Freitag, 29. April 2011

Volker Strübing: Das Paradies am Rande der Stadt

Die vierziger Jahre des 21. Jahrhunderts. Der Weltkonzern Eden bietet seinen Kunden das vollkommene Glück. Und das sogar kostenlos. In Zeiten, die alles andere als einfach sind, nehmen Millionen das Angebot an und treten unter den Regenbogen, das Wahrzeichen von Eden. Die Menschen leben in einer simulierten Welt, dem Paradies auf Erden.
Doch nicht alle teilen das Glück. Kritiker werfen Eden vor, die menschliche Rasse zu entmündigen, gar zu vernichten. Seelenfänger wie die „Preußische Union Patriotischer Sozialisten“ unterminieren die Grundsätze Edens:

  1. Mache die Menschheit glücklich
  2. Respektiere ihre Entscheidungsfreiheit
  3. Wende niemals Gewalt an
Das ruft „Die Freunde Der Menschheit auf den Plan. Dante und seine Schar Mitstreiter planen, Eden zu stürzen. Theo, ein Junge, dessen Gene optimiert wurden – er ist hässlich, aber dafür außerordentlich intelligent – versucht die Festung Eden zu knacken, aber seine Versuche bleiben erfolglos. Plötzlich wird Kloß, einer ihrer Mitstreiter, von einer Nazigruppe entführt und zum Berliner Regenbogen gebracht. In allerletzter Sekunde retten „Die Freunde Der Menschheit“ ihren Kumpanen und erleben ihre Überraschung. Sie treffen am Regenbogen auf eine Frau: Eva, die aus dem Paradies floh, um ihren Adam zu suchen.
Und mit diesem Moment wird alles anders. „Die Freunde Der Menschheit“ haben durch Zufall den Schlüssel für Eden in den Händen und fortan sind sie Gejagte. Denn sie sind nicht die einzigen, die Interesse an dem Schlüssel zur Macht über Eden halten.

Der Roman ist eine Mischung aus Satire, Jugendbuch, Klamauk und Science Fiction. Stellenweise kann sich der Roman nicht entscheiden, ob er mehr zum „5 Freunde-Prinzip“ tendiert oder zur spitzen Verballhornung der heutigen Gesellschaft. Die ist manchmal störend, manchmal macht es einen großen Reiz des Buches aus.
Die Geschichte selbst wird immer wieder von fiktiven Lexikoneinträgen und Anzeigen unterbrochen, die sehr schön die Welt der zukünftigen vierziger Jahre aufzeigen. Ob Holonet, Daemon oder Beschwörer alles wird anschaulich erklärt, ohne dass es langweilig oder trocken wird. Allerdings hätte ich mir bei den Anzeigen ein wenig mehr Fingerspitzengefühl gewünscht:
Zitat:
Anzeige: Die Tochter missbraucht? Kann sein, dass sie dir nie verzeiht, Jesus tut es. Ab 1,99. Ablass Service der Preußischen Katholischen Kirche.
Das war meiner Meinung nach die Überschreitung des guten Geschmacks. Wenn man darüber hinwegsieht und den gerade zu Beginn des Romans zu häufig vorkommende Klamauk ignoriert, findet man eine heitere, witzige und abwechslungsreiche Geschichte, die uns in ein schillerndes Berlin der Zukunft führt. Viele heute angedeuteten Fehlentwicklungen werden parodiert und ins Groteske gezeichnet.
Die Figuren wie Kevin Pascal, Theos Onkel, Spider und Marta sind allesamt liebenswert und entführen den Leser zu einer spannende Reise in die Zukunft.

Fazit: Sehr lesenswerter Roman mit kleinen Schwächen. Hoffen wir, dass dies nicht der letzte Roman von Volker Strübing war. Man darf gespannt sein.

Das Buch gibt es hier.

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