Freitag, 24. April 2020

Das Mädchen Jorlanda

Ein Haufen Geschichten haben sich im Laufe der Zeit angesammelt. Geschichten  verschiedenster Genres, verschiedenster Art. Zeit genug, die Geschichten Stück für Stück zu präsentieren:
Das Mädchen Jorlanda (aus Schiff der Spione)

Die Stadt Saramee – ein Schmelztiegel von Abenteurern, Glücksrittern, Vertriebenen und verlorenen Existenzen auf der Suche nach einem neuen Weg zum Leben, Ruhm, Reichtum und einen Neuanfang. Doch werden sie ihr Glück in Saramee finden …?

Leseprobe:

Jeden Atemzug spüre ich diesen immerwährenden Schmerz. Der Schmerz, der tief in mir steckt und wie ein Geschwür in meinen Eingeweiden sitzt.
Jeden Atemzug spüre ich die allgegenwärtige Sehnsucht. Die Sehnsucht, die in mir frisst, seit dem Moment, in dem du von mir gegangen bist.
Ich fühle deine weiche Haut. Dein goldenes Haar, so fein und so geschmeidig, es schimmert im sanften Licht des Mondes. Es bedeckt deine zarte Schulter und kitzelt in meiner Nase, wenn ich näher an dich herantrete.
Ich verzehre mich nach deinem lieblichen Wesen, das mich kokett berichtigt, wenn ich etwas Unüberlegtes sage, weil ich durch deine Gegenwart so benommen bin, dass mir der klare Gedanke abhandengekommen ist.
Du bist in Gold nicht aufzuwiegen. Nein, es gibt überhaupt keinen Stoff, der dir und deiner Schönheit gerecht wird.
Meine Eingeweide brennen, wenn ich nur an dich denke. Die Sehnsucht, der Schmerz, der Verlust sind allgegenwärtig und machen das Atmen zur Qual, das Leben zur Qual.
Wann werde ich dich jemals wiedersehen?
Oh, Moula, warum hast du mir das angetan.
Rune Flock biss die Zähne zusammen. Der Gedanke an Moula überwältigte ihn nur selten, so sehr hatte er seine große Liebe in den tiefsten Kerker seiner Erinnerungen gesperrt. Aber Markele, dieser widerwärtige Betrüger, hatte es nach oben gespült.
Er winkte Gret herbei und bestellte einen weiteren Humpen Bier, dazu einen Turan Spezial, einen beißenden, die Gedanken schärfenden Schnaps. Ungeduldig wartete er auf die Bestellung und stürzte den Kurzen herunter, kaum dass er vor ihm stand.

Die tote Geyla hatte ihn fast zu einer Panikreaktion verleitet. Er konnte die Stadt nicht verlassen. Wenn ihm die Messianer schon so nah auf den Fersen waren, würde eine Rückkehr nach Kantras der größte Fehler sein, den er begehen konnte.
Und der Feind saß hier, nicht in Kantras. Er war sich sicher, Markele hatte die Messianer auf seine Spur gebracht.
Aber warum?
Bis gestern wusste er überhaupt nicht, dass sein alter Partner noch lebte. Bis gestern glaubte er, Aqua sei derjenige, der ihm nachstellte.
Jetzt war er sich dessen nicht mehr sicher. Aqua wirkte ebenso überrascht wie er, dass Markele lebte. Oder dass zumindest alle Anzeichen darauf hindeuteten. Er bekam das Puzzle einfach nicht zusammen. Zu viele Teile fehlten. Er beschloss, Aqua aufzusuchen und Antwort auf seine Fragen zu verlangen.
Und zwar genau jetzt!
Es gab keine Zeit zu verlieren. Rune trank seinen Humpen aus, warf achtlos ein paar Cil auf den Tisch und verließ fluchtartig die Nasse Feder.
Aqua, dich werde ich mir vorknöpfen. Es ist höchste Zeit. Und du wirst reden. Erzählst mir alles. Die ganze Geschichte. Das schwöre ich bei allem, was mir heilig ist.



Fantasyguide präsentiert: Schiff der Spione
Der fünfte Band der Anthologiereihe


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