Freitag, 29. April 2011

Die Frau ist Schuld

1. Die Frau ist Schuld

Die CDU, jahrelang der Ruhepol in Deutschland. Unter Diktator Kohl gab es nur eine Meinung, seine, alle anderen wurden früher oder später stumm geschaltet. Jetzt ist eine Frau an der Macht und schon ist es vorbei mit der Ruhe.

Das Gesundheitswesen funktionierte lange Zeit und galt als eines der besten in Deutschland. Doch die Reformwut machte nicht halt, verantwortlich zeichneten sich zwei Frauen, Fischer und Schmidt, und jetzt scheint das schon ewig bestehende System der Krankenversicherung in seiner jetzigen Form am Ende.

Deutschland galt immer als fleißiges Land, das allerdings den Menschen auch Arbeit gab. Seit der Gleichstellung der Frau in den Siebzigern ist die Dauerarbeitslosigkeit im Kommen. Mittlerweile sind die Adlerwerke der größte Arbeitgeber Deutschlands. Auch eine Art der Emanzipation.

Eine Ehe hält durchschnittlich sechs bis sieben Jahre, auf Grund der Emanzipation missachtet die Frau den Ewigen Bund der Liebe.

Gleichzeitig sinkt die Kinderrate durch die Selbstverwirklichung der Frau, die statt sich ihrer gottgegebenen Rolle als Mutter zu ergeben, selbst Karriere machen will.

Dadurch, dass die Frau nicht mehr der Meister in der Küche ist, geschweige denn der alleinige Essenszubereiter, leidet unser Volk an Fettsucht.

Zu allem Überfluss ist die halbe Chefin der Grünen eine Blondine, wenn auch gefärbt. Sind die Frauen der Untergang unserer jahrhundertlang funktionierenden Gesellschaft?


2. Amerika ist Schuld

Deutschland, das Land der Christen, überwiegen katholisch. Doch nach dem zweiten Weltkrieg kam die atheistische Moral nach Deutschland und jegliches Wertempfinden ging flöten.

Der so genannte US Spielfilm fand Einzug ins deutsche Wohnzimmer, ihm folgten eine Unzahl an Actionfilmen, welche die Gewaltbereitschaft drastisch erhöhten.

Pommes und Cola sind mittlerweile ein Hauptbestandteil der Speisekarte mancher Deutschen. Gepaart mit der amerikanischen TV Kultur, die gegen Bewegung und frische Luft gerichtet ist, sorgt sie für immer dicker werdende Menschen und Herz- Kreislauferkrankungen.

Der Quartalsabschluss, Share Holder Value und ein Unternehmenshorizont von drei Monaten Vorausplanung zerstören solide deutsche Firmen und sind ein Grund für die Massenarbeitslosigkeit.

Busch und sein Ölimperium haben uns in Nullkommanichts die ( auf der Vergangenheit berufende ) Spitzenposition in der Kriegstreiberei abgerungen und sind für die momentanen Schwierigkeiten der Weltwirtschaft verantwortlich.


3. Das Arschloch ist Schuld

Das Arschloch ist Schuld, kommt doch nur Scheiße aus ihm heraus.

Dazu ist es das Unwort, gerade wenn man jünger ist oder es während der Anwesenheit von "Die Frau ist Schuld" laut ausspricht, kann es nur Ärger bedeuten.

Manchmal hält es nicht, was es in dem Moment bei sich behalten soll. Ein peinlicher Vorgang, der mit steigender Anzahl an Lebensjahren unwahrscheinlicher wird.

Außerdem sorgt es direkt oder indirekt für eine gewisse Abholzung der Wälder.

Und nicht unerwähnt bleiben sollte sein Einfluss auf die Reinheit des Wassers und die Sauberkeit riesiger Menschenansammlungen.

Zwischen Mann und Mann kann der zum Anziehungsobjekt werden (prinzipiell "Die Frau ist Schuld") oder zum Streitobjekt.

4. Der Kritiker ist Schuld

Besser wissend wie er daher kommt, zerstört er die Stimmung des Autoren. Dieser hat gerade sein Elaborat fertig gestellt und ist durchdrungen von Enthusiasmus und Kreativität. Dagegen kommt der Kritiker frustriert und schlechtgelaunt daher, ansonsten wäre er ja Autor.

Statt die gelungene Interpretation der deutschen Sprache zu loben, kritisiert der Gegenstand unserer Betrachtung die Missachtung der formalen Regeln, das zeigt, wie einfallslos der Kritiker agiert. Sind doch die hochtrabenden Gedanken des Verfassers vorrangig und lobenswert zu erwähnen.

Die Aufgeführten Punkte des Kritikers zeigen, er kann nicht lesen. Wie sonst käme es zu solch einer Fehlinterpretation ganzer Textabschnitte.

Zweifelsfrei besaß der Kritiker die Möglichkeit, den Ursprungstext zu ändern, oder es war der Lektor, im Originalmanuskript gab es diese Fehler nicht.

Dem Kritiker steht diese Kritik nicht zu. Soll er es doch erst einmal selbst besser machen. Diesen Nachweis ist er schuldig geblieben. Kritisieren kann jeder. Besser machen, das ist es.

Er (der Kritiker) hat eine persönliche Abneigung, daher kann man seine Kritik nicht ernst nehmen, sondern sollte diese in den Papierkorb wandern lassen.

Dem Kritiker fehlt es an Lebenserfahrung, sonst würde er nicht das schreiben, was er geschrieben hat.

Die fehlende Objektivität des Kritikers liegt an den finanziellen Interessen, die er im vorliegenden Fall hat.

