel nach meinem Geschmack, aber mein Geschmack ist – wie sich an manchen Verkaufszahlen zeigt – nicht unbedingt repräsentativ :) Wer sich wirklich für einzelne Bände interessiert, sollte mal auf www.pmachinery.de herumklicken und sich umschauen. Die Bücher sind i. d. R. auch bei Amazon zu finden, und dort gibt es i. d. R. auch einen „Blick ins Buch“. Und dann gibt es ja auch inzwischen eine ganze Reihe von Rezensionen, auf fantasyguide.de dank Ralf Steinberg, auf dem derstandard.at usw. usf. Versprechen kann ich immerhin, dass für jeden SF-Interessierten in der Reihe etwas dabei ist.
Michael Schmidt: p.machinery ist nicht nur Andro SF. Was gibt es sonst noch?
Michael Haitel: Nun, die Ikebana-Reihe, auch wenn hier der zweite Band noch nicht erschienen ist, ist mir nach wie vor wichtig. Andere Reihen wie „Action, Thriller & Mystery“, „Dark Wor(l)ds“ (hrsg. von Alisha Bionda), „Fantasy“ (mit einem Schwerpunkt auf eher märchenhafter Fantasy vor allem für jugendliche Leser), „Horror“ und „ProtoSF“ (noch in Vorbereitung) sprechen meist für sich selbst. Das sind so die typischen Ablegerreihen im heutigen Fantastik-Betrieb eines Kleinverlages, der sich nicht wirklich beinhart auf eine Schiene spezialisieren möchte.
Bemerkenswert ist vielleicht noch die Reihe „Außer der Reihe“, wo wirklich Bücher veröffentlicht werden, die sonst nirgendwo hineinpassen; letzter Titel ist Band 12 mit dem Titel „Volle Kanne!“, eine Geschichte einer jungen Dame, die gerade den nächsten Step ihrer Karriere als Musicaldarstellerin erfolgreich bewältigt hat. Warum so ein Buch? Nun – die Autorin ist die Tochter einer Autorin meines Verlages …
Die drei „Erlebnis“-Reihen seien noch zu erwähnen. „ErlebnisHund – Hunde erleben“ hat bisher zwei Bücher gesehen; es ist immens schwierig, auf dem Markt wirklich ernsthaft und gut geschriebenes Material zu finden, wenn man keine Hunde-Ratgeber veröffentlichen möchte. „ErlebnisMalta – Malta erleben“ leidet eigentlich unter dem gleichen Problem; eine Autorin, der ich sogar schon einen Vorschuss angeboten habe – was ich mir aus Gründen der finanziellen Leistungsfähigkeit normalerweise verkneifen muss –, wirft sich lieber irgendwelchen dubiosen und letztlich wenig leistungsfähigen Druckkostenzuschüsslern an den Hals, und das nur, weil ich einmal eines ihrer Bücher nicht über Bausch und Bogen positiv rezensiert habe. „ErlebnisWelten – Welten erleben“ umfasst inzwischen immerhin sieben, teilweise sehr aufwendig produzierte Bände, stellt aber auch alles dar – nur keinen Verkaufserfolg. Leider.
Michael Schmidt: Es gibt auch zwei Imprints…
Michael Haitel: Eigentlich sind es vier. „sternwerk“ ist ein Projekt von Sven Klöpping, eigentlich gedacht als E-Book-Schmiede, zu denen ich die Printversionen produziere (bislang zwei Titel), dann „Die|QR|Edition“, eine Reihe von sehr speziellen Projekten, die Hybridmedien zur Welt bringen (Hybrid, weil ein Printbuch über künstlerisch gestaltete QR-Codes die Verbindung zu Texten, Videos, Sounds etc. im Internet zur Verfügung stellt). Der dritte Imprint namens „Pjazza29“ ist noch im Aufbau, was aufgrund der persönlichen Situation des Partners (der auf Gozo, der Schwesterinsel Maltas, lebt) ein wenig schwierig ist. Und der vierte Imprint wird das Monschauer Literaturmagazin HALLER sein, das ich schon seit einer ganzen Reihe von Ausgaben als Layouter betreue; Corinna Griesbach und ich haben uns Ende 2014 entschieden, es nicht mehr nur mit ISSN, sondern auch mit ISBN zu versuchen. (Corinna ist dem versierten pmachinery.de-Besucher von den beiden ersten Horror-Anthologien „Blutmond“ und „Schatten des Grauens“ ebenso bekannt, wie von der Anthologie „Verlassene Orte“ [Außer der Reihe 4].)
Michael Schmidt: Du bist auch im SFCD aktiv. Was machst du, was macht der SFCD und warum sollte man Mitglied werden?
