Mittwoch, 20. Mai 2020

Galactic Pot Healer

Ein Haufen Geschichten haben sich im Laufe der Zeit angesammelt. Geschichten  verschiedenster Genres, verschiedenster Art. Zeit genug, die Geschichten Stück für Stück zu präsentieren:
Galactic Pot Healer (aus Das Alien tanzt Kastaschok)

Die Geschichte erschien im Juni 2017 und nimmt ein paar Helden der Popkultur auf die Schippe, was wohl nicht jedem gefiel, aber umso mehr Vergnügen bereitete. Und dem Autor so viel Vergnügen bereitete, das eine ganze Anzahl an Geschichten folgte wie man hier nachlesen kann.




Leseprobe:
Berish, der Trojaner, sog die Atmosphäre des Galactic Pot Healer wie ein Erstickender ein. Alles war so groß, so grell, so außergewöhnlich. Die hohen Decken mit ihrem verwirrenden Lichtspiel, das Szenen zeigte, die verblassten, kaum dass man ihnen gewahr wurde und schon eine neue bildeten. Die unendliche Tiefe, Bezirk an Bezirk, die erahnen ließ, wie groß das Galactic Pot Healer war, ohne es wirklich zu zeigen. Die Wände waren aus einem fließenden Stoff, der mal welche entstehen ließ, mal wie eine Geistererscheinung verschwand. Alles war im Fluss und die immerwährende Bewegung von Wänden und Deckenschmuck verwirrte Berish zusehends und so trank er einen Nazgȗl nach dem anderen.
Und dann erschien er.
Die Flügel der Eingangstür klappten wie Seraphim Schwingen seitlich nach oben und abrupt verstummten alle Gespräche um ihn herum.
Der Typ war riesig. Ein wahrer Basilisk, auch breit und sein leuchtend goldener Mantel knisterte hörbar bei jeder Bewegung. Berish sah seinen besten Kumpel Tremish an, mit Augen, die so groß wie ein Beelenburt waren und fast aus ihrer Verankerung fielen. Fast war er geneigt, zu Boden zu kriechen und ihm die Füße zu massieren, um ihm, dem Legendären, Respekt zu zollen.
Aber Berish wusste auch, was ihm auf Troja Respekt verschafft hätte, würden ihn hier unmöglich werden lassen. Also kratzte er all seinen Mut zusammen, nahm den Nazgȗl und prostete dem Neuankömmling zu, die Hand zitternd wie eine liebeskranke Demeter.
Unter der Krempe des Stetson verzog dich das goldfarbene Gesicht, die Augen, grell wie eine Nova, so hatte Berish es gehört, doch verbarg eine schwarze Sonnenbrille ihre wahre Natur und so konnte er nur spekulieren, ob die Gerüchte stimmten. Für einen winzigen Moment schien der Angesprochene ratlos, zumindest deutete der Trojaner den Hauch des Zögerns so, doch dann trat er vor, ragte wie ein gewaltiger Felsen vor Berish und nahm dem Zitternden mit einer sanft anmutenden Geste den Nazgȗl aus der Hand.
„Prost“, erwiderte er und kippte den Drink in einer fließenden Bewegung in seine durstige Kehle, bevor er, ohne zurückzublicken, weiter in das Galactic Pot Healer schritt.

So kam es, das Berish, der Trojaner, und Tremish, sein bester Kumpel, noch viele Jahre später von ihrer Begegnung mit dem Goldenen Reiter sprachen und damit zur lokalen Berühmtheit mutierten. Und jedes Mal tranken sie dabei reichlich Nazgȗl und überboten sich in ihren Schilderungen.

 Mich war ein Antler durch und durch. Schmal und feingliedrig und immer für einen kleinen, amüsanten Plausch für Zwischendurch zu haben. So war es nur folgerichtig gewesen, dass er in diesem absolut aufregenden Laden anfing und auch hängen blieb. Mittlerweile war es zwei Galactics her, seit er bei Galactic Pot Healer angeheuert hatte und es gab nicht den leisten Moment, in dem er die Entscheidung bereut hatte. Vorher war er monatelang auf Interstellarschiffen unterwegs gewesen und dafür zuständig gewesen, die Passagiere und die Mannschaft mit seinen Zoten und Geschichten zu unterhalten.
Aber die waren ja alle so anspruchsvoll. Dem einen waren seine Darbietungen nicht lustig genug, dem nächsten zu bieder, der dritte wünschte sich mehr Aktion und den Frauen fehlte die Liebe. Irgendwann hatte er, genervt von all der Kreativität erstickenden Kritik ausgestiegen und seitdem trieb er sein Unwesen als Barkeeper. Er mixte die exotischsten Drinks, wusste immer, was sein Gegenüber brauchte, mal war es Lob und ein scharfer Schnaps, mal ein wenig Reibung und ein süßer Longdrink. Mich war in seinem Element, während er mixte, tanzte er für sein Publikum, sang die herzerweichendsten Arien und steigerte den Umsatz in seinem Bezirk um das Dreifache. Die anderen Bezirke hatten ihm schon eine Abreibung angedroht, aber Bessels Schränke waren eingeschritten und seitdem wurde er von allen Angestellten im Galactic Pot Healer hofiert, selbst von denen, die ihn unzweifelhaft hassten.
Bessels Bezirk blühte und war daher auch Ort der diesjährigen Runde. Und genau da fand Michs unbekümmerte Natur ihren Totengräber. Es war erst der Schwall an so unglaublich mieser Luft, das er an ein Versagen der Umwälzautomatik dachte, doch dann viel sein Blick auf Sabber, die Wut. Das unförmige Wesen kroch auf seinen…Mich wusste nicht, wie er es nennen sollte. Sabber glitt über den Boden, eine fäulnisverbreitende Schleimspur hinter sich herziehend, die nichts Lebendiges mehr gedeihen ließ. Es war Bedingung jedes Barbetreibers, dass Sabbers Reinigungsteam hinter ihm her putzte. Trotzdem wünschte sich niemand Sabber zum Gast.
Mich war daher ungewöhnlich stumm servierte fahrig den sorgfältig vorbereiteten Sabbertrunk und registrierte erleichtert, dass Sabber sich artig bedankte, ein großzügiges Trinkgeld gab, aber seinen berühmten Rülps unterdrückte.
Kaum war Sabber hinfort, sank Mich erschöpft zu Boden. Es dauerte fast eine Stunde, bis Mich sich wieder im Griff hatte. Und umso überdrehter waren danach seine Darbietungen.

Meine Werke

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