Nur ein bestechlicher Kritiker ist ein guter Kritiker.

5. Der Kunde ist Schuld

Der Kunde ist Schuld, sorgt er doch durch seine fehlende Verkaufsaktivität für einen nicht zu akzeptierenden Mangel an Umsatz.

Kauft er dann doch, ist ihm die Ware zu teuer.

Schlimmer noch, er tauscht sie um, weil er einen Mangel attestiert. Ein Kratzer, eine Laufmasche, ein Herstellungsfehler. Als ob er immer so kleinlich wäre.

Und unverschämt wird es, wenn er meint, die Funktionalität der Ware sei nicht der Werbung entsprechen. Eye, ein wenig übertreiben muss man, schließlich macht das die Konkurrenz doch auch. Wie sonst soll man überhaupt etwas verkaufen?

Jetzt beruft sich dieses A... auch noch auf irgendwelche Produkthaftungsgesetze und Garantien. Dabei verdiene ich eh kaum was an dem Produkt. Die ganzen Zwischenhändler zerstören meine Marge. Wie soll ich nur meine Frau und die sieben Kinder ernähren?

Reparieren? Wo lebt der Mensch. Wir sind Teil einer Wegwerfgesellschaft, da lohnt sich eine Reparatur nicht. Was kauft der auch so einen billigen Ramsch, da ist es doch kein Wunder, dass die Ware nicht lange hält.

Nur ein zahlender Kunde ist ein guter Kunde. Wenn er nur schauen will, soll er in den Zoo gehen.

6. Das Auto ist Schuld

Das Auto ist Schuld oder besser gesagt die Vielzahl an Autos ist Schuld, verleiden sie mir doch den Tag, indem sie die Straßen immer dann verstopfen, wenn ich sie befahre. Der Traum von Freiheit, von grenzenloser Mobilität endet im stundenlangen Verharren auf der Stelle.

Das Auto sorgt für den sommerlichen Smog, der überhöhte Ozonwerte bringt und die Luft mit Kohlenwasserstoffen, Stickoxiden und Kohlendioxid schwängert. Die schlimme Alternative ist keine und riecht nach Pommes.

Entfernungen schrumpfen, so kann die ungeliebte Verwandtschaft nicht weit genug wegziehen, immer ist sie leicht mit dem Automobil zu erreichen.

Eine häufige Todesursache ist der Straßenverkehr.

Trotz Auspressen des Klientel Autofahrer durch Kfz-Steuer, Mineralölsteuer, Ökosteuer, Mehrwertsteuer und Versicherungssteuer - ganz zu schweigen von der Lohnsteuer - bleibt der Staatssäckel nicht genügend gefüllt. Da hilft nur noch die Maut.

Wegen des Individualverkehrs und dem Transport über die Straße geht die Deutsche Bahn am finanziellen Krückstock.

Das dichteste Verkehrsnetz der Welt lichtet die "unberührte" Natur Deutschlands. Das massenhafte Artensterben beginnt beim Überqueren des Asphalts.

Die Scheidungsrate schnellt in die Höhe, da Frauen nicht einsehen, aufgrund des neuesten BMW auf die quantitative Explosion ihrer Garderobe zu verzichten.

Saufende Männer und saufende Wagen sind out. Gibt es denn keine richtigen Kerle mehr?

Die Frau fährt Bus, der Rentner Bahn.

7. Die Langweile ist Schuld

Der Langweiler ist Schuld, langweilt er doch allein durch seine reine Anwesenheit. Noch schlimmer wird es, wenn er durch seine Äußerungen - unabhängig ob geschrieben oder gesprochen - langweilt und den erhofften Nervenkitzel vermissen lässt.

Der oder die Langeweile, Mächtigster der modernen Gottheiten, übertrifft selbst Mammon, den Schnöden. Langeweile ist eine Epidemie, deren Ausbreitung unaufhaltsam voranschreitet. Selbst die Musterknaben des Turbokapitalismus wünschten sich solche Zuwachsraten. Langeweile ist der ungekrönte Star und findet sich auf jedem Sender.

Aus Langeweile geschehen die meisten Verbrechen. Mord, Diebstahl, Verleumdung.

Langeweile besteht aus zehn Einheiten und fügt sich damit vorzüglich in das dezimale System ein. Eventuelle Ähnlichkeiten zwischen der der letzten zugrunde liegenden Wissenschaft und dem Gegenstand dieser Betrachtung sind rein zufällig und nicht gewollt.

Langeweile ist ein Zustand, den viele verleumden, gerade wenn sie sich im abhängigen Broterwerb befinden. Aber auch im unabhängigen Broterwerb findet man die gleiche Aussage, auch in der gleichen Quantität.

Auf Grund der Langeweile ist ein Vorstoß verlängerter Arbeitszeit, gerade auch bei den staatlich Beschäftigten, durchaus zu begrüßen. Meldungen, die eine reine Verlagerung der Langeweile im örtlichen Sinne erwarten, sollten weder erhört noch beachtet werden. Schließlich ist sinnvolle Langeweile immer noch erstrebenswerter als sinnlose Langeweile.

Langeweile ist ein Syndrom, das sich auf vielfältige Weise äußert. Neben dem schon erwähnten Verbrechen wären da unter anderem Folgendes zu nennen: Drogenmissbrauch, Seitensprung, versuchte Autorentätigkeit, Glücksspiel, spontane Selbsttötungen, Mitgliedschaft in einer Glaubensgemeinschaft.

Langeweile ist die Triebfeder für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaft.

Ursprünglich hier erschienen.

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