Mittwoch, 29. April 2020

Holy Pot

Ein Haufen Geschichten haben sich im Laufe der Zeit angesammelt. Geschichten  verschiedenster Genres, verschiedenster Art. Zeit genug, die Geschichten Stück für Stück zu präsentieren:
Holy Pot (aus Inspiration)



Holy Pot erschien im Juli 2018. Und zur Story gab es eine begeistere Rezension in den Andromeda Nachrichten 263:
Michael Schmidt präsentiert mit »Holy Pot« eine wunderbare Geschichte. Das Ausgangsbild mit einer schönen Frau, ihrem Trolley und einem Blick in eine außerirdische wie exotische Landschaft wird zu einem Sprungbrett für eine »Mission Impossible«. Eine Formwandlerin soll ein wertvolles Artefakt aus einer Raumstation stehlen. Mit vollem Körpereinsatz und einigen Ideen scheint dieser unmögliche wie gefährliche Auftrag tatsächlich zu klappen. Das Tempo der Geschichte ist ausgesprochen hoch, der Hintergrund exotisch und das Spiel mit den Namen erinnert an Robert A. Heinlein mit seinem galaktischen Pothealer. Die Herausforderungen sind interessant und die sexuell attraktive, über Leichen und Liebhaber gehende Protagonistin dreidimensional, fordernd und sympathisch zugleich. Auch das Ende ist opportunistisch und lässt vor allem auch Raum für eine Fortsetzung. Es sind diese freien Interpretationen in Kombination mit guten Geschichten, welche dem Titel der Sammlung so gerecht werden


Leseprobe:


„Ja, ja, ich habe dich verstanden.“
Ihr Konterfei spiegelte sich in dem Außenfenster. Sie musterte ihren Körper, die hohen Brüste, das kräftige Becken und den nicht ganz flachen Bauch. Sie war keine Miss Twiggy. Fast jeder Mann würde sie einem so elenden Klappergestell vorziehen, schließlich bot sie genau das was Männer erfreute. Die wenigen Ausnahmen waren Gestalten, denen sie sich selbst in höchster Not nicht anvertrauen würde, halbvergeistigte Künstler, die sich in Wirklichkeit vor der Weiblichkeit ekelten und den Schlankheitswahn propagierten. Kritisch beäugte sie ihre blonde Frisur und zupfte an einer widerspenstigen Haarsträhne. Das Ergebnis missfiel ihr, aber sie hatte jetzt anderes im Sinn.
Sie legte den Kopf zur Seite. Interferenzen störten das Signal ein wenig, aber sie hatte keine Mühe ihn zu verstehen. Paula wollte nur ein wenig Zeit gewinnen.
„Warte bitte einen Moment. Die Verbindung ist nicht gut. Ich trete gerade aus der Station heraus, dann wird die Verbindung besser. Sekunde!“
Während sie durch die Schleuse trat, hörte sie sein Seufzen. Ihr Boss fühlte sich ihr immer ein wenig überlegen und es machte ihr unglaublichen Spaß, sich in der Rolle der leicht begriffsstutzigen Dame zu präsentieren. Das blonde Dummchen mit großem Vorbau halt und entsprechend perlte sie ein verschämtes Lachen ins Mikro.
Das LUI Feld baute sich auf, sorgte für Atmosphäre und Gravitation und so schritt sie über den kahlen und unebenen Felsbrocken als würde sie an einer terrestrischen Uferpromenade entlang flanieren. Sie zog ihren Trolley hinter sich her und es fühlte sich an wie kleinteiliges Pflaster. Sie liebte diesen Effekt ebenso wie gutes Essen und einen schmackhaften Wein.
Paula war der Genießertyp.
„Paula, ich habe dir die Sache jetzt schon hundertmal erklärt. Jetzt konzentriere dich bitte. Ein weiteres Mal werde ich mir die Mühe nicht machen. Capito?“
Sie lächelte still in sich hinein. Sie liebte es wenn er ungeduldig wurde und dieses durchdringende und genervte Capito von sich gab. Das machte ihn mächtig stolz und wog ihn in Sicherheit. Natürlich wusste sie genau was sie zu tun hatte. Aber er schlaumeierte mit solcher Inbrunst, dass ihr jedes Mal warm ums Herz wurde.
„Gut! Ein letztes Mal…“
Erneut ein hörbares Seufzen, dann sprudelten die Anweisungen nur so aus ihm heraus. Doch sie hörte gar nicht hin.
Sie blickte gen Himmel und bewunderte den roten Planeten, auf dessen Mond sie sich befand. Und just in dem Moment, genau wie sie es vorherberechnet hatte, zog die riesige Raumstation am Horizont auf. Sie wirkte wie ein interstellares Puzzle, aber eines, bei dem die unterschiedlichsten Stilrichtungen vereint worden waren. Unzählige Komponenten hatten sich im Laufe der Jahrhunderte an sie herangedockt und so ein ungezähmtes und unkoordiniertes Wachstum hervorgerufen. Unzählige weitere waren Erweiterungen und Verbesserungen, mal Provisorien, die sich als dauerhaft erwiesen, mal geplante Ausbauten, die niemals fertig geworden waren, weil irgendjemand das Interesse an seiner Idee oder die passenden Mittel verloren hatte. Diese asymmetrische Unform hatte etwas Verstörendes, verhieß andererseits Abenteuer und bestenfalls Ruhm, wenn auch viele der Glücksjäger hier ihre Nemesis fanden.
Sie hoffte auf einen guten Ausgang. Nein, sie glaubte daran, mit voller Inbrunst. Sie würde erfolgreich sein.
„Ja, ich habe verstanden. Morgen um 17 Galaktische Standardzeit werde ich per Fähre das Galactic Pot Healer betreten und mich genau an deine Anweisungen halten. Capito!“, fügte sie noch scherzhaft hinzu, in sich hineingrinsend. Humor war nicht unbedingt die Stärke ihres Bosses und sie liebte es, ihn zu kitzeln. Sie hörte sein scharfes Einatmen, aber er blieb stumm.
Das Galactic Pot Healer zog währenddessen unbeirrt seine Bahn am Firmament. Optisch schien das sowieso schon beeindruckende Gebilde noch zu wachsen und in ihrem Unterleib breitete sich ein warmes und wohliges Gefühl aus.
Sie suchte das Abenteuer und morgen würde ein ganz besonderes und eminent wichtiges beginnen. Sie stellte den Trolley kurz ab, strich sich über den wadenlangen Rock, der ein wenig Falten geworfen hatte, und schaute verträumt nach oben.
„Ich werde dich nicht enttäuschen. Und dann sind wir endlich am Ziel unserer Träume.“
Alles war gesagt. Sie schaltete ab, zog den Trolley in die andere Richtung und betrat die Schleuse erneut. Die Zeit raste und sie musste sich in Form zu bringen.


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