Michael Haitel: Boah, das ist jetzt eine böse Frage. Ja, ich bin im SFCD aktiv. Seit 2006 betreue ich – zum zweiten Mal nach den 80ern und 90ern des letzten Jahrhunderts – die ANDROMEDA NACHRICHTEN, seit ein paar Jahren (2012, glaube ich, ich weiß es nicht mehr genau) bin ich auch Herausgeber und Chefredakteur des ANDROMEDA SF MAGAZIN, und ansonsten kümmere ich mich um den Großteil der Vereinslayouts (Flyer, Broschüren, Aufsteller, was auch immer), und seit der 2014er Vorstandswahl bin ich auch noch Kassierer des SFCD.
Der SFCD versteht sich als Promoter der SF in Deutschland, im deutschsprachigen Ausland und darüber hinaus (sprich: internationale Kontakte). Wir versuchen, überall dort, wo es Bedarf und Möglichkeiten gibt, aktiv zu werden, um die SF in welcher Form auch immer vorwärts zu bringen. Was der SFCD dafür tut, das ist sehr vielfältig – und kleinteilig zur gleichen Zeit. Es sind oft nur Kleinigkeiten, die bewegt werden müssen, um Großes zu erreichen.
Und wer das unterstützen möchte, sollte Mitglied werden. Bis heute gilt eine SFCD-Mitgliedschaft immer noch gerne als Abonnement der Clubzeitschriften, was es aber nicht ist. Wir bemühen uns aktuell mehr und mehr, herauszustellen, dass der Mitgliedsbeitrag – und natürlich die (steuerlich absetzbaren) Spenden (wir sind gemeinnützig) – dazu dienen, die Vereinsziele – vor allem die Förderung der Science Fiction in Literatur und allen anderen Medien – zu unterstützen, und dass die Vereinspublikationen ein Teil dieser Bemühungen und Aktivitäten sind.
Der SFCD ist eigentlich ein Thema für ein eigenes Interview. Es gäbe sehr, sehr viel zu erzählen :)
Michael Schmidt: Nebenbei layoutest du auch eine Menge. Phase X, Magira, etc. Bist du ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen?
Michael Haitel: Nein. Ich bin nur ein Workaholic, der geil drauf ist, Layouts zu machen. Das war der Grund für das Ikebana-Buch, das war der Grund, warum ich 2006 in den SFCD zurückgekehrt bin, das ist der Grund für all das Zeug :)
Michael Schmidt: Anthologien laufen nicht, heißt eine landläufige Meinung. Du verlegst eine nach der anderen. Klär doch mal den Widerspruch auf!
Michael Haitel: Das ist kein Widerspruch. Vermutlich verkaufen sich Anthologien wirklich nicht. Manche meiner Anthologien verkaufen sich recht gut, andere gar nicht. Das ist einfach so. Dass ich dauernd Anthologien verlege, hat mit einem Widerspruch nichts zu tun. Das ist eher Ignoranz. Ich mag Kurzgeschichten, und ich verlege sie gerne. Punkt. Wenn andere Leute keine Kurzgeschichten lesen wollen, dann ist das deren Problem. Ich glaube nicht, dass man ernsthaft versuchen sollte, jemanden daran zu hindern, dumm sterben zu wollen.

Michael Schmidt: Was hältst du von der deutschsprachigen SF-Szene und welche Autoren würdest du empfehlen?
Michael Haitel: Zwei Fragen in einer.
Die deutschsprachige SF-Szene ist gut, leistungsfähig und der internationalen Konkurrenz durchaus ebenbürtig. Autoren wie Eschbach, Schätzing – ja, der auch –, Fleck – obwohl der eher weniger direkt zur SF-Szene zu zählen ist, denke ich –, die ganzen Großen, Berühmten, aber auch die Kleineren – ich nenne sie mal so, ohne dass abwertend zu meinen –, wie Post, Hebben, van den Boom, Endler usw. usf., die Liste könnte endlos sein, diese Autoren zeigen alle jedes Mal, was sie leisten können, wenn es darum geht, deutscher SF zu Rang und Namen zu verhelfen. Und auch in der dritten Reihe, in Kleinverlagen wie dem meinen, verstecken sich Schätzchen, die man auf Dauer nicht wird ignorieren können.
