Mittwoch, 20. Mai 2020

Der dunkle Fleck

Ein Haufen Geschichten haben sich im Laufe der Zeit angesammelt. Geschichten  verschiedenster Genres, verschiedenster Art. Zeit genug, die Geschichten Stück für Stück zu präsentieren:
Der dunkle Fleck (aus Fantasia 214/215, Fantasy, EDFC)
Die Geschichte erschien im Mai 2018 einzig in der Ausgabe Fantasia 214/215 des EDFC
Der EDFC hat die gedruckte Version der Fantasie mittlerweile eingestellt, die neuen Ausgaben gibt es als kostenloses E-Book.
Der Anfang der Geschichte entstammt einer Challenge des Fantasyguides. Natürlich handelt es sich um eine Fantasygeschichte.

Leseprobe:

Der Auftritt war spektakulär. Einmalig und Aufsehen erregend. Quasi aus dem Nichts platzte der Fremde in die Ratsrunde. Unruhe breitete sich unter den Anwesenden fort, manche ängstlich, andere überrascht. Mit einer Ausnahme. Wütend schaute der Kanzler nach der Hofmagierin. Eigentlich durfte es solch ein Ereignis nicht geben. Gerade dafür hatte der König doch die beste Magierin im Lande eingestellt. Doch lag diese wimmernd am Boden, sie würde keine Hilfe sein. Und dass sie Hilfe brauchen würden, stand außer Zweifel. Dieser fremde Zauberer verströmte den Odem des Bösen. Der Kanzler zügelte seine Emotionen. Er musste Ruhe bewahren und versuchen, die Absicht des Eindringlings zu erfahren.
Der König kam ihm zuvor.
“Fremder, welches ist Euer Begehr? Kommt in Frieden oder bleibt fort. Ansonsten werdet Ihr die ganze Härte meiner Herrschaft spüren.”
So selbstbewusst die Worte auch klangen, so wenig war das Zittern in der Stimme des Herrschers zu überhören. Dies war kein Scharlatan, den man mit einer einfachen Geste und etwas harten Worten in die Schranken weisen konnte.
Ein meckerndes Lachen erklang. Die Gestalt in dem roten Kapuzenmantel hob die Arme und sprach ein unverständliches Wort. Mit wirbelnden Armbewegungen und murmelnden Lauten erhob sich die Hofmagierin, lief taumelnd zwischen den Ratsmitgliedern hindurch, als wäre sie von Sinnen, gejagt von den Kreaturen der Nacht. Ein grell leuchtender Blitz stoppte ihren Lauf. Dann war sie spurlos verschwunden. An ihrer Stelle erschien ein kleines Drachenjunge.
Erschrocken schrieen die Ratsmitglieder auf, je nach Temperament mit unterschiedlicher Lautstärke. Der König erbleichte. Der Kriegsminister, allseits bekannt für seinen aufbrausenden Charakter, stürzte sich ohne Nachzudenken auf den Eindringling. Und bekam umgehend die Konsequenzen zu spüren. An seiner Stelle hoppelte ein Kaninchen orientierungslos durch die Gegend.
Panik brach aus. Die Ratsmitglieder sprachen wahllos durcheinander. Des Königs Würde fiel von ihm ab. Nur der Kanzler blieb ruhig. Er hatte sein Geschäft von der Pike auf gelernt, so schnell erschütterte ihn nichts.
“Was willst du, Eindringling? Lass uns nicht wie unwissende Lehrburschen sterben, sondern eröffne uns dein Begehr.” Die Kapuze ruckte in seine Richtung.
“Sterben? Oh, ihr Unwissenden. Wer redet vom Sterben. Ich bin euch nicht feindlich gesonnen, ganz im Gegenteil. Wie mir zu Ohren gekommen ist, sucht ihr einen Hofmagier, und seht da, ihr seid fündig geworden. Es wird euch keine müde Goldmünze kosten, nur ein Mehr an Ruhm und Ehre einbringen. Werter König, seid Ihr einverstanden?”
Ratlosigkeit machte sich im Gesicht des Königs breit. Der Kanzler übernahm die Initiative. Wie immer. Schließlich führte in Wirklichkeit er die Staatsgeschäfte, der Blaublütige wahrte nur den äußeren Anschein.
“Welche Bedingungen stellt Ihr? Und erzählt nicht, Ihr wäret völlig selbstlos. Dem würde ich keinen Glauben schenken.”
“Ein Blutopfer für jeden vollen Mond, dies ist mein einzig Begehr. Und euer Lohn wird kein Geringer sein. Mit meinem Vorgänger soll der Bund besiegelt werden.”
Der Kanzler wog nur kurz ab, doch das Streben nach Macht und Reichtum war zu stark in ihm. Er schob die düsteren Vorahnungen zur Seite, die ihm ob der Forderungen kamen. Egal, was die Zukunft bringen würde, er würde Kanzler bleiben. So war seine Entscheidung klar.
“Ich bin einverstanden, doch erst, wenn mein Kriegsminister in seiner alten Gestalt zurück ist. Ich halte absolut nichts vom unnötigen Verschwenden wertvoller Mittel.”
“So soll es sein.”
In zerrissener Kleidung erschien der Kriegsminister, den Rücken wie von Peitschenhieben entstellt. Doch die Erleichterung über die Rückkehr überwog den Schmerz. Demütig warf er sich zu Boden. Er hatte seine Lektion gelernt.
Ein Pentagramm erschien unter der ehemaligen Hofmagierin. Das Drachenjunge versuchte zu fliehen, doch unsichtbare Wände hielten es im Bannkreis des Bösen gefangen. Nebel wallte auf, schwarzer, nach Schwefel und Phosphor riechender. Und verschwand schlagartig. Zurück blieben nur ein paar Blutflecken. Die alte Magierin war nur noch Geschichte, der Bund mit dem Bösen besiegelt. Dann war der Eindringling verschwunden. Aber der Kanzler war sich sicher, nicht für lange. Er sprach kurz ein paar gemurmelte Entschuldigungen, dann verschwand er durch die Hintertür. Es gab viel zu tun.

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