Namen habe ich keine. Ich habe für jeden meiner Autoren irgendein Argument, das sie aus einer Gruppe anderer Autoren hervorheben könnte. Ich habe ein paar Lieblinge, aber das heißt nichts – die hat jeder. Und ich möchte die anderen Autoren, die vielleicht gerade mal nicht zu meinen Lieblingen gehören, die ich aber – nicht nur in meinem Programm, sondern auch bei meinen Kleinverlegerkollegen (wie Guido Latz und Harald Giersche zum Beispiel) – zu schätzen weiß und immer wieder gerne lese und auch veröffentliche, nicht herabsetzen, indem ich hier Namen nenne. Das wäre nicht fair, das wäre nicht richtig – und das würde auch übertünchen, dass auch mein Geschmack einer gewissen Tagesform unterworfen ist.
Michael Schmidt: Wie viele Bücher sind bisher insgesamt bei p.machinery erschienen und welche sind die erfolgreichsten?
Michael Haitel: Es sind 107 Bücher, wenn ich eben richtig gezählt habe; die wenigen E-Books nicht mitgerechnet (es sind vielleicht 10, 12 E-Books, mehr nicht).
Die erfolgreichsten neben dem Ikebana-Buch (> 4000 Exemplare bis heute) sind natürlich „Die Stille nach dem Ton“ (AndroSF 20), „GO! – Die Ökodiktatur“ von Dirk C. Fleck (AndroSF 38) und „Mallorca-Schattengeschichten“ (Außer der Reihe 3) von Elke Becker & Alex Conrad (ich glaube, da sind wir auch schon im vierstelligen Bereich). Einige weitere Titel machen sich auch ganz gut, aktuell zum Beispiel „Der Temporalanwalt“ von Ralf Boldt oder die Titel von Axel Kruse, wobei das immer auch ein wenig vom Engagement der Autoren auf lokaler Ebene abhängt; Axel Kruse ist ein notorischer Lesungsveranstalter und Ralf Boldt hat irgendein bislang unentdecktes Marketinggen im Blut :)
Aber der Erfolg eines Buches ist mir nicht nur wichtig. Natürlich freue ich mich über einen Verkaufserfolg. Aber jede meiner Entscheidungen, ein Buch zu veröffentlichen, hat bislang nichts mit einem potenziellen Erfolg zu tun gehabt.
Michael Schmidt: Was darf der geneigte Leser in nächster Zukunft an Veröffentlichungen erwarten?
Michael Haitel: Bücher . Für 2015 sind eine Reihe von sekundärliterarischen Artikeln in AndroSF vorgesehen. Dazu gibt es mindestens zwei DSFP-Gewinner-Romane (beide von Herbert W. Franke; die hätten eigentlich schon 2014 kommen sollen), in der bekannten Aufmachung der Reihe (das „durchgeknallte Format“ laut Thomas R. P. Mielke ). Und die SF-Werkausgabe von Herbert W. Franke, die ja erst im Dezember 2014 gestartet ist, wird mit … keine Ahnung … mindestens acht, vermutlich aber mehr Titeln erscheinen; immerhin müssen wir bis 2017 zum 90sten Geburtstag von Franke fertig sein :) Die aufgelaufenen Story-Center-Anthologien stehen auch an. Und, und, und …
Eigentlich wache ich jeden Morgen auf und denke nicht nur an meinen Hauptberuf, sondern auch daran, wie ich das alles gebacken kriegen soll. Aber ein bisschen geht immer.
Michael Schmidt: Du bist Hundeliebhaber!
Michael Haitel: Ja. Ich liebe meine beiden Hunde, meine „Moize“, manchmal mehr als alles andere auf der Welt. Ich liebe eigentlich alle Hunde, das sind so tolle Wesen, wenn man weiß, richtig mit ihnen umzugehen, und gleichzeitig hasse ich die Menschen, die Hunde misshandeln, schlecht erziehen, die schuld daran sind, dass es Listenhunde (die sogenannten „Kampfhunde“) gibt, obwohl es keine Kampfhunde, sondern nur schlechte Menschen gibt. Und so weiter – auch so ein Thema für ein ganz eigenes Interview. Belastend für meine Zeit, die mir für meine ganzen Aktivitäten bleibt, kommt nun hinzu, dass ich 2014 begonnen habe, mich im Tierschutz – vor allem Auslandstierschutz, Schwerpunkt Hunde – zu engagieren begonnen habe und das 2015 ausbauen werde.
Neben meiner Frau gibt es für mich keine liebenswerteren Geschöpfe, mit denen ich zusammenleben möchte. Heinz Rühmann wird das Zitat „Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.“ zugeschrieben; ich weiß nicht, ob es wirklich Rühmann war, der das sagte, aber das ist egal. Es stimmt, das ist wichtig.
Michael Schmidt: Ein Wort noch an die Meute dort draußen!
Michael Haitel: Haltet die Ohren steif. Und bleibt gesund. Es gibt nichts Wichtigeres.

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